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Sklanskys Fundamentaltheorie

Ein Artikel von Alex Lauzon

Eine Fundamentaltheorie ist ein unumstößlicher wissenschaftlicher Lehrsatz, auf dessen Struktur sich weitere Theorien aufbauen lassen. Nachdem im Poker letztendlich nicht der Fall der Karten, sondern, längerfristig betrachtet, die jeweilige Spielweise für den Erfolg verantwortlich ist, muss es ein Faktum geben, das diese unterschiedlichen Erfolge rechtfertigt.

Sklansky hat folgende Situation als Basis seiner Überlegung hergenommen:

Würden alle Spieler ihre Karten jederzeit offen auf den Tisch legen, so könnte jeder einzelne immer die optimale Entscheidung, basierend auf der Wahrscheinlichkeit des Potgewinnes in Relation zur Höhe des Pots und dem notwendigen Einsatz, treffen. Jeder erfahrene Spieler würde grundsätzlich fehlerfrei kalkulieren und letztendlich gäbe es, einen entsprechend langen Zeitraum berücksichtigend, weder Verlierer noch Gewinner.

Im Nachteil wäre in solchem Fall der Spieler, der sich Fehler in der Berechnung der Wahrscheinlichkeiten erlaubt.

Demzufolge lautet Sklanskys Fundamentaltheorie des Pokerspiels folgendermaßen:

Wenn immer Sie Ihr Blatt anders spielen als Sie es tun würden, wenn Sie Einsicht in die Karten Ihrer Gegner hätten, führt dies zu einem Vorteil für die Gegner; spielen Sie Ihr Blatt exakt in der Weise, in der Sie es unter Einsichtnahme der gegnerischen Karten tun würden, erzielen Sie einen Vorteil. Dementsprechend, spielen Ihre Gegner in anderer Weise als Sie es tun würden, wären ihnen Ihre Karten bekannt, gereicht Ihnen dies zum Vorteil; treffen Ihre Gegner exakt die gleichen Entscheidungen, die sie in Kenntnis Ihres Blattes getroffen hätte, werden Sie zum Verlierer.

Nehmen wir ein Beispiel (Ebenso wie der Lehrsatz selbst, stammt dieses Beispiel aus Skanskys Buch: „The Theory of Poker!“):

Sie spielen No-Limit-Hold’em. Ihre Anfangskarten sind: Jh – 10h.

Ihr Gegner verfügt über: Ks – Qd

Der Flop: Qh – 8c – 7h

Sie checken. Ihr Gegner bringt einen Einsatz und Sie gehen mit. Im Turn folgt:

Ad

Nun bringen Sie den ersten Einsatz und repräsentieren dadurch ein gepaartes Ass. Würde Ihr Gegner Ihre Karten kennen, würde er um so viel erhöhen, dass Ihre Chance auf Flush oder Straße (11 Outs, den König in der Hand des Gegners berücksichtigend) ein Mitgehen nicht rechtfertigen könnte. Zum gegebenen Zeitpunkt ist sein Blatt das bessere. Geht er bei Ihrem Einsatz schlicht mit, dann gewinnen Sie dadurch, dass Sie Ihre Kaufchance relativ billig wahrnehmen. Bewegen Sie ihn mit diesem Einsatz sogar zum Passen, ist Ihr Gewinn umso größer. Verdächtigt er Sie jedoch eines Bluffs und verhält sich genauso wie er sich in voller Kenntnis Ihres Blattes verhalten würde, dann ist es offensichtlich, dass Sie der Verlierer sind.

Im gegebenen Beispiel wäre passives Spiel des Gegners natürlich keineswegs als Fehler im allgemeinen Sinn zu werten. Schließlich hat er, bedingt durch Ihren Einsatz, berechtigten Anlass dazu, ein Ass in Ihrer Hand zu vermuten. Die zitierte Fundamentaltheorie jedoch berücksichtigend, wäre das einzig optimale Spiel, die entsprechende Erhöhung.

Nehmen wir, zur besseren Veranschaulichung, ein weiteres Beispiel. In Omaha-Limit verfügen Sie über:

Ad – Kc – Jc – 10d

Nach Ihrer Vorfloperhöhung bleibt Ihnen ein Gegner mit folgendem Blatt:

9s – 8h – 7s – 6d

Der Flop: 9d – 8d – 9c

Sie kennen den Ausspruch in Omaha: Was immer möglich ist, ist auch wahrscheinlich? Allerdings, haben Sie einen einzigen Gegner isoliert, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Gegner über die passenden Karten zum Full House verfügt, entsprechend. Sie zählen 9 Outs zum höchsten Flush, 6 weitere zur jeweils besten Straße. Die Chance, Ihr Blatt bis zum River zu verbessern, beträgt etwa 50%.

Nehmen sie die Wahrscheinlichkeit in der zufälligen Kartenverteilung her, dann sehen Sie die Gefahr von 9 und 8 in der Hand des Gegners als keineswegs übermäßig – und vorsichtiges Mitgehen wäre durchaus gerechtfertigt. Ergo, im herkömmlichen Sinne wäre es natürlich kein Fehler, Ihr Blatt entweder vorsichtig zu spielen oder gar einen Bluff zu versuchen (im Falle eines einzigen Gegners).
Wüssten Sie jedoch, dass Ihr Gegner bereits über ein Full House verfügt, dass Sie ihn nur mit Hilfe von zwei passenden Karten (z. B. A – A oder K – K) schlagen könnten, dann würden Sie natürlich nicht einen einzigen Einsatz verschwenden. Passen wäre das einzig Richtige!

Nachdem sich aus solcher Überlegung natürlich keine allgemein anwendbaren Verhaltensregeln ableiten lassen, dient die Kenntnis von Sklanskys Fundamentaltheorie dem fortgeschrittenen Spieler, der sich sowohl während des Spiels als auch danach, tieferer Analyse widmet, wesentlich mehr als dem Anfänger. Bei der Beurteilung einer Situation den beschriebenen Umstand zu berücksichtigen, ist letztendlich ein weiterer Schritt zu optimalem Pokerspiel, dem eigentlichen Ziel all derer, die sich vor der Mühe der Weiterbildung nicht scheuen. Auch können Sie mit Gewissheit davon ausgehen, dass die Spieler, die sich regelmäßig auf den Finaltischen der namhaften Turniere treffen, mit dieser Art von Pokertheorie aufs beste vertraut sind.

Euer Alex Lauzon