Versailles, Windsor und St. Petersburg – Glücksspiel am Hof der Könige

In Versailles erhob Ludwig XIV., der Sonnenkönig, das Glücksspiel zu einem festen Bestandteil seines absolutistischen Zeremoniells. Karten- und Würfelrunden waren streng ritualisiert, und das Privileg mitzuspielen, war eine außerordentliche Ehre. Besonders beliebt waren Lansquenet, Pharao und Baccara – Spiele, die schnelle Runden und hohe Einsätze erlaubten. Zeitgenossen berichten von Verlusten, die den Wert ganzer Landgüter überstiegen. Eine bekannte Episode erzählt vom Herzog von Bourgogne, der an einem Abend beim Lansquenet Summen verlor, die dem Jahresbudget einer Provinz entsprachen. Ludwig XIV. griff nicht ein, sondern ließ die Schulden diskret begleichen. Für die Zeitgenossen war dies ein Beweis, dass Glücksspiel am Hof nicht nur Unterhaltung war, sondern Teil der Inszenierung absolutistischer Macht.
Auch in Windsor hatte das Glücksspiel einen festen Platz, doch hier war es stärker mit Skandalen verbunden. Unter Karl II. war das Kartenspiel Basset besonders populär, und es brachte viele Adlige an den Rand des Ruins. Berüchtigt ist der Fall des Earl of Buckingham, der in einer einzigen Nacht drei Landgüter verspielte und am nächsten Tag beim König um Rettung bitten musste. Karl II. half ihm zwar, doch damit war Buckingham in politischer Abhängigkeit gefangen. Anders als in Versailles, wo Spielschulden als Kavaliersdelikt galten, geriet das Glücksspiel in England zunehmend in die Kritik. Zeitungen und Pamphlete wetterten gegen die „Spielwut der Aristokratie“, und das Parlament reagierte mit Gesetzen wie dem Gaming Act von 1739, um die Exzesse einzudämmen. Windsor wurde damit zum Sinnbild der Ambivalenz zwischen adeliger Lebenslust und öffentlicher Moral.
Russland trat unter Peter dem Großen und vor allem unter Katharina II. in die Tradition höfischer Spielkultur ein. Glücksspiel war Teil der Europäisierungspolitik und galt als Zeichen zivilisierter Gesellschaft. In den Palästen von St. Petersburg gehörten Kartenspiele wie Whist und Baccara bald zum festen Bestandteil des höfischen Lebens. Wer bei Katharinas Spielrunden mitwirken durfte, gehörte zum inneren Machtzirkel. Fürst Grigori Potemkin, Katharinas engster Vertrauter, war für seine riskanten Einsätze berüchtigt. Bei einem Whist-Abend setzte er Summen, die weit über den Ertrag seiner Güter hinausgingen. Die Kaiserin duldete sein Verhalten, weil er politisch unersetzlich war, während andere Adlige durch ihre Spielschulden Ländereien verloren oder in direkte Abhängigkeit vom Hof gerieten. Glücksspiel war in St. Petersburg damit nicht nur Vergnügen, sondern zugleich ein Mittel politischer Kontrolle.
Im Vergleich zeigt sich ein deutliches Muster. Versailles machte das Glücksspiel zu einem Instrument absolutistischer Selbstdarstellung, Windsor spiegelte die Spannung zwischen aristokratischer Leidenschaft und öffentlicher Kritik, und St. Petersburg nutzte das Spiel als Werkzeug der Modernisierung und Abhängigkeit. Gemeinsam war allen Höfen, dass Glücksspiel weit über bloße Unterhaltung hinausging. Es entschied über Prestige, Einfluss und politische Nähe – und manchmal über das Schicksal ganzer Familien. Glücksspiel am Hof war damit ein doppeltes Spiel: eines mit Karten und Würfeln und eines mit Macht, Ehre und Einfluss.
Kurzquellen Saint-Simon: Mémoires. – Fraser, Antonia: King Charles II. – Massie, Robert K.: Catherine the Great. – Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft. – Britische Parlamentsakten, Gaming Act 1739.
Im nächsten Teil decken wir die Karten auf: Baccara, Faro und Whist. Erfahren Sie, wie diese aristokratischen Klassiker den Weg von Versailles in die Casinos von heute ebneten.
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