Aktueller Stand des Liberalisierungsprozesses in Japan

Asien hat eine besonders hohe Affinität, was das Thema Glück angeht. Bestimmte Zahlenkombinationen gelten als Glücksbringer. Und auch in Bezug auf Sportwetten gilt der asiatische Raum gewissermaßen als El Dorado. Immer wieder machen mafiöse Strukturen aus Asien – wenn es um Betrug bei Wetten geht – von sich Reden. Japan scheint von solchen Entwicklungen immer noch unberührt.

Landgestützte Casinos spielen im Reich der aufgehenden Sonne überhaupt keine Rolle. Hintergrund: Japan hat sehr lange an einer restriktiven und strengen Regulierung von Glücksspielangeboten festgehalten. Dies ist auch der Grund dafür, dass im Inselreich bis heute keine eigenen, landbasierten Casinos existieren.

Osaka mitten in der Nacht
Japans Metropole Osaka – vielleicht schon bald mit einem Casino
Einzig Pachinko wird von den Japanern gespielt – dies allerdings mit sehr viel Hingabe. Inzwischen deutet sich aber eine Liberalisierung am japanischen Glücksspielrecht an. Die Regierung in Tokio hat entsprechende gesetzliche Neuregelungen beschlossen. Welche Reformen sind im Einzelnen enthalten? Und wie lange soll es dauern, bis die Liberalisierung in der Gesellschaft ankommt? Letztere Fragen ist schnell beantwortet: tbd. Ja richtig gelesen, es soll heißen „to be decided“. Denn bisher ist ein abschließendes Datum nicht gefunden.

Japan: Beim Glücksspiel konservativ

Japan gilt eigentlich als Musterbeispiel für eine Nation, die technologisch den Vorsprung des Westens in Rekordtempo aufgeholt hat. Beim Glücksspiel ist das Land allerdings wenig reformbereit – zumindest in der Vergangenheit.

Ein Grund: Japan wird vom Buddhismus geprägt. Dieser lehnt Glücksspiel wiederum ab. Gerade die tiefe Verwurzelung der Religion in der Gesellschaft hat in der Vergangenheit zur strikten Ablehnung landgestützter Casinos geführt.

Regierung erlaubt Einrichtung von Casinos

Das allgemeine Verbot von Glücksspiel ist inzwischen deutlich liberaler geworden. Der Grund: Die Regierung hat 2018 beschlossen, landgestützte Casinos zuzulassen. Allerdings so!! Wildwuchs vermieden werden. Bedeutet: In Japan sind vorerst nur wenige Standorte für den Bau der Gambling Ressorts im Gespräch.

Sehr strenge Regeln zum Spielerschutz

Dem japanischen Glücksspiel-Markt wird ein erhebliches Potenzial zugeschrieben. Kein Wunder, das gerade Konzerne und Holdings aus dem Ausland besonderes Interesse an einer Lizenz haben. Allerdings wird zum aktuellen Zeitpunkt über sehr strenge Regelungen für den Spielerschutz nachgedacht. Damit soll verhindert werden, dass Japaner zu sehr in den Bann der Spielbanken gezogen werden. Ein Problem, dass nicht nur Tokio beschäftigt, Spielerschutz ist auch hierzulande Thema.

Eine der geplanten Maßnahmen besteht in der Begrenzung von Flächen, welche für die eigentlichen Gambling-Angebote zur Verfügung stehen.

Diese 3-Prozentklausel wird als möglicher Grund dafür gesehen, dass die tatsächlichen und erwarteten Gewinne der Branche niedriger ausfallen. Eine weitere Einschränkung betrifft den Zugang der Spielbanken. Geht es nach dem Willen der japanischen Regierung, können Touristen ohne größere Hindernisse Casinos besuchen. Japaner sollen dagegen Eintritt zahlen – im Gespräch sind 48 Euro. Parallel soll es Inländern nur an einer begrenzten Zahl von Tagen gestattet sein, die Spielbanken zu besuchen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass in Japan Spielsucht zu einem gesellschaftlichen Problem wird.

Testphase von sieben Jahren

Ist mit einer schnellen Eröffnung der ersten Spielbanken in Japan zu rechnen? Trotz der gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Liberalisierung ist bisher nicht von einem „Schnellschuss“ auszugehen. Wahrscheinlich ist eher mittelfristig mit der Eröffnung erster Casinos zu rechnen. Die Lizenzvergabe – so Prognosen – dürfte etwa bis 2020 dauern. Bevor dann erste Gäste begrüßt werden, muss das Casino samt aller zugehörigen Anlagen und Gebäude gebaut werden.

2023 oder 2024 wird als realistisches Zeitfenster angesehen. Aber: Danach soll es Medienberichten nach noch eine siebenjährige Evaluierungsphase geben, bevor weitere Spielbanken grünes Licht bekommen. Japan hat die gesetzlichen Grundlagen einer Liberalisierung des Glücksspielmarktes geschaffen. Lizenzen sind allerdings noch nicht vergeben. Und es ist auch noch kein landgestütztes Casino eröffnet.

Trotzdem machen sich bereits diverse Holdings und Konzerne Hoffnung auf ein Stück vom großen Kuchen – wie MGM, die Genting Group aus Singapur oder die Sands-Gruppe. Der Grund für das Interesse ist sicher das Potenzial, welches Analysen zufolge im japanischen Markt schlummert. Es könnte um circa 20 Milliarden Euro gehen – pro Jahr versteht sich.

Was zur Unsicherheit über den weiteren Fortgang beiträgt ist die Tatsache, dass sich einzelne Präfekturen für die Ansiedlung von Casinos bewerben müssen. Und nach aktuellem Stand reagieren die – Bundesländern ähnlichen – Präfekturen eher zurückhaltend. Laut Forbes scheint Osaka bisher die besten Karten im Rennen zu haben.