Die Studie basiert auf 12.340 vollständigen Interviews, die zwischen dem 4. August und dem 26. November 2025 erhoben wurden. Erfasst wurde die deutschsprachige Wohnbevölkerung im Alter von 16 bis 70 Jahren. Für die Bewertung glücksspielbezogener Probleme bei Erwachsenen nutzten die Forscher die DSM-5-Kriterien.
Wirklich auffällig werden die Daten dort, wo es um riskantere Spielformen geht. 7,5 Prozent der Bevölkerung nahmen in den vergangenen zwölf Monaten an den im Bericht so eingeordneten Angeboten teil, also etwa an Automaten-, Casino- oder Sportwettenangeboten sowie KENO. Bei 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen liegt nach DSM-5 eine glücksspielbezogene Störung vor. Besonders hohe Anteile zeigen sich laut Bericht bei virtuellen Automatenspielen, Geld- und Glücksspielautomaten sowie bei Live-Sportwetten.
Der oft diskutierte Schwarzmarkt spielt im Survey selbst dagegen keine tragende Rolle als eigenes Untersuchungsergebnis. Der Bericht weist zwar darauf hin, dass der legale deutsche Glücksspielmarkt 2024 gemessen an den Bruttospielerträgen ein Volumen von 14,4 Milliarden Euro erreicht habe. Zusätzlich werde für illegale Internetseiten ein Bruttospielertrag von 500 bis 600 Millionen Euro angenommen. Diese Passage steht jedoch im Kapitel „Zielsetzung und Hintergrund“ und nicht als eigenständiges Resultat der Befragung. Der Survey misst also vor allem Teilnahme, Probleme und Schutzaspekte in der Bevölkerung – nicht die tatsächliche Größe des Schwarzmarkts.
Neu aufgenommen wurde 2025 außerdem das Thema Daytrading. 6,5 Prozent der Befragten berichteten, in den vergangenen zwölf Monaten kurzfristige Börsengeschäfte getätigt zu haben. Unter den Personen, die mindestens einmal im Monat daytradeten, beteiligten sich 63,7 Prozent auch an Glücksspielen; 12,1 Prozent dieser Gruppe erfüllten die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung. Damit verweist die Studie auf Überschneidungen zwischen spekulativem Finanzverhalten und Glücksspielrisiken.
Deutlich ist der Bericht auch beim Thema Spielerschutz. Eine sehr große Mehrheit der Befragten unterstützt Schutzmaßnahmen wie das Teilnahmeverbot für Minderjährige, Aufklärung über Suchtgefahren, Warnhinweise und Werbebeschränkungen.
Was bedeutet der Survey für den Markt und die Evaluierung?
Für den Markt zeigt der Glücksspiel-Survey 2025 vor allem eines: keine große Verschiebung, sondern insgesamt ein stabiles Bild. Die Teilnahme am Glücksspiel bleibt auf ähnlichem Niveau, während sich die Risiken weiterhin auf bestimmte Produkte wie virtuelle Automatenspiele, Geldspielgeräte und Live-Sportwetten konzentrieren. Für den Markt heißt das: kein grundlegender Umbruch, aber weiter klare Auffälligkeiten bei besonders riskanten Spielformen.
Für die Evaluierung ist der Survey trotzdem wichtig, weil er die Entwicklung seit 2021 vergleichbar macht. Er zeigt, ob sich Teilnahme, problematisches Spielverhalten und die Wirkung von Schutzmaßnahmen verändern. Was er aber nicht leisten kann: eindeutig belegen, dass eine einzelne gesetzliche Maßnahme direkt für eine Veränderung verantwortlich ist.
Was hat die Börse mit dem Glücksspiel-Survey 2025 zu tun?
Im Survey wurde 2025 erstmals auch Daytrading betrachtet, also sehr kurzfristiger Handel an der Börse. Damit wollen die Autoren zeigen, dass es Überschneidungen zwischen spekulativem Finanzverhalten und Glücksspiel geben kann.
Die Erwähnung soll vor allem auf mögliche Risiken aufmerksam machen. Es geht nicht darum, die Börse generell mit Glücksspiel gleichzusetzen, sondern darum, einen Bereich zu benennen, der aus Sicht von Forschung und Prävention genauer beobachtet werden sollte.
Spielsucht und Hilfe: Zeigt der Survey Veränderungen?
Mehr Spielsüchtige im Vergleich zu den Vorjahren zeigt der Survey eher nicht. Der Bericht nennt für 2025 eine Quote von 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen mit glücksspielbezogener Störung und hält in der Diskussion fest, dass diese Prävalenz von 2021 bis 2025 auf einem „unverändert hohen Niveau“ stagniert. Auffällig bleibt aber, dass die Belastung bei riskanten Spielformen deutlich höher ist.
Was die Hilfe angeht, misst der Survey nicht, wie viele Menschen tatsächlich Hilfe suchen oder bereits Hilfe bekommen. Er zeigt vor allem, wie bekannt solche Angebote sind und wie sie bewertet werden: 61,7 Prozent kennen die Bereitstellung von Informationen zu Beratungs- bzw. Hilfeangeboten, unter aktuell Glücksspielenden sind es 69,7 Prozent. Zugleich finden 87,8 Prozent der Befragten solche Informationen gut; der Bericht betont außerdem, dass es bei Früherkennung und angemessener Intervention, vor allem im Online-Bereich, noch Entwicklungsbedarf gibt.
Welche Rolle spielen Denkfehler beim Glücksspiel – und bei wem sind sie besonders stark?
Der Survey 2025 zeigt, dass solche Denkfehler vor allem dort zunehmen, wo das Spielverhalten intensiver und riskanter wird. Je mehr verschiedene Glücksspielformen jemand nutzt, desto höher fällt der gemessene Wert aus: von 40 bei nur einer Spielform auf 76 bei vier oder mehr. Besonders auffällig sind dabei Hybrid-Spielende, also Menschen, die sowohl stationär als auch online spielen. Ihr GBQ-Wert liegt bei 74 und damit deutlich über rein stationär Spielenden mit 51 und rein online Spielenden mit 58.
Damit macht der Bericht deutlich, dass problematisches Glücksspiel nicht nur eine Frage der Teilnahme ist, sondern auch der inneren Haltung zum Spiel. Wer riskanter spielt oder bereits Probleme entwickelt hat, zeigt laut Survey häufiger solche verzerrten Denkmuster; bei einer schweren Glücksspielstörung steigt der Wert sogar auf 95.
Was ist der GBQ – und was sind „Denkfehler“?
GBQ steht für Gamblers Beliefs Questionnaire. Das ist der Fragebogen, mit dem im Survey glücksspielbezogene Denkfehler gemessen werden. Gemeint sind damit falsche oder verzerrte Vorstellungen über das Glücksspiel, die dazu führen können, dass Menschen weiterspielen oder ihr Spiel sogar noch intensivieren.
Welche Schutzmaßnahmen stoßen auf Zustimmung?
Der Survey zeigt, dass Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes auf breite Zustimmung stoßen. 91,9 Prozent der Befragten befürworten ein Teilnahmeverbot für Minderjährige, 88,5 Prozent Aufklärung über die Suchtgefahren des Glücksspiels und 81,1 Prozent Suchtwarnhinweise. Auch Beschränkungen bei der Werbung für Glücksspiele werden mit 78,3 Prozent mehrheitlich unterstützt.
Auffällig ist, dass die Zustimmung auch unter den aktuell Glücksspielenden hoch bleibt. 93,4 Prozent unterstützen das Teilnahmeverbot für Minderjährige, 88,7 Prozent Informationen zu Beratungs- und Hilfeangeboten, 85,8 Prozent Schulungen des Personals und 82,8 Prozent die Möglichkeit einer Sperre für riskante Glücksspiele. Das zeigt, dass Spielerschutz nicht nur gesellschaftlich, sondern auch unter Spielern selbst auf breite Akzeptanz stößt.
Wie aussagekräftig ist der Survey?
Der Glücksspiel-Survey 2025 ist vor allem deshalb wichtig, weil er Vergleiche mit den Erhebungen von 2021 und 2023 ermöglicht. Die Autoren betonen, dass auf dieser Grundlage Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes evaluiert und bei Bedarf verbessert werden können. Gleichzeitig basiert die Studie auf einer großen Stichprobe von 12.340 vollständigen Interviews, davon 64,9 Prozent telefonisch und 35,1 Prozent online.
Zugleich zeigt der Bericht selbst, dass die Ergebnisse mit Augenmaß gelesen werden müssen. In der Telefonstichprobe lag die Glücksspielteilnahme bei 23,6 Prozent, in der Onlinestichprobe dagegen bei 62,1 Prozent. Auch bei den glücksspielbezogenen Störungen ist der Unterschied deutlich: 0,6 Prozent im Telefonsample gegenüber 5,2 Prozent im Onlinesample. Der Survey ist deshalb sehr wertvoll, um Trends und Entwicklungen sichtbar zu machen, aber kein einfacher Beweis dafür, dass eine einzelne Maßnahme allein eine bestimmte Wirkung ausgelöst hat.
Download: Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)