Novomatic bläst zum Sturm auf Online- und Mobile-Gamer

Ab 2014 operativer Betrieb in Österreich „möglich“ – Europaweite Regulierung gefordert – 194 Mio. Euro Gewinn 2012 – 140 Mio. Euro Steuern in Österreich – Keine Offshore-Aktivitäten

Wien/Gumpoldskirchen – Der niederösterreichische Glücksspielriese Novomatic AG hat im Vorjahr einen Gewinn von 194,3 Mio. Euro erzielt und Steuern in Höhe von 140 Mio. Euro an die Republik gezahlt. Der Konzern mit 129 Tochtergesellschaften betreibe „keinerlei Offshore-Aktivitäten, das ist Konzernrichtlinie; Steuern werden bezahlt, wo Umsatz lukriert wird“, sagte Finanzvorstand Peter Stein am Mittwoch in Wien vor Journalisten. Vorstandschef Franz Wohlfahrt sagte, die duale Strategie des Konzerns als Automatenbauer und –betreiber werde weiter forciert, zudem will der Konzern im Online– und Mobil-Spielemarkt Fußfassen – „ein operativer Betrieb ist ab Anfang 2014 möglich“.

Wohlfahrt sprach von einem „sukzessiven Ausbau“ der Aktivitäten am Online- und Mobile-Gaming Markt; Lizenzen haben die Niederösterreicher dafür aber bisher erst in Italien und im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein. Auch in Großbritannien würden Partner mit einer entsprechenden Lizenz bereits Novomatic-Technologie nachfragen.

Die neuen Technologien lassen Novomatic auf noch mehr Wachstum hoffen. Ein Teil der Kunden würde von „offline zu online“ switchen, es gebe ein zusätzliches Potenzial an Spielern „die schon jetzt ‚grau‘ online spielen und nicht zuletzt hofft man auf neue Zocker der Altersgruppe 20 bis 35, „die quasi schon mit den digitalen Technologien aufwuchsen“. Strategisch wurden dahin gehend kürzlich 50,1 Prozent der burgenländischen I-New (New Unified Mobile Solutions AG) erworben, laut Wohlfahrt eine „Hightech-Perle“. Nun entstehe das neue Novomatic-Segment „Mobile Gaming“.

Derzeit laufen Verhandlungen um Kooperationen mit Mobilfunkgesellschaften, zu denen sich Wohlfahrt nicht näher äußern wollte. Ein Verhandlungsaschluss mit den Mobilfunkanbietern sei aber bis Herbst möglich. „Anfang 2014 ist es möglich, dass wir operativ tätig werden“, so Wohlfahrt.

Er betonte, dass bei Unterhaltungsspielen keine Konzession nötig sei. Bei Glücksspielen werde man sich „wo nötig um Lizenzen bewerben, ansonsten Spiele als B2B-Partner lizenzieren“, so der Vorstandschef, der sich für eine EU-weite Harmonisierung der Regeln für „Dienstleistungen im Online- und Mobile-Gamingbereich“ aussprach.

„In Österreich darf derzeit nur die Lotterien GmbH wegen der Monopol-Konzession mobiles Glücksspiel anbieten“, kritisierte Wohlfahrt. „Es ist aber nicht auszuschließen, dass wir Novomatic-Spiele bei der Lotterien GmbH lizenzieren; Gespräche gibt es da aber keine, wir hoffen auf eine Gesetzesnovelle, wie wiederholt angekündigt.“

Der Online-Glücksspielmarkt solle ebenso EU-weit geregelt werden. „Alle Spielsysteme sollten einheitlich erfasst werden“, so der Novomatic-Vorstandschef. Eine Regulierung nach Vorbild der Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland und Kärnten müsse erfolgen; in Wien und der Steiermark warte man noch auf eine strenge Regulierung etwa mit Zutrittskontrollen, denn ein regulierter Markt sei der „einzig sinnvolle“.

Online könne man beispielsweise mit einem Register vorgehen, das unter anderem das Einzahlungsverhalten des Spielers überwacht. Auch eine Spielerkarte mit ID-Nummer sei vorstellbar, Zusammenarbeit mit Kreditkartenunternehmen bzw. Finanzdienstleistern unabdingbar. „Online lässt sich dank der technischen Möglichkeiten leichter regulieren als normales Spiel“, so Wohlfahrt.

„Spannend“ wird es heuer für Novomatic wenn drei Spielbankkonzessionen (Einzelstandorte), davon zwei in Wien und eine in Niederösterreich, vergeben werden, für die sich der Konzern schon beworben hat. 600 Arbeitsplätze würden zusätzlich entstehen, so Wohlfahrt, bekäme Novomatic den Zuschlag.

„Im Kernmarkt Deutschland“ hat man sich auch um eine Sportwettenlizenz beworben, eine Entscheidung erwartet man sich bis Jahresende. Bei der Deutschlandtochter Löwen Entertainment wurden übrigens prominente (sozialdemokratische) Aufsichtsratsmitglieder ins Boot geholt – mit Günter Verheugen sitzt dort nunmehr der ehemalige EU-Erweiterungskommissar und mit Alfred Gusenbauer der österreichische Ex-Bundeskanzler. „Sie werden die Umsetzung unserer dualen Strategie mit ihren Netzwerken in Deutschland bestmöglich unterstützen“, freute sich Wohlfahrt.

Zurück zum abgelaufenen Geschäftsjahr: Wie berichtet kletterte der Umsatz der Novomatic AG um 10,8 Prozent auf 1,54 (1,39) Mrd. Euro. Das Ebitda kletterte um 8,2 Prozent auf 531 Mio. Euro. Mit 70.000 produzierten Spielautomaten kletterte deren Zahl genauso um 15 Prozent wie die Zahl der Mitarbeiter weltweit auf 13.352, davon 2.655 in Österreich. Mit der Steuerleistung von 140 Mio. Euro kassierte der Fiskus um 22 Prozent mehr als im Jahr davor.

In der Novomatic Gruppe – dazu gehören neben der Novomatic AG die Schwesterkonzerne ACE Casino Holding AG und Gryphon Invest AG in der Schweiz – stieg der Umsatz von 3,20 Mrd. Euro 2011 auf 3,23 Mrd. Euro im Vorjahr. Das EGT legte um 9,1 Prozent auf 359 Mio. Euro zu, beschäftigt wurden weltweit 19.000 Mitarbeiter. Das Ebitda der Gruppe belief sich nach 652 Mio. Euro 2011 im vergangen Jahr auf 666 Mio. Euro.

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