Würfel, Karten und Trinkspiele – die Spiele der Freibeuter

Das Leben auf See war für Piraten voller Extreme. Auf waghalsige Überfälle und gefährliche Gefechte folgten oft lange Phasen des Wartens. Um diese Leere zu füllen, griffen Freibeuter zu einem alten Begleiter: dem Spiel. Würfel, Karten und Trinkrituale prägten ihren Alltag und spiegelten die risikofreudige Kultur unter der Totenkopfflagge wider. Würfelspiele waren besonders beliebt. Sie waren klein, einfach und überall einsetzbar. Viele Piraten schnitzten sich Würfel selbst aus Knochen oder Holz, andere erbeuteten sie. Gespielt wurde von simplen Varianten wie „höchster Wurf gewinnt“ bis hin zu „Hazard“, einem komplexeren Spiel, das als Vorläufer des modernen Craps gilt. Die Einsätze waren hoch: Münzen, Schmuckstücke, Waffen und sogar Beuteanteile wanderten über den Tisch. Archäologische Funde aus dem Wrack von Blackbeards Schiff belegen, dass Würfel an Bord tatsächlich zum Alltag gehörten.

Piraten
Kartenspiele waren schwieriger zu pflegen, da sie feuchtigkeitsempfindlich waren, doch auch sie fanden ihren Weg auf Piratenschiffe – meist aus geplünderten Handelsschiffen oder durch Käufe in den Häfen von Nassau und Port Royal. Beliebt waren „Primero“, der Vorläufer des Poker, und „Vingt-et-un“, eine frühe Form des Blackjacks. Kartenrunden waren gesellige Ereignisse, bei denen Rum floss, Geschichten erzählt wurden und hohe Einsätze die Spannung steigerten.

Neben Würfeln und Karten entwickelten sich improvisierte Spiele. Piraten ritzten Spielfelder in Holzplatten, um Varianten von Brettspielen wie Mühle zu spielen, oder sie warfen Münzen gegen Wände, um ihre Treffsicherheit zu messen. Solche einfachen Formen des Spiels zeigen, wie erfinderisch die Crews mit den wenigen Mitteln an Bord umgingen.

Noch unmittelbarer mit der Trinkkultur verbunden waren die Trinkspiele. Rum war die Lebensader der Piraten, Belohnung, Medizin und Zahlungsmittel zugleich. Kein Gelage verging ohne ihn, und er wurde oft zum Einsatz bei Spielen. Trinkspiele waren vielfältig: Manche bestanden darin, wer am schnellsten ein Glas oder einen Krug leeren konnte, andere verbanden kleine Aufgaben oder Mutproben mit Alkoholkonsum. Für die Mannschaft waren sie eine Möglichkeit, Spannungen nach langen Fahrten abzubauen, für die Anführer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stärkten sie den Zusammenhalt, andererseits führten sie nicht selten zu Kontrollverlust, Streit und Exzessen.

In den Piratenhäfen wie Nassau, Tortuga oder Port Royal blühte die Spielleidenschaft besonders. Tavernen boten Würfelrunden, Kartenpartien und Trinkwettbewerbe an, die ganze Nächte dauerten. Aus Aufzeichnungen weiß man, dass Piraten ihre Beute oft in nur wenigen Tagen verspielten. Manche, die reich von einer Kaperfahrt zurückkehrten, waren schon bald wieder mittellos und gezwungen, erneut auf See zu fahren. Glücksspiel und Trinken bildeten damit einen Teufelskreis, dem viele nie entkamen.

Die Außenwahrnehmung verstärkte dieses Bild. Flugblätter und Chronisten schilderten Piraten als maßlose Spieler, die Schätze ebenso schnell verloren wie erbeutet. Dieses Bild machte sie zu Symbolfiguren für Gier, Maßlosigkeit und Abenteuerlust. Bis heute zeigt die Popkultur Piraten beim Würfeln, Karten oder Trinkspielen – Szenen, die längst Teil ihres Mythos geworden sind.

Quellenhinweise: Marcus Rediker: Between the Devil and the Deep Blue Sea. Cambridge 1987. – David Cordingly: Life Among the Pirates. London 1997. – Hans P. Häberlein: Piraten und Freibeuter der Karibik. München 2011.

Lesen sie hier: Glücksspiel unter der Totenkopfflagge – wie Piraten ihre Beute verspielt haben

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