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Novomatic begibt erstmals Unternehmensanleihe

150 Millionen Euro mit einer Laufzeit von sieben Jahre – Zur Finanzierung des weiteren Wachstums und Verbesserung der Bilanzstruktur – Börsegang weiter „kein Thema“

Wien – Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic, Gumpoldskirchen, zapft erstmals den Kapitalmarkt an: Die Kernholding der international tätigen Gruppe begibt eine Unternehmensanleihe über 150 Mio. Euro mit einer Laufzeit von sieben Jahren (2005-2012).

Die Verzinsung wird am kommenden Montag (3. Oktober) festgelegt und wird voraussichtlich 3 5/8 Prozent betragen, die Zeichnungsfrist läuft vom 3. bis 7. Oktober.

Aufstockung möglich

Bei guter Nachfrage kann das Anleihevolumen weiter aufgestockt werden, voraussichtlich um 50 Mio. Euro, heißt es aus Kapitalmarktkreisen. Lead Manager der Emission, die sich an private und institutionelle Anleger richtet, ist die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Die Stückelung beträgt 500 Euro. Der Emissionskurs wird am Montag fixiert, die Tilgung erfolgt im Oktober 2012 zu 100 Prozent. Die Anleihe wird im geregelten Freiverkehr der Wiener Börse gehandelt werden.

Weiteres Wachstum

Mit der Anleihe will die mit der Entwicklung, Produktion und dem Betrieb von Spielbanken, Automatencasinos und Sportwetten befasste Novomatic ihr weiteres Wachstum finanzieren. Vorstandschef Franz Wohlfahrt schloss bei einer Pressekonferenz heute, Mittwoch, „eine mögliche größere Akquisition im Herbst“ nicht aus.

Weiters will das Unternehmen seine Bankverbindlichkeiten von derzeit 50 Mio. Euro um rund 35 Mio. Euro reduzieren. Geplant ist der Zukauf weiterer Spielbanken in Deutschland sowie der Ausbau der bereits mehr als 200 elektronischen Casino-Standorte. Rund 20 Prozent des Anleiheerlöses sollen in Forschung und Entwicklung fließen.

Die erstmalige Begebung einer Unternehmensanleihe bedeute auch „eine bewusste Öffnung gegenüber privaten und institutionellen Investoren“, sagte Alfred Liebich, Leiter des Bereichs Corporate Finance. Man stelle sich bewusst den Anforderungen des Kapitalmarktes. Das Unternehmen will künftig regelmäßig einen konsolidierten Jahresabschluss veröffentlichen.

Verbessertes Ergebnis

Im ersten Halbjahr 2005 hat Novomatic den bisherigen Wachstumskurs fortgesetzt: Bei einem um 40 Prozent höheren Umsatz von 353 (Halbjahr 2004: 252) Mio. Euro verbesserte sich das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 73 Prozent auf 76 (44) Mio. Euro.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) wuchs um 88 Prozent auf 62 (33) Mio. Euro. Während sich die Anzahl der Mitarbeiter per 30. Juni von 2.740 auf 3.259 Personen erhöhte, sank der Anteil der Personalkosten am Umsatz von 16,3 auf 14,2 Prozent.

Novomatic-Chef Wohlfahrt erwartet in den kommenden Jahren ein Wachstum über den für die weltweite Glücksspielbranche prognostizierten 3,1 Prozent. Selbst nach „konservativen Schätzungen“ sei in den von Novomatic bearbeiteten Geschäftsfeldern Spielbanken, Sportwetten und elektronische Automatencasinos ein jährliches Umsatzplus von durchschnittlich 7 Prozent zu erwarten.

Zu den Markttreibern zählten der zunehmende Trend zum elektronischen Spiel, mehr frei gestaltbare Zeit sowie die Liberalisierungstendenzen innerhalb der EU. „Die EU-Kommission wird nicht umhin kommen, den Glücksspielbereich zu harmonisieren“, erwartet Wohlfahrt.

Börsengang derzeit kein Thema

Ein Börsegang sei als Alternative nicht zur Diskussion gestanden. „Novomatic ist ein eigentümerkonzentrierter Familienbetrieb“, unterstrich Wohlfahrt. Unternehmensgründer Johann Graf (58) denke nicht an einen Rückzug. Ein Gang an die Börse sei damit „derzeit und in absehbarer Zeit kein Thema“.

Die Novomatic AG erzielt 40 Prozent ihres Umsatzes mit der Produktion und dem weltweiten Verkauf von Hard- und Softwareprodukten im Glücksspielbereich, insbesondere Hightech-Glücksspielautomaten.

Etwa 20 Prozent der Umsätze entfallen auf den Betrieb von Spielbanken und elektronischen Automatencasinos in Österreich, Deutschland, Großbritannien und mehreren Länder Mittel-/Osteuropas (CEE) wie Ungarn, Polen, Lettland, Estland, Kroatien und Rumänien. (APA