Mittelalterliche Spieler – Ritter, Würfler und Kartenspiele in Tavernen

Ulli Schmitt
ISA-GUIDE Inhaber
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Glücksspiel war im Mittelalter weit verbreitet – und das, obwohl Kirche und Obrigkeit es offiziell missbilligten. Ob Ritter zwischen zwei Feldzügen, Handwerker nach Feierabend oder Kaufleute in städtischen Tavernen: überall wurde gespielt. Würfel und Karten waren die beliebtesten Mittel, um Fortuna herauszufordern, und sie verbanden Menschen aller Schichten. Dabei haben Würfel mit die längste Tradition. Schon seit der Antike gehörten sie zum Alltag, und auch im Mittelalter wurden sie aus Knochen, Holz oder Elfenbein gefertigt. Ritter würfelten im Lager, Bauern und Handwerker in Schenken. Nicht selten verspielen Männer dabei ihren gesamten Lohn, ihre Ausrüstung oder sogar Besitztümer. Chroniken berichten von adligen Herren, die ganze Güter am Spieltisch verloren.

Mittelalterliche Würfelrunde im Wirtshaus
Die Kirche verurteilte Glücksspiel scharf. Prediger warnten vor „Teufelswerk“, weswegen sich Priester sich offiziell nicht beteiligen durften. Doch archäologische Funde von Würfeln in Klöstern zeigen, dass selbst Geistliche dem Reiz des Spiels nicht widerstehen konnten. Verbote und Strafen konnten die Leidenschaft nicht eindämmen.

Ab dem 14. Jahrhundert verbreiteten sich in Europa auch Spielkarten. Ursprünglich aus China stammend und über arabische Händler ins Mittelmeer gelangt, fanden sie rasch Anklang. Anfangs waren Kartendecks ein Luxusgut, kunstvoll bemalt und Adligen vorbehalten. Später entstanden einfache Karten für das Volk. Spiele wie das deutsche „Karnöffel“ gelten als frühe Vorläufer moderner Kartenspiele. In Tavernen entwickelten sich lebhafte Kartenspiele, die oft mit Geldeinsätzen verbunden waren – und entsprechend häufig zu Streit führten. Die Tavernen waren das Zentrum des Glücksspiels. Hier trafen sich Menschen aus allen Schichten. Bei Bier und Wein rollten Würfel über hölzerne Tische, Karten wechselten die Hände, und der Wirt verdiente kräftig mit. In dieser Mischung aus Lärm, Rauch und Spannung blühte eine Glücksspielkultur, die ebenso gefährlich wie faszinierend war.

Auch in den Heeren spielte das Glücksspiel eine Rolle. Kreuzritter würfelten auf langen Märschen und Soldaten nutzten Würfelspiele, um Beute oder Sold zu verteilen. Doch nicht selten entstanden daraus Konflikte und Schulden, die ganze Schicksale bestimmten.

Am Hofe wurde ebenfalls gespielt, wenn auch in kultivierteren Formen. Adlige und Fürsten veranstalteten Spiele in prunkvollen Sälen, wo nicht nur um Geld, sondern auch um Ansehen und Prestige gewetteifert wurde. Wer am Spieltisch siegte, konnte politischen Einfluss gewinnen – damit war Glücksspiel auch ein Mittel subtiler Machtausübung.

Die Obrigkeit versuchte wiederholt, das Glücksspiel einzudämmen. In England erließ Heinrich VIII. Verbote, auch deutsche Städte erließen Strafen für illegale Spiele. Doch wie schon in der Antike ließen sich die Menschen nicht von Fortuna abbringen.

Typisch für das Mittelalter war die enge Verbindung von Glücksspiel und Aberglaube. Spieler küssten ihre Würfel, trugen Amulette oder vertrauten auf Glückszahlen. Der Glaube an Fortuna – nun mit christlichen Vorstellungen vermischt – war allgegenwärtig.

Das Glücksspiel des Mittelalters war damit mehr als nur ein Zeitvertreib. Es spiegelte die Gegensätze der Epoche: Verbot und Leidenschaft, Gefahr und Hoffnung, Verurteilung und Praxis. Und es bereitete den Weg für die Glücksspielkultur der Neuzeit – mit Würfeln, Karten und einer Sehnsucht nach Glück, die bis heute anhält.

Lesen sie hier: Glücksspiel in der Antike – von römischen Würfeln bis zu chinesischem Keno

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