Glücksspiel unter der Totenkopfflagge – wie Piraten ihre Beute verspielt haben

Ulli Schmitt
ISA-GUIDE Inhaber
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Wenn wir an Piraten denken, fallen uns sofort Entermannöver, Rumfässer und verborgene Schätze ein. Doch ein wichtiger Aspekt des Piratenlebens wird oft übersehen: das Glücksspiel. Unter der Totenkopfflagge gehörte es zum Alltag, Würfel oder Karten in die Hand zu nehmen und den eigenen Anteil an der Beute aufs Spiel zu setzen. Manche Piraten gewannen in einer Nacht ein Vermögen, andere verloren alles und mussten von vorn beginnen.

Piraten unter der Totenkopfflagge
Das Piratenleben war von Risiko geprägt. Krankheit, Kämpfe und drohende Hinrichtungen machten jede Woche ungewiss. Glücksspiel spiegelte dieses Lebensgefühl wider: ein Wurf konnte über Wohlstand oder Elend entscheiden. Kaum war die Beute verteilt, fanden sich Crews zusammen, um Münzen, Edelsteine oder Waffen zu verspielen.

Besonders beliebt waren Würfelspiele. Würfel aus Knochen oder Elfenbein waren leicht verfügbar und brauchten keine aufwendige Vorbereitung. Karten tauchten ebenfalls auf, auch wenn sie empfindlicher waren und nicht so leicht zu beschaffen. Trotzdem gibt es Hinweise, dass Piraten Spiele wie Primero oder frühe Poker-Varianten kannten. Ergänzt wurden diese Spiele durch Trinkwettbewerbe, bei denen Rum zugleich Einsatz und Belohnung war.

Doch das Glücksspiel war nicht ohne Folgen. Immer wieder kam es zu Streitigkeiten über verlorene Einsätze. Manche Crews versuchten, klare Regeln aufzustellen: keine großen Spiele an Bord, Streitigkeiten nur vor dem Quartiermeister, Glücksspiel vor allem an Land. Trotzdem eskalierten Situationen, und es gibt Berichte von Piraten, die ihre Ausrüstung oder sogar ihre Freiheit verspielt haben.

In den Piratenhäfen Nassau, Tortuga und Port Royal blühte das Glücksspiel besonders. Tavernen und Spielhäuser boten alles, was das Piratenherz begehrte. Viele kehrten reich aus einem Beutezug zurück – und waren schon nach wenigen Tagen wieder mittellos. Glücksspiel war für Wirte ein Geschäft und für Piraten der schnelle Weg zurück in den ewigen Kreislauf von Risiko und Beute.

Auch die Öffentlichkeit nahm dieses Bild wahr. Flugblätter, Chroniken und Gerichtsakten stellten Piraten als maßlose Spieler dar, die ihre Reichtümer wie Wasser verschwendeten. Damit passte das Glücksspiel perfekt zum Image des Piraten als waghalsigen Glücksritter, der mit dem Schicksal spielte.

Dieses Bild hat bis heute überlebt. In Romanen und Filmen sitzen Piraten in Tavernen, würfeln um Gold und verlieren alle ihre Schätze in einer Nacht. Glücksspiel war stehts ein fester Bestandteil ihrer Kultur – und trägt entscheidend zum Mythos der Seeräuber bei.

Quellenhinweise: Marcus Rediker: Villains of All Nations. Boston 2004. – David Cordingly: Under the Black Flag. New York 1995. – Hans P. Häberlein: Piraten und Freibeuter der Karibik. München 2011.

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