Nach den in der Präsentation genannten Zahlen lag der Umsatz des legalen Sportwettenmarktes 2025 bei 8,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 8,2 Milliarden Euro, 2023 noch 7,9 Milliarden Euro. Damit verzeichnete der legale Markt 2025 ein Plus von 1,2 Prozent. Der DSWV ordnet diese Entwicklung jedoch nicht als echte Erholung ein, sondern spricht insgesamt von einer Stagnation des legalen Marktes.
Deutlich wird diese Einschätzung auch beim Blick auf die Werbe- und Sponsoringausgaben. Die Werbeausgaben legaler Sportwettanbieter lagen laut DSWV-Schätzung 2025 bei 136 Millionen Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang um drei Prozent. Besonders auffällig bleibt der Vergleich mit 2021: Damals lagen die Werbeausgaben noch bei 276 Millionen Euro. Seitdem hat sich das Volumen deutlich reduziert.
Auch bei den Sponsoringausgaben zeigt die Präsentation einen langfristigen Rückgang. Für die Saison 2024/2025 nennt der Verband 55 Millionen Euro. In der Saison 2020/2021 waren es noch 84 Millionen Euro. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich der legale Markt seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages 2021, in einem schwierigen Umfeld bewegt.
Ein zentrales Thema der Pressekonferenz war der Schwarzmarkt. Der DSWV verweist dabei auf die GGL-Schwarzmarktstudie 2026 für Online-Glücksspiel. Danach sei einer von drei Spielern auch im Schwarzmarkt aktiv. Zudem seien die illegalen Umsätze von 2023 auf 2024 um 17 Prozent gewachsen. Nach Angaben aus dem GGL-Tätigkeitsbericht 2024 standen 382 illegale Wett-Webseiten nur 34 legalen Wett-Webseiten gegenüber. Der Verband spricht deshalb von einem Verhältnis von 11:1 zugunsten des Schwarzmarktes.
Aus Sicht des DSWV besteht hier dringender Handlungsbedarf. Genannt werden unter anderem eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft, der stärkere Einsatz von IP-Blocking, mehr Payment-Blocking sowie ein konsequenteres Vorgehen gegen Werbe- und Affiliatepartner illegaler Anbieter. Gleichzeitig fordert der Verband, die Attraktivität des legalen Marktes zu stärken, um Spielerinnen und Spieler besser in den regulierten Bereich zu lenken.
Beim Spielerschutz verweist der Verband auf die bestehenden Maßnahmen im legalen Markt. Dazu zählen das anbieterübergreifende Sperrsystem, das anbieterübergreifende Einzahlungslimit, individuelle Limits beim Anbieter, der 24-Stunden-Panikbutton, Früherkennungs-Monitoring sowie Ansprache und Hilfsangebote. Der Verband betont jedoch, dass diese Instrumente nur dort wirken können, wo Spielerinnen und Spieler tatsächlich bei legalen Anbietern aktiv sind. Kanalisierung sei deshalb eine Voraussetzung für wirksamen Spielerschutz.
Hier spielt auch die technische Überwachung des legalen Marktes eine große Rolle. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder betreibe mit dem sogenannten Safe Server eine zentrale Datenplattform, über die jede Wettbewegung in Echtzeit erfasst werde. Auffälliges Spielverhalten könne dadurch erkannt werden. Auch dies unterstreiche aus Sicht des Verbandes den Unterschied zwischen regulierten Angeboten und illegalen Plattformen.
Für das laufende Jahr ist die Fußball-WM 2026 mit Abstand das wichtigste Ereignis der Sportwettbranche. Großereignisse gelten in der Branche traditionell als besonderer Umsatztreiber. Der Verband spricht in seiner Präsentation sogar von einem „13. Umsatzmonat“. Entscheidend sei dabei auch das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft. Zugleich sieht der DSWV die Weltmeisterschaft als Chance, Aufmerksamkeit zu nutzen und Spieler aus dem Schwarzmarkt zurückzugewinnen.
Die geschätzten Wetteinsätze auf die WM in Deutschland beziffert der Verband auf rund eine Milliarde Euro. Davon könnten nach DSWV-Schätzung 600 bis 700 Millionen Euro auf den legalen Markt entfallen, während 300 bis 400 Millionen Euro im illegalen Markt landen könnten. Gerade mit Blick auf diese Größenordnung rückt der Verband die Kanalisierung erneut in den Mittelpunkt.
Auch die Integrität des Sports war Thema der Pressekonferenz. Der DSWV und seine Mitglieder wollen nach eigenen Angaben erneut die internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung möglicher Spielmanipulationen unterstützen. Bereits stattgefunden hätten Meetings mit der FIFA, der GGL und Monitoring-Anbietern. Ziel sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Sport und legalen Wettanbietern, um Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und Informationen schnell weiterzugeben.
Besondere Bedeutung wird der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages beigemessen. 2026 entscheide maßgeblich darüber, wie der deutsche Glücksspielmarkt in den kommenden Jahren reguliert werde. Der Verband sieht die gesetzlich vorgesehene Überprüfung nach fünf Jahren als Chance, die bisherigen Regeln einem Realitätscheck zu unterziehen.
Dabei fordert der DSWV eine stärkere Orientierung an Daten. Deutschland verfüge heute über eine umfangreiche Datengrundlage, darunter Safe-Server-Daten, LUGAS-Daten, Markt- und Einsatzdaten der GGL, wissenschaftliche Studien sowie praktische Erfahrungen aus fünf Jahren Regulierung. Diese Grundlage solle genutzt werden, um den Spielerschutz zu stärken, den Schwarzmarkt wirksamer zu bekämpfen, die Kanalisierung zu verbessern und die Regulierung stärker an der Realität des Marktes auszurichten.
Das Fazit der Jahrespressekonferenz fällt entsprechend deutlich aus: Der legale Sportwettenmarkt wächst nur leicht, der Schwarzmarkt bleibt aus Sicht des Verbandes ein zentrales Problem, und die Regulierung steht vor einer wichtigen Bewährungsprobe. Für den DSWV ist klar: Nur wenn legale Angebote attraktiv genug bleiben, können Spielerschutz, Marktaufsicht und Integrität im Sport wirksam greifen.