Tradition und Gegenwart der Spielbank Wiesbaden – ein exklusives Interview

Ulli Schmitt
ISA-GUIDE Inhaber
E-Mail: ulli@isa-guide.de


(Foto: Spielbank Wiesbaden)
(Foto: Spielbank Wiesbaden)
Die Spielbank Wiesbaden zählt zu den traditionsreichsten Glücksspielhäusern Europas. Seit dem 19. Jahrhundert ist sie eng mit der Geschichte der Kurstadt verbunden und war über Jahrzehnte hinweg ein gesellschaftlicher Treffpunkt für Adel, Künstler und wohlhabende Kurgäste aus ganz Europa. Namen wie Fjodor Dostojewski, Richard Wagner oder Mitglieder europäischer Fürstenhäuser sind untrennbar mit ihrer Geschichte verknüpft. Wiesbaden stand dabei zeitweise sogar im Schattenvergleich mit Baden-Baden – und prägte dennoch eine ganz eigene Spielbank-Tradition.

Im folgenden Interview gibt Friedhelm Höbel von der Spielbank Wiesbaden Einblicke in die historische Bedeutung des Hauses, in berühmte Persönlichkeiten und legendäre Anekdoten sowie in die architektonische und kulturelle Entwicklung der Spielbank.

Ulli Schmitt, ISA-GUIDE: Die Spielbank Wiesbaden gilt seit dem 19. Jahrhundert als eine der bedeutendsten Spielbanken Europas. Was macht aus Ihrer Sicht diesen besonderen Stellenwert aus?

Friedhelm Höbel: Wiesbaden wurde um 1860 zur Weltkurstadt ernannt. Dadurch hatte die Stadt selbst Baden-Baden an Kurgästen überholt. Durch die Heirat von Elisabeth, einer Zarennichte, mit dem Herzog Adolf von Nassau kam auch ihr Hofstaat und somit viele Russen nach Wiesbaden.

Ulli Schmitt, ISA-GUIDE: Die Säle der Spielbank Wiesbaden sind seit jeher für ihre Eleganz bekannt. Welche architektonischen oder gestalterischen Elemente sind typisch und wie haben sie sich über die Jahrzehnte verändert?

Friedhelm Höbel: Von 1872 – 1949 gab es keine Spielbank in Wiesbaden. Glücksspiel war in ganz Deutschland verboten. 1949 begann man auf Betreiben eines Amerikaners im Foyer des Staatstheaters wieder mit dem Spielbetrieb, um dann 1955 in das wieder hergerichtete Kurhaus zu ziehen. Das Kurhaus war nur notdürftig renoviert. In München wurden in den 1980ziger Jahren die Pläne von Friedrich von Thiersch, dem Erbauer des Kurhauses Wiesbaden, entdeckt und man begann 1984 das Kurhaus nach den original Plänen zu renovieren. 1886 zog die Spielbank in den Weinsaal, wo sie sich heute noch befindet. Das Kurhaus erstrahlte wieder in seiner alten Pracht. Kaiser Wilhelm II. nannte es bei seiner Einweihung 1907 das schönste Kurhaus der Welt.

Ulli Schmitt, ISA-GUIDE: In Ihrer Geschichte spielten viele berühmte Persönlichkeiten – von Dostojewski bis hin zu Fürsten und Königen. Welche Anekdoten oder Geschichten stechen besonders hervor?

Friedhelm Höbel: Nicht nur Wagner kam in die Spielbank, auch Dostojewski dem zu Beginn das Glück zur Seite stand, er aber letzten Endes sein Vermögen und das seiner Frau in Wiesbaden verspielt hat. Durch die Schulden war er gezwungen, zu schreiben. Daraus resultierte unter anderem der Roman „Der Spieler“.

Gunter Sachs war häufig zu Gast. Mit dem Trinkgeld für die Angestellten hat er es leider nie so genau genommen.

In Erinnerung bleibt auch ein Deutsch-Chilene, der jedes Jahr zur Kur nach Wiesbaden kam und den damals höchsten Gewinn in Höhe von ca. 1,5 Millionen D-Mark gewonnen hat. Es wurden extra Croupiers bereitgestellt, die ihm beim Setzen der Jetons halfen.

Nicht zu vergessen der Besuch von Herrn Putin und Frau Merkel, die im Rahmen einer Sicherheitskonferenz in Wiesbaden waren und sich den Dostojewski-Kessel anschauen wollten, der sich als Leihgabe in der Spielbank befindet. Dieser Kessel wurde benutzt als Dostojewski Gast in der Spielbank war.

Ulli Schmitt, ISA-GUIDE: Die Spielbank war nicht nur Glücksspielhaus, sondern auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Welche Rolle spielte sie im 19. Jahrhundert für das kulturelle Leben Wiesbadens – und welche Rolle spielt sie heute?

Bis 1872 war die Spielbank Treffpunkt für den Adel oder Geldadel. Man vertrieb sich die Zeit während der Kur. Heute ist die Spielbank gehobene Unterhaltung für fast jederman.

Bleiben Sie am Ball: Die Reise geht weiter!

Es bleibt spannend in unserer Serien-Reihe „Eine Reise durch die Zeit: ISA-GUIDE startet das ambitionierteste Projekt seiner Geschichte“.

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus der kompletten Serie und dem Interview. Wir halten Sie auf dem Laufenden, wie es weitergeht – denn das Beste kommt erst noch.

Alle Artikel unserer Serie "Von Venedig bis Paris – die Geburt der ersten europäischen Spielhäuser" finden Sie hier.

Vormerken: Am 05.05.2026 setzen wir unsere Reise fort. Das Thema dann: „Glücksspiel im Mittelalter“.

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