Nassau, Tortuga und Port Royal – Glücksspiel in den Piratenhäfen der Karibik

Ulli Schmitt
ISA-GUIDE Inhaber
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Wenn heute von Piraten die Rede ist, tauchen die Namen Nassau, Tortuga und Port Royal sofort auf. Diese Häfen waren im 17. und 18. Jahrhundert Dreh- und Angelpunkte der Piraterie – und zugleich Zentren von Glücksspiel und Exzess. Würfel, Karten und Wetten prägten das Leben in den Tavernen, und kaum ein Pirat widerstand der Versuchung, sein Gold dort auf den Tisch zu legen.

Nassau auf den Bahamas profitierte von seiner geschützten Lage und seiner Nähe zu den Handelsrouten. Nach erfolgreichen Kaperfahrten strömten Crews in die Tavernen, wo Spielhöllen entstanden. Würfel und Kartenrunden bestimmten die Nächte. Zeitzeugen berichten, dass manche Piraten in wenigen Stunden all ihre Beute verloren – zum Profit der Wirte, die sich immer freuten, wenn der Gewinner durch Lokalrunden das Geschäft ankurbelte.

Tortuga, die französische Pirateninsel, war besonders berüchtigt. Hier gab es kaum Regeln, und Glücksspiel verband sich mit Gewalt und Rum. Neben Würfel- und Kartenspielen waren Wetten auf Hahnenkämpfe und Faustduelle populär. Französische Offiziere verurteilten die Verschwendungssucht der Piraten, doch für die lokale Wirtschaft war sie ein Segen: Das Gold der Beute floss direkt in Tavernen und Spielhäuser.

Port Royal auf Jamaika wurde als „Sündenpfuhl der Karibik“ bekannt. Die Stadt war berüchtigt für ihre unzähligen Tavernen, in denen Glücksspiel, Alkohol und Prostitution Hand in Hand gingen. Würfel- und Kartenspiele, Wetten auf Trinkwettbewerbe oder Schießduelle – alles war möglich. 1692 zerstörte ein Erdbeben große Teile der Stadt, was viele Zeitgenossen als göttliche Strafe für die Maßlosigkeit deuteten.

In allen drei Häfen war Glücksspiel weit mehr als Unterhaltung. Es war sozialer Kitt und gefährliche Leidenschaft zugleich. Piraten verschiedener Crews trafen aufeinander, schmiedeten Allianzen oder trugen Feindschaften am Spieltisch aus. Wer gewann, konnte sein Ansehen steigern – wer verlor, riskierte Ruf und Zukunft.

Auch die kolonialen Behörden trugen zum florierenden Glücksspiel bei. Offiziell verboten, wurde es in der Praxis geduldet oder durch Schmiergelder und Abgaben in den Wirtschaftskreislauf integriert. Glücksspiel war Teil einer Schattenwirtschaft, die eng mit Schmuggel und Korruption verflochten war.

Europa sah in Nassau, Tortuga und Port Royal Orte der Maßlosigkeit. Flugblätter und Chroniken prangerten sie als Zentren von Sünde und Glücksspiel an – und machten sie zugleich zu Symbolen für Abenteuerlust und Freiheit. Bis heute sind diese Häfen untrennbar mit dem Mythos der Piraterie verbunden.

Quellenhinweise: David Cordingly: Under the Black Flag. New York 1995. – Marcus Rediker: Villains of All Nations. Boston 2004. – Bryan Little: Port Royal: The Sunken City. Kingston 1963.

Lesen sie hier: Piraten-Ehre und Spielschulden – wenn der Einsatz mehr als Geld war

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