1

Casinos Austria Bregenz setzt neue Maßstäbe für europäische Pokerturniere

Umfangreich angekündigt und mit Spannung von der deutschsprachigen Pokerszene erwartet, fand vom 19. bis 26. Februar die bis dato größte Turnierserie des Casino Austria Bregenz statt. Unter der Leitung von Edgar Stuchly und Joe Fuchshofer wurde ein Event kreiert, der in Perfektion und Service für die Spieler in Europa einen neuen Standard gesetzt hat.

Ich befand mich noch mit dem Team 888 bis zum 20.02 in Cardiff zum Poker Nations Cup, so dass meine Teamkollegen und ich leider das am Sonntag veranstaltete Freeroll Turnier verpassen mussten. Quasi als Willkommensgeschenk wurden hier für die ersten 100 angemeldeten Teilnehmer, die mindestens 3 Turniere im Voraus bezahlt hatten, 5 Gratisplätze für den Main Event im Wert von jeweils 2.000,- Euro ausgespielt. Wir landeten also am Montag mit leichter Verspätung (Rush Hour über dem Himmel von London/Heathrow) in Frankfurt und ohne Unterbrechung ging es dann per Auto weiter nach Bregenz, schließlich wollten wir wenigstens pünktlich zum 200,- Euro No Limit Holdem Turnier erscheinen. Richtig ins Stauen kam ich dann, als um 20 Uhr die Teilnehmerzahl verkündet wurde: 177 Spieler wollten um den Turniersieg kämpfen. Hätte mir jemand vor 2 Jahren ein solches Interesse an Pokerturnieren im deutschsprachigen Raum prognostiziert, viel mehr als ein ungläubiges Lächeln wäre mir als Reaktion nicht zu entlocken gewesen.

Trotz der hohen Teilnehmerzahl startete der Event pünktlich um 20 Uhr. Ich nehme Platz an einem Tisch mit lauter mir unbekannten Gesichtern, wie sich bald in der Unterhaltung herausstellt, waren hier Gäste auch aus ferneren Gefilden angereist, meine Mitspieler kamen unter anderem aus England, Holland, Litauen und Rumänien. Gleich in der ersten Hand fand ich 2 Asse (es sollten die Einzigen während der gesamten Woche bleiben) und dank der kräftigen Hilfe eines Mitspielers gelang es mir meine Jetons von 2000 auf 4000 zu verdoppeln. Beflügelt durch den furiosen Start wollte ich aus dieser Situation natürlich entsprechendes Kapital schlagen und versuchte sofort, dass Kommando am Tisch zu übernehmen. Überraschend gute Karten und einige gelungene Bluffs halfen entsprechend weiter, so dass ich am Ende der Rebuyperiode 20.000 an Turnierjetons vorweisen konnte, ohne einen einzigen Rebuy tätigen zu müssen. Good Start!

Der Lauf nahm ein jähes Ende, als unser Tisch eine Stunde später aufgelöst wurde. Als Neuzugang am nachfolgenden Tisch musste ich mir ja erst wieder ein entsprechendes Image aufbauen, aber völlig kalte Karten wiesen mir eher die Rolle des unbezahlten Statisten zu. O.K., dann eben Gangwechsel in den tight-aggressiv Modus! Es verging Level um Level und meine Versuche, ein paar Blinds einzusammeln, wurden von meinen Kontrahenten mit kräftigen Reraises beantwortet. Meinen Chiplead am Tisch büßte ich schließlich ein, als ich As Dame gegen As 9 verlieren musste. Einige Zeit später kam es zum endgültigen Aus. Ich werde im BigBlind nur vom SmallBlind gecallt und finde As König. Mein dreifaches Raise wird ohne Zögern bezahlt. Der Flop bringt Bube, 5, 6 und mein Gegner geht sofort all in. Ich nehme mir etwas Zeit zum Nachdenken und da macht sich auch schon etwas Unsicherheit bei meinem Mitspieler breit.
Ich calle und etwas verlegen dreht mein Gegenüber Dame 10 um. Netter Versuch, denke ich noch und die Turnkarte, ein As wiegt mich in scheinbarer Sicherheit. Der River bringt einen der 3 noch vorhandenen Könige, mein Mitspieler hat jetzt eine Straße und ich bin raus aus dem Turnier. Na gut, dann geht es am nächsten Tag eben auf die Skipiste, frische Luft und etwas sportliche Betätigung ist ja eh viel gesünder, als einen Finaltisch zu spielen.

Als ich am späten Dienstagnachmittag von meinem Skiausflug aus dem nahe gelegene Montafon zurückkehre, traue ich wieder mal meinen Augen nicht: 8 Cashgame Tische sind am Laufen, davon alleine 3 Omaha Pot Limit Partien. Und wie die Post an diesen Tischen abgeht! Ein derartig actionreiches Spiel gab es zuletzt nur Ende der 90er Jahre bei ausgewählten Ereignissen. Besonders angetan war ich von der 1.000.- EUR buy in Partie mit 20/40 Blinds. Die Leute warfen ihre Chips in den Pot, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit ein bisschen Glück sollte doch ein ganzer Monatsverdienst in einer Nacht zu gewinnen sein und dementsprechend rückte das Cashgame in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Das spätere 300.- EUR No Limit Holdem Turnier ging ich dementsprechend eine Idee zu unmotiviert an und wurde auch prompt mit einem frühen Ausscheiden entlohnt.

Players Party am Mittwoch

Am Mittwoch fand noch ein Supersatellite für den Hauptevent statt, die Teilnahme schenkte ich mir jedoch aufgrund der guten Cashgame Aktion. Außerdem wollte ich auf keinen Fall die Players Party am Abend verpassen. Die Bregenzer Pokermannschaft hat sich diesmal erneut etwas Besonderes einfallen lassen: Am Mittwochabend wartete vor dem Casino eine exklusive Stretchlimousine, die Spieler und ihre Begleitungen zu einem nahe gelegenen Club chauvierte. Die Limo fasste jeweils 10 Gäste und bald schon war die Party im vollen Gange. Getränke und Snacks gingen alle auf Kosten von Casinos Austria, eine Gratisverlosung brachte dem einen oder anderen Glückspilz noch ein Turnier Buy in oder ein paar freie Übernachtungen im Mercure Hotel. Mit zunehmender Stunde wurde die Stimmung immer ausgelassener, gegen 2 Uhr nachts wurden die zaghaften Karaoke Versuche einiger ambitionierter Partygäste schließlich durch die Drohungen empörter Nachbarn gestoppt, die im Falle weiterer Gesangesdarbietungen doch tatsächlich die Polizei wegen Ruhestörung alarmieren wollten.

Der Hauptevent

Höhepunkt der Turnierwoche war das 2.000,- EUR No Limit Holdem Turnier, welches am Freitag um 15.30 Uhr startete. Bereits im Vorfeld gab es heftige Spekulationen über die Anzahl der Teilnehmer und ich ließ mich zu einer Wette mit meinem Team 888 Kollegen Andreas Krause hinreißen, dass sich mehr als 100 Spieler anmelden würden. Wir kamen schließlich auf sagenhafte 110 Spieler, die sich den Sieg und über 57.000,- EUR an Prämie schnappen wollten. (Danke, Andreas für die 50,- EUR)

Hochkonzentriert startete ich das Turnier, kämpfte mich durch das Feld und versuchte jeden Showdown soweit als möglich zu vermeiden. Um 4.00 Uhr morgens, nach 12 1/2 Stunden Turnierdauer wurde ich schließlich damit belohnt, mich unter den letzten 18 Teilnehmern zu finden. Meine Chipsituation war ebenfalls ganz passabel: 140.000 Turnierjetons, bei einem Schnitt von 120.000 standen mir also noch alle Türen offen. Am Sonntag kurz nach 15.00 Uhr trafen wir uns dann an den 2 verbliebenen Tischen wieder, um den Sieg auszuspielen. In Ruhe wollte ich meine Gegner beobachten, mich aus sinnlosen Scharmützeln heraushalten, um in möglichst guter Position an den Finaltisch zu wechseln. Leider sahen das meine Karten und auch meine Kontrahenten etwas anders. Eine Karte höher als 9 in meiner Hand kam schon einem Wunder gleich und meine gelegentlichen Klauversuche der Blinds wurden fast immer mit einem Reraise abgestraft. Nach ca. 90 Minuten Spieldauer, bei noch 15 verbliebenen Teilnehmern, sah ich schließlich meine Chance. Mit As Dame in Pik raiste ich von 8.000 Blind auf 24.000. Alle Spieler bis auf den BigBlind foldeten. Der sah nun wieder seine Chance und reraiste mich auf 100.000. Diesmal war ich mir ziemlich sicher, dass mein Gegner einen Bluff startete und wollte die Chance, mich aufzudoppeln, keinesfalls ungenutzt verstreichen lassen. Ich ging mit meinen insgesamt 106.000 an Turnierjetons all in, was mein Mitspieler mit einem leichten Stöhnen quittierte. Im Showdown zeigte er dann König Karo und Bube Kreuz. Schön, dachte ich mir im Stillen, mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 65 % stehe ich eigentlich nicht so schlecht da. Aber was nützt die beste Mathematik, wenn im Flop sofort ein König auftaucht. Das rettende As wurde mir leider verwehrt und etwas frustriert machte ich mich schließlich auf den Weg zum nächsten Turnier nach Wien, wo ich ab heute die Serie von Bad Beats in der Endphase eines Turniers zu durchbrechen gedenke.

Euer Michael