Master Classics of Poker in Amsterdam

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Vom 05. bis 13. November fand mit den Master Classics of Poker wieder eines der traditionsreichsten Pokerfestivals in Europa statt. 7 Turniere wurden angeboten, der kleinste Event schlug mit 100.- € (No Limit Holdem mit multiple rebuys während der ersten 90 Minuten) zu Buche, während für das 3tägige Hauptturnier immerhin 5.000.- € auf den Tisch gelegt werden mussten. Da das Holland Casino während der Turnierwoche Platz für fast 300 Pokerspieler bietet, kommen auch bei den kleineren Turnieren ganz ordentliche Preisgelder zusammen, selbst bei dem 100.- € Turnier erhielt der Gewinner über 24.000.- € und beim Hauptturnier durfte sich der Erstplazierte über sagenhafte 528.000.- € freuen. Als zusätzlichen Bonus nimmt das Management bei diesem Turnier keine Teilnehmergebühr, obendrein wird der Preisgeldtopf noch um weitere 45.000.- € durch die Direktion aufgestockt, so dass die Plätze 19 bis 27 das Buyin zurückerstattet bekommen. Das Festival war immer schon gut besucht, aber der Andrang dieses Jahr sprengte alle Rekorde. Bis auf das Pot Limit Omaha Turnier (282 Teilnehmer) und das 5.000.- € Turnier (267 Teilnehmer) waren alle anderen Veranstaltungen komplett ausgebucht.

Wie Ihr in den Berichten der letzten Monate lesen konntet, ist meine Turnierform leider momentan alles andere als gut, so dass ich nur 3 Events fest buchte. Ich entschied mich für das 800.- € No Limit Holdem aufgrund der ausgezeichneten Turnierstruktur und der Erinnerung daran, dass ich bei diesem Turnier vor 2 Jahren bereits am Finaltisch saß. Das Pot Limit Omaha Turnier ist die Pflichtübung, da ich meinen 15. Platz in der europäischen Rangliste zumindest verteidigen und vielleicht auch verbessern wollte. Als 3. Turnier suchte ich mir dann noch das 300.- € No Limit Holdem aus, aufgrund der Rebuymöglichkeiten war mit einem recht hohen Preisgeld zu rechnen. Das 5.000.- € Turnier stand eigentlich nicht auf meinem Plan, im Wesentlichen wollte ich mich auf die höheren Omaha Cash Games konzentrieren. Holland Casinos Amsterdam bietet nämlich außergewöhnlich gute Rahmenbedingungen für einen derartigen „Arbeitseinsatz“: Das Zauberwort ist „Circle Priveé“. In einem separaten Raum, ähnlich einem 2. Casino im Casino stehen 3 weitere Pokertische. Hier finden 2 Omaha Partien mit einem Buyin von 2.000.- € und 20/40 Blinds, sowie eine 5.000.- € Partie (Blinds 100/100) statt. Der 5.000.- € Tisch ist eine Schuhnummer zu groß für mich, aber in der 2.000.- € Partie fühle ich mich richtig zu Hause. Ist man einmal Gast im Circle Priveé, wird man behandelt wie ein König. Alle Getränke sind kostenlos, die Menükarte des ausgezeichneten Restaurants liegt für die Gäste ebenfalls ohne Preisauszeichnung bereit. Das Servicepersonal ist von ausgesuchter Freundlichkeit und bemüht, uns quasi jeden Wunsch von den Augen abzulesen. So ein Verwöhnprogramm ist in anderen Casinos nur Highrollern vorbehalten, die bereit sind, bei den diversen Glücksspielen wie Roulette, Black Jack oder Punto Banco ihr Geld in größeren Dimensionen zu riskieren. Ich selbst hege keinerlei Ambitionen in diese Richtung und somit kenne ich die VIP Lounges aller anderen Casinos dieser Welt nur von außen.

Insgesamt lief die Mission in den ersten Tagen ganz erfolgreich an und bereits am Dienstag zeichnete sich ab, dass am Main Event mehr als 250 Spieler teilnehmen werden. Eine gesunde Portion Optimismus ist wahrscheinlich ein Charaktermerkmal aller Pokerspieler und so entschloss ich mich, mir selbst eine Chance zur Teilnahme zu geben. Sollte ich es in der Dienstagsitzung schaffen, das Buyin zu erwirtschaften, würde ich entgegen meiner ursprünglichen Absicht doch die Lido Open spielen. Um 2 Uhr nachts war es dann soweit: Ich konnte einen schönen Pot ziehen und war exakt 4.900.- € vor. O.K., die 100.- € habe ich dann doch noch aus eigener Tasche zugebuttert und mir das Ticket für den nächsten Tag besorgt. Wie das Turnier selbst gelaufen ist? Nun reden wir besser nicht darüber, all in all it´s just another brick in the wall, Im Juli anläßlich der World Series in Vegas habe ich mich mal etwas länger mit Chris „Jesus“ Ferguson unterhalten. Er erzählte mir, dass er es einmal für fast 100 Turniere in Folge fertig gebracht hätte, keinen Finaltisch zu sehen. Danach war er dann allerdings 8 mal hintereinander im Spotlight. Wie gesagt, Optimismus ist eine grundlegende Charaktereigenschaft erfolgreicher Pokerspieler.

Euer Michael