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PokerNews Profil: Scotty Nguyen

Von Lisa Horn

Sein vollständiger Namen ist Thuan “Scotty” Nguyen. Der schon als Kind in die USA emigrierte Vietnamese gilt als ambivalentes Poker-Genie. Er hat schon hunderte internationale Turnier Events auf dem Buckel und sein „baby“ in fast jedem Satz gilt als ein Markenzeichen. Fünf Bracelets konnte Scotty bis dato gewinnen. Dennoch hat er auch ein zweites Gesicht: nicht immer ist er der „nice-guy“, trinkt manchmal einen über den Durst und ist dann am Poker Tisch ein unangenehmer Zeitgenosse.

Scotty Nguyens Lebensgeschichte ließt sich wie ein Abenteuerroman der Kategorie „Huckleberry Finn und Tom Sawyer“. Als ältestes von 13 Kindern flüchtet er mit nur 11 Jahren vor den Wirren des Vietnam-Krieges nach Taiwan. Im Flüchtlingslager gestrandet, ermöglicht ihm eine Patenschaft die Ausreise in die USA. Seine erste Station war Chicago, doch das rauhe Klima machte Scotty zu schaffen und er beantragte eine neue Patenschaft. Diesmal hatte er Glück und kam nach Kalifornien. Nach der Schule führte ihn der Weg in die Wüste nach Las Vegas. Dort verdiente er sich die ersten Dollar beim Tische Putzen im Binion’s Horseshoe Casino, dem heutigen Harrah’s.

Seine Karriere verfolgte er im Casino Business weiter und wurde Dealer. Er dealte unter anderem auch an einigen Final Tables der WSOP. 1985 wagte er den Sprung auf die andere Seite und begann seinen Lebensunterhalt durch das Pokerspielen zu verdienen.

Dann gab es ein prägendes Ereignis für Scotty, es war der WSOP Main Event Sieg von Stu Ungar im Jahr 1997. Von da an wusste Scotty, dass auch er einmal „da oben stehen“ wollte. Das war sein Ziel, auf das arbeitete er versessen hin.

Nur ein Jahr später schaffte er es tatsächlich, die USD 10.000,- Startgeld zusammen zu kratzen. Am dritten Tag des Main Event 1998, saß Scotty Nguyen tatsächlich am Final Table – ein paar Stunden später im Heads-up gegen Kevin McBride. Ganz lässig soll Scotty bei der entscheidenden Hand gesagt haben: „Wenn du das callst, dann ist es vorbei, Baby.“ McBride bezahlte den All In Bet, aber sein Full House war kleiner als das von Scotty. Scotty hatte sich tatsächlich 1998 den Titel als WSOP Champion geholt und es sollte nicht sein letzter Sieg bei einem WSOP Event sein.

Seine Angewohnheit oft „Baby“ zu sagen, gilt heute schon fast als sein Markenzeichen. Insgesamt konnte sich Scotty fünf Bracelets holen.

Als passionierter Turnierspieler hat er aber nicht nur WSOP Titel. Auch bei der WPT konnte er schon mehrfach punkten und gewinnen. Sein größter Sieg bei der WPT war beim USD 10.000,- Championship Event in Tunica. Dennoch ist die WSOP sein stärkster Turnier Event. Er hat es bis dato als einziger Spieler der Geschichte geschafft sowohl Main Event als auch H.O.R.S.E Gewinner 2008 zu sein.

Kolportierte USD 10 Millionen soll Scotty allein bei Turnieren gewonnen haben. Neben allen Erfolgstories gibt es aber auch Negativmeldungen über Scotty Nguyen. So soll er manchmal betrunken am Tisch erscheinen und sich dann rüpelhaft benehmen. Vielleicht ist ihm der ganze Erfolg zu Kopf gestiegen? Hat er den Trubel um seine Person unterschätzt? Es ist ein anstrengender Job, wenn man in den Medien gefragt ist und von Termin zu Termin hetzt, um dann auch noch „daneben“ stundenlang Pokerturniere zu spielen.

Scotty Nguyen ist wie er ist, und das macht sein Genie auch aus – wo viel Sonne scheint, fällt auch Schatten. Als Teil der Poker Szene will man ihn nicht missen. Schließlich nennt er sich nicht zu unrecht „The Prince of Poker“. Mal sehen ob er auch heuer bei der WSOP wieder für Siege und Überraschungen gut ist.