Studie zum Online-Glücksspiel: Schwarzmarkt bleibt wirtschaftlich relevant

ISA-GUIDE LogoEine neue Studie zum deutschen Online-Glücksspielmarkt kommt zu dem Schluss, dass der Schwarzmarkt weiterhin ein wirtschaftlich relevantes Segment ist. Ihr Kern liegt dabei nicht nur in einer neuen Größenordnung, sondern vor allem in der methodischen Einordnung: Die Autoren zeigen zunächst, dass bisherige Schätzungen des Schwarzmarktes teils stark voneinander abweichen, oft nur Teilaspekte erfassen und empfindlich auf Datenqualität sowie Modellannahmen reagieren. Deshalb plädiert die Untersuchung dafür, den Markt künftig nicht mit nur einem Ansatz zu bewerten, sondern verschiedene Methoden systematisch zu kombinieren und regelmäßig fortzuschreiben.

Im zweiten Teil stützt sich die Studie auf eine eigene Online-Befragung von 2.000 aktiven Online-Spielern, die im November 2024 über einen deutschen Panelanbieter durchgeführt wurde. Erfasst wurden dabei Sportwetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Casinospiele und Online-Poker. Online-Lotto wurde zwar berücksichtigt, stand wegen seines vergleichsweise niedrigeren Risikoprofils aber nicht im Zentrum der Analyse. Zugleich betonen die Autoren selbst, dass es sich um eine nicht repräsentative Erhebung mit explorativem Charakter handelt.

Die Ergebnisse der Befragung zeichnen ein klares Bild. Von insgesamt 4.027 Anbieternennungen entfielen 20,3 Prozent auf nicht-lizenzierte Angebote. Noch auffälliger ist jedoch die Struktur des Marktes: Während der Anteil der Nennungen bei rund einem Fünftel liegt, waren 74,6 Prozent der eindeutig genannten Anbieter nicht-lizenziert. Das deutet darauf hin, dass der regulierte Markt stärker auf einige bekannte Marken konzentriert ist, während der unregulierte Bereich deutlich breiter und zersplitterter auftritt.

Besonders relevant ist aus Sicht der Studie der Blick auf die finanziellen Kennzahlen. Hier liegt der Schwarzmarkt nicht nur bei den Nennungen, sondern auch bei Einsätzen und Verlusten auf hohem Niveau. Nach den ausgewerteten Angaben entfallen 22,38 Prozent des Gesamteinsatzes und 22,97 Prozent des Gesamtverlusts auf nicht-lizenzierte Plattformen. Zugleich meldeten Nutzer solcher Angebote im Durchschnitt höhere monatliche Einsätze und höhere monatliche Verluste. Hinzu kommt, dass rund ein Drittel der Befragten mit nicht-lizenzierten Anbietern in Berührung kam - entweder ausschließlich oder parallel zu lizenzierten Angeboten. Gerade diese Mischnutzung geht laut Studie mit erhöhter Spielintensität und höheren finanziellen Belastungen einher.

Auf Basis dieser Daten leitet die Untersuchung auch eine Hochrechnung für das Marktvolumen ab. Da die Spielverluste aus Sicht der Spieler dem Bruttospielertrag der Anbieter entsprechen, nutzt die Studie genau diesen Wert als zentrale Bezugsgröße. Daraus ergibt sich für das nicht-lizenzierte Segment eine modellbasierte Größenordnung von rund 466 Millionen Euro für 2023 und rund 547 Millionen Euro für 2024. Die Autoren verstehen diese Werte ausdrücklich als Annäherung, nicht als endgültige Vermessung.

Genau darin liegt die eigentliche Aussagekraft der Studie: Sie will den Schwarzmarkt nicht nur beziffern, sondern als eigenständiges Marktsegment mit eigenen Nutzungs- und Risikomustern sichtbar machen. Gleichzeitig weist sie deutlich auf ihre Grenzen hin. Die Daten beruhen auf Selbstauskünften, auf rückblickenden Angaben über bis zu zwölf Monate und auf einer nicht repräsentativen Panelstichprobe. Erinnerungsfehler, ungenaue Anbieterzuordnungen und Verzerrungen in der Teilnahme können die Ergebnisse beeinflussen. Trotzdem liefert die Untersuchung einen wichtigen verhaltensbasierten Blick auf einen Markt, der mit rein technischen oder umsatzbezogenen Verfahren nur unvollständig erfasst werden kann.

Unterm Strich sagt die Studie damit vor allem zweierlei: Der Schwarzmarkt im deutschen Online-Glücksspiel ist weiterhin relevant, und seine Beobachtung braucht mehr als eine einzelne Kennzahl. Gefordert wird ein dauerhaftes Monitoring, das Befragungen, Marktdaten und weitere Messmethoden zusammenführt. Der Bericht versteht sich damit nicht als Schlussstrich in der Debatte, sondern als Grundlage für eine genauere und regelmäßigere Vermessung des unregulierten Marktes.

Die vollständige Studie „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“ steht hier als PDF zum Download bereit.