Nordische Glanzlichter

Am vergangen Wochenende stand für mich ein Ausflug in den Norden der Republik auf dem Programm. Anlass waren gleich 2 Ereignisse, die auch einzeln betrachtet schon eine Reise wert waren.

Zunächst wurde am Freitag der offizielle Betrieb der Hamburger Spielbank in ihren neuen Räumlichkeiten als „Casino Esplanade“ mit einer großen Eröffnungsgala gefeiert. Schon bei der Anfahrt erstrahlt die 1907 erbaute Villa in einem festlichen Licht und bietet dem Casino einen mondänen Charakter, der stark an die elitären Zeiten in Baden-Baden oder auch in Monaco erinnert. Die Innenarchitektur relativiert das Bild dann doch ein wenig, hier ist mehr „Moderne“ mit geradlinigen hellen Flächen angesagt. Die Spieleinrichtungen verteilen sich auf 2 Stockwerke, mit dem von Automaten beherrschten Erdgeschoss und den klassischen Casino Tischspielen im 1. Stock.

Aus der Sicht eines Pokerspielers viel zu klein geraten ist unser Revier. Abgeschottet von den übrigen Tablegames findet man nur 2 Pokertische in einem Seitenbereich, die noch dazu für Servicepersonal aufgrund der räumlichen Enge schwer zu erreichen sind. Wer die „alte“ Spielbank Hamburg noch kennt, wird sich zu recht fragen, warum Poker entgegen dem allgemeinen Trend von 3 auf 2 Tische reduziert wurde, sprechen doch die Zeichen der Zeit eine ganz andere Sprache. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Geschäftsleitung bei entsprechender Nachfrage von Gästen willens ist, hier im Laufe der Zeit noch nachzubessern. Die Eröffnungsgala selbst war ein toller Erfolg, insgesamt fanden über 1.000 geladene Gäste ihren Weg ins Casino Esplanade, die in guter Stimmung bis in die Morgenstunden den Umzug feierten.

Am Samstag und Sonntag stand dann des „Santa Claus“ Turnier der Spielbank Schenefeld auf meinem Terminplan. Es handelt sich hier um ein € 500 No Limit Holdem Turnier, das auf 2 Tage angesetzt ist und eine ausgezeichnete Struktur bietet.

5.000 Startchips und 45 Minuten Levels mit moderaten Steigerungen lassen jede Menge Luft zum (Über-)leben. Die gesamte Pokermannschaft in Schenefeld hat sich schon in der Vergangenheit als äußerst kompetent bei der Durchführung solcher Events erwiesen und die Dealer sind wirklich perfekt ausgebildet.

Dementsprechend hochkarätig war auch das Teilnehmerfeld, Katja Thater, Alex Jalali (Gewinner der diesjährigen Master Classics in Amsterdam), „Doug“ Thang (Sieger des EPT Turniers in Baden), Sebastian Ruthenberg (Gewinner der German Open) waren mit von der Partie, um nur einige Namen zu nennen. Für mich selbst lief das Turnier an Tag 1 recht viel versprechend an.

Nach einem ziemlich kalten Start und einem misslungenen Bluff schaltete ich mit nur 3.000 verbliebenen Chips auf Tightmodus um und griff erst in den letzten beiden Stunden des Turniers wieder an. Eine Valuehand verhalf mir zur Verdopplung und anschließend konnte ich durch einige gute Moves und natürlich auch gute Karten meine Chips auf 10.600 ohne weiteren Showdown aufbauen. Mit 39 verbliebenen von ursprünglich 63 gestarteten Teilnehmer wurde Tag 1 um kurz nach Mitternacht offiziell beendet, um auch noch ein wenig Zeit und Raum für Cashgames zu schaffen.

Tag 2 knüpfte dann zunächst nahtlos an Tag 1 bei mir an, ohne mich auf irgendwelche direkten Konfrontationen einzulassen, wuchs mein Chipcount auf über 13.000 an. Nach gut 2 Stunden sah ich plötzlich meine Chance kommen: Ein Spieler in mittlerer Position raist auf 1.500 (Blinds 300/600) und nachdem alle anderen gefoldet haben, finde ich im BigBlind K-K. Diesmal calle ich nur, da ich natürlich im Hinterkopf habe, bei der Heads up Situation möglicherweise noch ein paar Extrachips einsammeln zu können, zumal mein Gegner etwa 8.000 davon besitzt. Der Flop kommt mit Q-6-3 komplett in Pik. Auf mein Check hin spielt er 1.500 davon an und ich raise ihn nach kurzem Nachdenken all-in. Er callt zügig und dreht A-Q um, mit dem PikAs in seiner Hand. Top Paar mit As Kicker und Nutsflush draw ist natürlich eine Riesenhand, er ist mit 51 Prozent sogar leichter Favorit. Der Turn bringt ironischerweise den PikKönig, gibt ihm den Flush und mir das Topset. Leider kommt kein Paar am River und ich sitze nun mit 3.500 Chips ziemlich shortstaked im Turnier. An Powerplay und Moves ist gar nicht mehr zu denken, meine Chips haben einfach kein Bedrohungspotential mehr. Schließlich scheide ich ziemlich hilflos aus, als ich in mittlerer Position mit A-10 preflop all-in gehe. A-K callt direkt links von mir und ohne Hilfe im Board bin ich als 28. rausgeflogen.

Trotz dieser Niederlage ist mein Fazit: Spitzenmäßig organisiertes Turnier, Topdealer und sehr guter Service garantieren einen hohen Wohlfühlfaktor. Event im Casino Schenefeld ? Jederzeit gerne wieder!

Euer Michael