
Doch der Wandel ist mehr als nur eine strukturelle Neuordnung. Er manifestiert sich vor allem in einer modernisierten Unternehmenskultur und einer agilen Führungsebene. Die Merkur Gruppe setzt an den Standorten auf ein Management, das Professionalität mit Innovationskraft vereint und verkrustete Traditionen durch zeitgemäße, ergebnisorientierte Führungsmodelle ersetzt. Diese neue Ära steht somit für eine Unternehmenskultur, die Kompetenz und moderne Managementstandards konsequent in den Mittelpunkt stellt.
Die Interviews mit den Direktoren und Verantwortlichen zeigen, dass der Erfolg der Transformation maßgeblich von einer neuen Haltung geprägt ist: Sie vereint unternehmerisches Tempo, den unbedingten Fokus auf die Mitarbeiter und eine klare Priorität für die gesellschaftliche Verantwortung. Die folgenden Stimmen aus dem Management geben Einblicke, wie dieser Weg in der Praxis gestaltet wird.
Sven Otzisk, Spielbank Monheim
Die Eröffnung des Neubaus in Monheim steht exemplarisch für die neue Ausrichtung der Gruppe. Direktor Sven Otzisk beschreibt die neue Geschwindigkeit und Klarheit im Entscheidungsprozess:
ISA-GUIDE: Wo erleben Sie heute die größten Unterschiede bei Entscheidungswegen und Handlungsspielräumen im Vergleich zu früher?
Sven Otzisk: Die Entscheidungswege sind deutlich kürzer und transparenter. Früher waren viele Prozesse langwierig und stark formalisiert. Heute können wir schneller reagieren, innovative Ideen umsetzen und den Standort gezielt weiterentwickeln.
ISA-GUIDE: Was ist Ihnen für Ihren Standort in den kommenden Jahren besonders wichtig?
Sven Otzisk: Dass wir uns als moderne und verantwortungsvolle Spielbank weiter etablieren. Nicht nur für unsere Gäste, sondern ebenso als attraktiver Arbeitgeber für unsere Mitarbeitenden. Qualität, Nachhaltigkeit und ein starkes Team sollen dabei die Grundlage unseres Erfolgs sein.
Volkan Celep, Gastronomie im Casino Duisburg
Auch im Gastronomiebereich, der essenziell für die Positionierung der Spielbanken als Erlebnisorte ist, wurde ein klarer Kurswechsel vollzogen. Für Volkan Celep, Direktion Gastronomie im Casino Duisburg, lag die zentrale Herausforderung in der Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses für unternehmerisches Handeln:
ISA-GUIDE: Was war aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung dabei, eine öffentlich-rechtlich geprägte Struktur in ein unternehmerisches Umfeld zu überführen?
Volkan Celep: Die größte Herausforderung war, ein gemeinsames Verständnis für Wirtschaftlichkeit zu schaffen, ohne den Menschen das Gefühl zu geben, dass es nur noch um Zahlen geht. In vielen Bereichen fehlte über Jahre hinweg Transparenz zu Kosten, Einsätzen und Ergebnissen. Diese Offenheit herzustellen und gleichzeitig zu erklären, warum Veränderungen notwendig sind, war anspruchsvoll.
ISA-GUIDE: Wenn Sie auf die Zeit vor und nach der Übernahme blicken: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Unterschied zwischen “damals” und “heute”?
Volkan Celep: Der wichtigste Unterschied ist die Klarheit. Heute gibt es klare Ziele, transparente Strukturen und eine nachvollziehbare Steuerung der Betriebe. Diese Klarheit ermöglicht es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und die Gastronomie aktiv weiterzuentwickeln, statt nur auf Herausforderungen zu reagieren.

Sebastian Kuehn, Spielbank Siegburg
Als ehemaliger Hoteldirektor bringt Sebastian Kuehn, künftiger Direktor der Spielbank Siegburg, eine externe Perspektive mit in die Branche. Er bewertet die Handlungsspielräume und die Prioritäten des neuen Geschäftsfeldes:
ISA-GUIDE: Wo erleben Sie heute die größten Unterschiede bei Entscheidungswegen und Handlungsspielräumen im Vergleich zu früher?
Sebastian Kuehn: Ich muss feststellen, dass ich als Direktor einer Merkur Spielbank zwar einerseits deutlich strikteren Rahmenbedingungen (Gesetze, Verordnungen) unterliege als in der Hotellerie, die Spielräume zu wirtschaftlichen Entscheidungen aber deutlich größer sind, man mehr Flexibilität in seinem Handeln hat und auch der Weg zu einer Entscheidung kürzer ist.
ISA-GUIDE: Wie gehen Sie als Direktor mit dem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Verantwortung und der besonderen gesellschaftlichen Rolle einer Spielbank um?
Sebastian Kuehn: Ich hatte bisher zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass bei Merkur wirtschaftliche Verantwortung und gesellschaftliche Rolle im Widerspruch stehen. Gerade in Bezug auf meine langjährige Karriere in der Hotellerie stelle ich aber fest, dass insbesondere die gesellschaftliche Rolle in einer Merkur Spielbank eine deutlich höhere Priorität hat und dies nicht nur in kleinen, kurzfristigen Taten, sondern generell und langfristig.
Thomas Stossberg, Casino Duisburg
Thomas Stossberg, Spielbankdirektor in Duisburg, betont die positive Signalwirkung, die vom Konzern direkt nach der Übernahme an die Belegschaft gesendet wurde, und hebt einen zentralen Unterschied zum ehemaligen Betreiber hervor:
ISA-GUIDE: Wann hatten Sie erstmals das Gefühl, dass aus anfänglicher Skepsis im Team allmählich Akzeptanz oder Vertrauen geworden ist?
Thomas Stossberg: Ich habe keine große Skepsis erlebt. Viel Vertrauen hat uns der erste Auftritt des Vorstands bei einer Betriebsversammlung, direkt nach der Übernahme gegeben.
ISA-GUIDE: Wenn Sie auf die Zeit vor und nach der Übernahme blicken: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Unterschied zwischen “damals” und “heute”?
Thomas Stossberg: Ich finde, der wichtigste Unterschied ist, dass Merkur sehr viel in die Mitarbeitenden investiert. Die Palette für Personalentwicklung ist riesengroß, sowohl für neue als auch für bereits erfahrene Mitarbeitende oder Führungskräfte. Das gab es damals nicht.
Jacqueline Oud-van der Vorst, Spielbank Bad Oeynhausen
Für Jacqueline Oud-van der Vorst Spielbankdirektorin in Bad Oeynhausen steht die Verankerung im lokalen Umfeld und die Neuausrichtung des Angebots im Mittelpunkt:
ISA-GUIDE: Welche Bedeutung haben die regionalen Besonderheiten Ihres Standorts heute – und wie viel Freiheit haben Sie, diese aktiv zu gestalten?
Jacqueline Oud-van der Vorst: Wir engagieren uns aktiv für die lokale Bevölkerung und unterstützen zahlreiche Vereine durch Sponsoring. Unsere zentrale Lage im Werre-Park in BOE ist in der Region besonders attraktiv. Ich habe die Möglichkeit, dies aktiv weiterzuentwickeln, selbstverständlich im Rahmen der gesetzlichen Bedingungen und in Abstimmung mit der Geschäftsführung.
ISA-GUIDE: Was ist Ihnen für Ihren Standort in den kommenden Jahren besonders wichtig?
Jacqueline Oud-van der Vorst: Mir ist es wichtig, dass wir als Spielbank gemeinsam mit unseren Mitarbeitern den Fokus weiter von produktorientiert auf Gästeorientiert verlagern und eine noch sichtbare und bedeutsamere Rolle in der Gesellschaft spielen. Um flexibel zu bleiben, werden wir uns in den kommenden Jahren unter anderem auch auf den multifunktionalen Einsatz von Mitarbeitern konzentrieren.

Thomas Nowarra und Sebastian Griese, Spielbank Hohensyburg
Das Leitungsduo an der Hohensyburg, Thomas Nowarra und Sebastian Griese, beschreibt die veränderte Art der Führung und wie das Team durch die sensible Phase der Veränderung geleitet wurde:
ISA-GUIDE: Hat sich Ihre Rolle als Spielbankdirektor seit der Übernahme verändert – und wenn ja, in welcher Weise?
Thomas Nowarra/Sebastian Griese: Wir haben die Direktion erst nach der Privatisierung übernommen. Heute sind wir bedeutend näher an unseren Kolleginnen und Kollegen, setzen Ideen bedeutend schneller um, sind gemeinsam kreativer. Diese Konstellation mit den Ergebnissen habe ich zu WestSpiel-Zeiten bei den Direktoren weniger erlebt.
ISA-GUIDE: Wie haben Sie Ihr Team durch die Phase der Veränderung geführt, insbesondere in den ersten Monaten nach der Übernahme?
Sebastian Griese: Vertrauen baut man durch Kommunikation, Transparenz und Ehrlichkeit auf. Es gibt keine dummen Fragen - nur dumme Antworten. Und natürlich müssen wir auch respektvoll mit der Skepsis der internen Kolleginnen und Kollegen in diesem Verschmelzungsprozess der beiden Welten von MERKUR und WESTSPIEL umgehen. Veränderungs- und Transformationsprozesse sind kein Sprint, sondern ein Marathon.
Jörg Söerries, Spielbank Aachen
Jörg Söerries, Direktor der Spielbank Aachen, blickt auf die Übernahme zurück und macht eine klare Aussage zur Priorisierung von Erfolg und Verantwortung:
ISA-GUIDE: Wie haben Sie persönlich den Moment erlebt, als klar wurde, dass die Spielbank unter das Dach der Merkur Gruppe wechselt?
Jörg Söerries: Es war eine spannende Zeit. Es wurden auch von außen die unterschiedlichsten Informationen gestreut. Aber ich persönlich begrüßte die Privatisierung hin zu MERKUR, hin zu einem Spezialisten.
ISA-GUIDE: Wie gehen Sie als Direktor mit dem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Verantwortung und der besonderen gesellschaftlichen Rolle einer Spielbank um?
Jörg Söerries: Die Erfüllung aller gesetzlichen Anforderungen ist die Voraussetzung zum Betrieb einer Spielbank. Das bedeutet für mich, dass die Ziele des Glücksspielstaatsvertrages vorranging vor dem wirtschaftlichen Erfolg stehen. Hier liegt die Gewichtung eindeutig auf der Seite der gesellschaftlichen Aufgabe der Spielbank.
Die Eckpfeiler des Erfolgs
Die Stimmen der Führungskräfte zeichnen ein klares Bild des Merkur-Wandels: Im Zentrum stehen verkürzte Entscheidungswege, eine neue unternehmerische Dynamik und der Fokus auf die Mitarbeitenden als das wichtigste Kapital. Die größte Übereinstimmung herrscht in der Haltung, dass die gesellschaftliche Verantwortung und die Einhaltung der strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht im Widerspruch zum wirtschaftlichen Erfolg stehen, sondern dessen Voraussetzung bilden. Die "neue Ära" der Spielbanken ist somit eine, die auf Vertrauen, Transparenz und nachhaltige Entwicklung setzt.
Ausblick
Mit stabilen Teams, modernisierten Häusern und klaren Führungsstrukturen ist der Wandel der Spielbanken in Nordrhein-Westfalen weit vorangeschritten. Doch jede Transformation wirft auch die Frage nach dem größeren Zusammenhang auf: Warum dieser Weg? Welche Haltung steckt dahinter? Und wohin soll er führen?
Diesen Fragen widmet sich der abschließende Teil dieser ISA-GUIDE-Serie – mit dem Blick desjenigen, der den strategischen Rahmen gesetzt hat und den Wandel maßgeblich mitverantwortet: David Schnabel
Sie haben den letzte Artikel Verpasst ? Lesen sie hier: Wie Spielbankdirektoren den Wandel zwischen Konzern und Alltag gestalten
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