Das Ridotto im Palazzo Dandolo war eine Antwort auf den Wildwuchs von Glücksspiel während des venezianischen Karnevals. Überall in der Stadt fanden damals improvisierte Runden in Tavernen und Privathäusern statt. Um Ordnung zu schaffen und gleichzeitig Einnahmen für die Staatskasse zu sichern, richtete der Große Rat ein offizielles Spielhaus ein. Hier konnte unter Aufsicht gespielt werden – allerdings nur maskiert, damit gesellschaftliche Unterschiede zwischen Adel, Bürgern und Fremden verschwammen.
Im Ridotto wurden vor allem Karten- und Würfelspiele angeboten, darunter Bassetta, ein Vorläufer des später populären Faro. Der Glanz der Säle, das Kerzenlicht, die kostümierten Spieler – all das machte das Ridotto schnell zu einem Symbol venezianischer Lebensart. Doch es gab auch Kritik: Geistliche und Moralisten warnten vor Ruin und Sittenverfall. 1774 wurde das Ridotto geschlossen, doch die Idee hatte längst Schule gemacht.
In Paris nahm das Glücksspiel einen anderen Weg. Dort entstanden im 18. Jahrhundert keine staatlichen Spielhäuser, sondern private Salons. Adlige und wohlhabende Bürger öffneten ihre Häuser für elegante Spielabende, bei denen Faro, Baccara und Whist im Mittelpunkt standen. Diese Salons waren weit mehr als Unterhaltung – sie waren Ausdruck von Prestige, Intellekt und gesellschaftlichem Rang. Spielschulden galten als Ehrenschulden, und nicht selten wechselten ganze Landgüter oder politische Gefälligkeiten den Besitzer.
Das Glücksspiel in Paris war dadurch eng mit Macht und Politik verknüpft. Während das Ridotto in Venedig Ordnung und staatliche Einnahmen sichern sollte, waren die Pariser Salons Orte sozialer Inszenierung. Mit der Französischen Revolution geriet auch diese Kultur ins Wanken. Glücksspiel wurde teils verboten – doch seine Faszination blieb bestehen.
Von Venedig bis Paris zeigt sich, wie das Glücksspiel den Schritt von improvisierten Runden zur Institution machte. Spielhäuser wurden zu Orten, an denen Luxus, Gesellschaft und Regulierung miteinander verschmolzen. Fürstliche und städtische Kassen profitierten, während Spieler eine neue Bühne fanden, auf der Geld, Ehre und Ansehen auf dem Spiel standen.
Bis heute wirken diese frühen Formen nach. Die festliche Atmosphäre des Ridotto lebt in modernen Casinos weiter, ebenso wie die Tradition der Salons, in denen es beim Spiel nicht nur um Geld, sondern auch um gesellschaftlichen Status ging. Von Venedig und Paris aus entstand eine Kultur, die Spielbanken weltweit geprägt hat – von Baden-Baden und Wiesbaden bis hin zu den glitzernden Metropolen Las Vegas und Macau.
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