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Durchsichtig und scheinheilig

Studie von West-Lotto nutzt die Gefahr der Spielsucht für die Erhaltung des staatlichen Wettmonopols

Ein Gutachten in Auftrag zu geben zahlt sich für den Auftraggeber nicht immer aus. Zumindest dann nicht, wenn auf den ersten Blick erkennbar ist, dass das Ergebnis schon vorher feststand. So vermutlich geschehen bei der gemeinsam von der Westdeutschen Lotterie und dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Auftrag gegebenen Studie. Sie warnt vor einer steigenden Zahl von Spielsüchtigen und fordert von den Sportwettanbietern mehr Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Spieler.

Für den Verband Europäischer Wettunternehmer ein eher durchsichtiges Unterfangen. Die neueren Lotto-Produkte wie KENO und Quicky, mit denen die Spieler täglich „zum Einsatz“ gebeten werden oder die millionenschweren Jackpots, die Heerscharen von Glücksrittern an die Lottoannahmestellen locken, lassen die Ausführungen des Gutachters Meyer zur Spielsuchtgefährdung – insbesondere durch Sportwetten – jedoch eher scheinheilig erscheinen. Angesichts der ausgefeilten Produktpalette und offensiver Marketingstrategien erscheint es wenig glaubhaft, dass es den stattlichen Lotteriegesellschaften um die Eindämmung der Spielsucht geht. Die Schlussfolgerung, dass der steigenden Spielsuchtgefahr dadurch entgegengewirkt werden kann, dass die Zahl der Anbieter beschränkt wird, kann angesichts des massiven Werbeaufwands der staatliche Lotteriegesellschaften nicht überzeugen. Vor dem Hintergrund, dass das Bundesverfassungsgericht in Kürze eine Grundsatzentscheidung zur Zulassung privater Sportwettunternehmer treffen wird, offenbart sich das Gutachten als ein bestelltes Pfeifen für diejenigen, die im Wald des staatlichen Monopolisten wandeln.

Die im Verband Europäischer Wettunternehmer (VEWU) organisierten privaten Wettanbieter begrüßen die Forderung nach Maßnahmen zur Suchtbekämpfung und sind bereit, eng mit den verantwortlichen Stellen zusammenzuarbeiten und geeignete Präventionsmaßnahmen zu unterstützen. Das Thema Spielsucht ist aus Sicht der privaten Wettanbieter jedoch viel zu ernst, um es in der von den Lotteriegesellschaften zweckgeleiteten Weise für die Legitimation des staatlichen Wettmonopols zu missbrauchen.

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Verband Europäischer Wettunternehmer (VEWU)