Online-Bezahldienst PayPal erlässt Casinospieler 95.000 €

Der Finanzdienstleister PayPal hat einem seiner Kunden 95.000 € Schulden erlassen, die dieser in einem Online-Casino ausgab. Zunächst hatte das Unternehmen noch auf die Zahlung bestanden, nachdem der Kunde jedoch einen Anwalt eingeschaltet hatte, konnte er PayPal zu einer Verzichtserklärung bewegen. Dieser Fall ist nicht der einzige, bei dem PayPal seine Forderungen nicht erfüllt bekommen hat.

Frau loggt sich auf Smartphone bei PayPal ein
Bei einem Online-Casino mit PayPal als Zahlungsmöglichkeit kann das Zocken gleich beginnen – ob PayPal sein Geld bekommt, ist aber nicht immer sicher. (Bildquelle: I AM NIKOM – 577378624 / Shutterstock.com)
Die Online-Casinos haben trotz ihrer fehlenden Regulierung auch in Deutschland großen Erfolg. Weltweit gibt es rund 4.000 Online-Casinos und mehr als 500 sind in deutscher Sprache verfügbar. Aufgrund der fehlenden Regulierung haben Finanzdienstleister bereits mehrmals auf die Forderungen von Online-Casinos gegenüber deutschen Spielern verzichtet. Nur selten kommt es zu großen Meldungen, da das Tagesgeschäft nicht in Mitleidenschaft gezogen werden soll und raffinierte Personen diese Umstände womöglich ausnutzen könnten.

PayPal ist einer der bekanntesten Finanzdienstleister im Internet und hat vor Jahren das Bezahlen im Internet revolutioniert. Neben anderen Zahlungsmöglichkeiten wie der Banküberweisung oder Kreditkarten gehört PayPal daher auch zu den beliebtesten Zahlungsmethoden bei Online-Casinos. Vor allem die schnelle Verfügbarkeit der Zahlungen kommen bei den Kunden gut an, weshalb viele nach Online Casino PayPal Anbietern suchen.

Deutsches Glücksspielrecht

Wie kommt es nun, dass der Spieler seine Schulden von knapp 95.000 € nicht zahlen musste? Der Spieler hatte die Summe über PayPal eingezahlt, konnte aber keinen Nutzen daraus ziehen und verlor das eingesetzte Kapital. Den Zahlungsaufforderungen kam er nicht nach und schaltete einen Anwalt ein.

Der Anwalt bezog sich auf bestehendes deutsches Recht, dass es sich bei Online-Casinos um illegales Glücksspiel handelt. Denn mit der Ausnahme von Sportwetten und Lotterien ist das Veranstalten und das Vermitteln von öffentlichem Glücksspiel in Deutschland auch im Internet verboten. Durch das Glücksspiel im Internet gehen nämlich besondere Gefahren aus, in erster Linie aufgrund:

  • des fehlenden Jugendschutzes,
  • der stetigen Verfügbarkeit und
  • der Bequemlichkeit.

Dass der Glücksspielstaatsvertrag ohne Regulierung der Online-Casinos jedoch das Ziel verfehlt, den Schwarzmarkt für Glücksspiele im Internet zu bekämpfen, sehen sogar einige Politiker so. Nichtsdestotrotz hat sich der Anwalt unseres vom Pech verfolgten Casinospielers auf den Punkt der Illegalität des Glücksspiels berufen. Da illegales Glücksspiel keine wirksamen schuldrechtlichen Verbindlichkeiten begründet, bestehen auch beim Anbieter des Online-Casinos keine Ansprüche gegenüber dem Spieler.

Auch die Mitwirkung an Zahlungen für unerlaubtes Glücksspiel sind verboten, woraus folgt, dass auch PayPal keine Ansprüche gegenüber dem Spieler hat. Dennoch ist ein solches Vorgehen nicht der Regelfall. Auch wenn die Angebote der Online-Casinos in Deutschland per se illegal sind, werden sie und auch die Spieler doch vom Staat nicht belangt.

Dennoch handelt es sich bei dem geschilderten Fall um einen Einzelfall, auch wenn es bereits 2015 einen ähnlichen Sachverhalt gegeben hat. Damals hatte eine Frau 7.777,77 € bei Tipico und Bwin über PayPal eingezahlt. Die Anbieter von Sportwetten waren damals ebenfalls nicht reguliert und so konnten die Anwälte auch in diesem Fall PayPal dazu bewegen, der Frau die Schulden zu erlassen.

Kein Käuferschutz mehr

Von einem Plan, PayPal und/oder Online-Casinos mit einem derartigen Vorhaben zu betrügen, sollte man aber absehen. Die Chancen auf Erfolg sind nicht unbedingt gegeben, da kann man sich lieber gleich an einen richtigen Roulettetisch setzen. PayPal hat überdies den Käuferschutz eingestellt, zumindest für Zahlungen an Glücksspiel- und Wettanbieter.

Damit schützt sich PayPal selbst vor einer Zunahme der Streitigkeiten bei Transaktionen in diesem Bereich. Denn beim Thema Glücksspiel kommt es nicht zu einem Austausch von Waren gegen Geld, bei dem ein reibungsloser Ablauf nach dem Erhalt der Ware meist abgeschlossen ist. Transaktionen mit Glücksspielanbietern sorgen also auch bei PayPal selbst für Unsicherheiten.

Auch wenn es nicht zu einem Verzicht auf die Forderungen wie in den genannten Beispielen kommt, entstehen doch bei jedem Fall, den PayPal überprüfen muss, zusätzliche Kosten für das Unternehmen. Damit Transaktionen mit Anbietern der Glücksspielbranche für PayPal selbst nicht auch zum Glücksspiel wird, hat sich der Finanzdienstleister zu diesem Schritt entschieden. Zahlungen an Online-Casinos kann man aber immer noch mit PayPal abwickeln.

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