
Neben Würfeln und Karten entwickelten sich improvisierte Spiele. Piraten ritzten Spielfelder in Holzplatten, um Varianten von Brettspielen wie Mühle zu spielen, oder sie warfen Münzen gegen Wände, um ihre Treffsicherheit zu messen. Solche einfachen Formen des Spiels zeigen, wie erfinderisch die Crews mit den wenigen Mitteln an Bord umgingen.
Noch unmittelbarer mit der Trinkkultur verbunden waren die Trinkspiele. Rum war die Lebensader der Piraten, Belohnung, Medizin und Zahlungsmittel zugleich. Kein Gelage verging ohne ihn, und er wurde oft zum Einsatz bei Spielen. Trinkspiele waren vielfältig: Manche bestanden darin, wer am schnellsten ein Glas oder einen Krug leeren konnte, andere verbanden kleine Aufgaben oder Mutproben mit Alkoholkonsum. Für die Mannschaft waren sie eine Möglichkeit, Spannungen nach langen Fahrten abzubauen, für die Anführer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stärkten sie den Zusammenhalt, andererseits führten sie nicht selten zu Kontrollverlust, Streit und Exzessen.
In den Piratenhäfen wie Nassau, Tortuga oder Port Royal blühte die Spielleidenschaft besonders. Tavernen boten Würfelrunden, Kartenpartien und Trinkwettbewerbe an, die ganze Nächte dauerten. Aus Aufzeichnungen weiß man, dass Piraten ihre Beute oft in nur wenigen Tagen verspielten. Manche, die reich von einer Kaperfahrt zurückkehrten, waren schon bald wieder mittellos und gezwungen, erneut auf See zu fahren. Glücksspiel und Trinken bildeten damit einen Teufelskreis, dem viele nie entkamen.
Die Außenwahrnehmung verstärkte dieses Bild. Flugblätter und Chronisten schilderten Piraten als maßlose Spieler, die Schätze ebenso schnell verloren wie erbeutet. Dieses Bild machte sie zu Symbolfiguren für Gier, Maßlosigkeit und Abenteuerlust. Bis heute zeigt die Popkultur Piraten beim Würfeln, Karten oder Trinkspielen – Szenen, die längst Teil ihres Mythos geworden sind.
Quellenhinweise: Marcus Rediker: Between the Devil and the Deep Blue Sea. Cambridge 1987. – David Cordingly: Life Among the Pirates. London 1997. – Hans P. Häberlein: Piraten und Freibeuter der Karibik. München 2011.
Lesen sie hier: Glücksspiel unter der Totenkopfflagge – wie Piraten ihre Beute verspielt haben
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