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Siegfried & Roy – ein Magierduo eroberte die Show-Welt (Teil 4)

Siegfried & Roy hatten also nun nicht nur ihre eigene Show in Las Vegas. Nun hatten sie sogar ihr eigenes Theater. Hier – im „Siegfried & Roy-Theatre“ – hatten die beiden 1990 einige Monate nach der Eröffnung des „Mirage“-Hotels ihren ersten Auftritt. Was danach kam, kann man wohl ohne Übertreibung Showgeschichte nennen.

Durch ihre Touren und Shows der letzten Jahre, ja Jahrzehnte, rannten ihnen die Zuschauer quasi die Türen ein. Das machte es möglich, für die Show, die als eine Art mystisch-theatralische Rock-Oper konzipiert war, Ticketpreise zu nehmen, die bis zu diesem Zeitpunkt in Vegas undenkbar gewesen wären (über 60 US-Dollar pro Ticket).

In Anlehnung an die alte Tradition der Zirkusse und auch des Varietés, aber sicherlich nicht zuletzt auch wegen des Zuschauerandrangs und des finanziellen Aspektes, spielten Siegfried & Roy seitdem mehrere Shows am Tag. Die Wartelisten für ein Eintrittskarte waren bis zuletzt unglaublich lang.

Dennoch fanden sie zwischendurch auch mal Zeit nach Deutschland zurückzukehren. So zum Beispiel 1991, als sie anlässlich der 25-Jahres-Jubiläumsveranstaltung des „Phantasialand“ in Brühl, mit einer Auswahl ihrer Tricks auftraten. Zum Ende diesen Jahres folgten dann auch noch weitere Auszeichnungen für die Sammlung des Magierduos: sie bekamen den „Bambi“ für die beste Live-Show des Jahrzehnts, den „Liberace Legend Award“ und als Krönung des Ganzen bekamen die beiden in ihrem „Jungle Palace“ das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Der „Jungle Palace“ ist – wenn man es so nennen will – der private Tierpark von Siegfried & Roy. Den „Jungle“ haben sie sich etwas außerhalb von Las Vegas eingerichtet. Dort, ebenso wie auf ihrem Anwesen „Little Bavaria“ sollen vor allem die weißen Tiger und die weißen Löwen die Möglichkeit haben, fernab vom Großstadttrubel, Junge zu bekommen und so ihren Bestand zu sichern, für den Siegfried &Roy sich ja nun schon seit mehr als 20 Jahren engagieren. Für den Großteil der anderen Tiere eröffneten sie dann 1997 den „Secret Garden“.

Nachdem die beiden 1992 von der „Academy of Magical Arts“ als „Magier des Jahrzehnts“ ausgezeichnet wurden, trieben sie ihre Medienpräsenz weiter voran: in diesem Jahr veröffentlichten sie ihre Autobiographie „Siegfried & Roy – Meister der Illusion. Geschichte eines Welterfolges“. Ein Jahr später folgt eine Zeichentrick-Serie über das Duo, die den Namen ihres Programms trägt: „Siegfried & Roy – Masters of the Impossible“; aus den Anfangsbuchstaben im Titel entstand die Wortschöpfung „SARMOTI“, die unter Siegfried & Roy-Fans zum festen Wortschatz gehört. Hinter dem oft bombastisch anmutenden Programm standen natürlich weit mehr Leute als Siegfried & Roy alleine: zum Team gehörten unter anderem John Napier. Napier hatte vorher vor allem an einigen der größten Musical-Erfolge mitgearbeitet, dazu gehören „Cats“, „Les Miserables“, „Starlight Express“ und einige mehr. Außerdem war er Designer für einige Hollywood-Filme, wie beispielsweise „Hook“ von Steven Spielberg. Produzent des Spektakels war Kenneth Feld.

1994 stimmten Siegfried & Roy zu, an einem vernetzten Zuchtprogramm für weiße Löwen teilzunehmen. Im Rahmen dieses Programms überließ ihnen der Zoo in Johannesburg (Südafrika) 1995 zwei weiße Löwen – die ersten in den USA.
Der Zoo von Siegfried & Roy vergrößerte sich jedoch nicht nur durch die Zucht der weißen Tiger und Löwen. Im „Secret Garden“, der im „Mirage“-Hotel eingebettet ist, leben etliche verschiedenen Tierarten, von Delphinen über Elefanten bis zu Leoparden.

Aber Siegfried & Roy engagieren sich längst nicht nur für bedrohte Tierarten. Sie sind auch Paten einer Schule, die es angehenden Magiern und Zauberkünstlern ermöglicht, sich professionell ausbilden zu lassen. So geben sie Nachwuchstalenten, die Chance, sich den Traum zu erfüllen, den die beiden schon so lange leben; oder zumindest helfen sie dabei, den weg dorthin zu ebnen.
Das von Siegfried & Roy unterstützte „College of Magic“ wurde 1980 gegründet und befindet sich im südafrikanischen Kapstadt. Zur Zeit gibt es dort ungefähr 340 Zauberlehrlinge, die von rund zwei Dutzend Lehrern unterrichtet werden. In dem „College of Magic“ haben die angehenden Illusionisten die Möglichkeit, entweder vor Ort zu studieren, oder die magische Kunst in einer Art Fernlehrgang zu erlernen.

Da das College außergewöhnlich in seiner Art und in seiner gesellschaftlich-sozialen Rolle, vor allem in der Jugendarbeit, ist wird es von prominenter Seite unterstützt. Neben Siegfried & Roy, die auch ein Stipendium zur Verfügung stellten (den Siegfried & Roy Grant) gehört auch der „Nelson Mandela Children’s Fund“ zu den Unterstützern der Akademie. Das College ist eine „Non-Profit-Einrichtung“, daher ist auch der Besuch kostenlos und die Lehrer unterrichten ehrenamtlich. Unterrichtet werden in den verschiedenen Kursen, die auch in Xhosa, der meistgesprochenen südafrikanischen Sprache, abgehalten werden, Fächer wie Zauberei, Illusion, Jonglieren, Clownerie, Schauspiel, und einiges mehr. Da der Unterricht kostenlos ist, ist das Problem für zukünftige Artisten also nicht, Geld für die Schule an sich aufzubringen, sondern für den Weg dorthin. Um Studenten aus unterprivilegierten Gegenden, wie den Townships, trotzdem das Studium zu ermöglichen, wurde 1997 der „Siegfried & Roy SARMOTI Grant“ eingerichtet. Aus dem Topf werden die wöchentlichen Fahrten zum Unterricht finanziert, so dass die Studenten ihr künstlerisches Talent und ihre Träume verwirklichen können.

Außerdem unterstützten Siegfried & Roy humanitäre Projekte in Rumänien. Den Anstoß dazu gab Siegfrieds Schwester Margot, die schon in sehr jungen Jahren beschloss Nonne zu werden und im Namen der Nächstenliebe zu arbeiten. Als Schwester Dolore ging sie nach Rumänien, um dort Kinder zu unterrichten und sie zu betreuen. Dort arbeitete sie unter recht widrigen Umständen, da Rumänien ein sehr armes Land ist. Zeitweise war es zum Beispiel nicht problemlos möglich, ein Telefon zu finden, oder etwas über lange Strecken zu transportieren, da kein entsprechendes Auto zur Verfügung stand. Beeindruckt von Schwester Dolores Arbeit halfen Siegfried & Roy ihr, einen Wagen zu kaufen und veranstalteten, unter anderem in Rosenheim, Benefizveranstaltungen um ihr finanziell unter die Arme greifen zu können.

1998 wurden Siegfried & Roy, die nun schon seit acht Jahren höchst erfolgreich in ihrem eigenen Theater auftraten, in die „Las Vegas Gaming Hall of Fame“ aufgenommen – ein weiteres untrügliches Zeichen für ihren Status als Legende. Um sich auch auf der Leinwand ein Denkmal zu setzen, begannen Siegfried & Roy nun auch, die Produktion des 3-D-Streifens „The Magic Box“ vorzubereiten. Man hätte auch einen Film über die beiden auf „normalem“ Zelluloid und in 2-D drehen können, aber sie und auch ihr Team kamen zu der Überzeugung, dass die 3-D-Technik eher ihrer Show und ihren Illusionen gerecht werden könne. Der Film war eine Mischung aus Biographie und Ausschnitten ihrer legendären Show und wurde 1999 uraufgeführt. In diesem Jahr wurden die beiden nicht nur auf dem Hollywood Walk of Fame mit einem Stern verewigt, was ja nun wirklich nicht vielen deutschstämmigen oder überhaupt europäischen Künstlern vergönnt ist; sie wurden außerdem Teil des Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussaud, das 1999 seine Pforten in Vegas öffnete. „The Magic Box“ war nicht der einzige Filmauftritt von Siegfried & Roy. Sie hatten Gastauftritte in verschiedenen Produktionen für Kino und Fernsehen, wo sie aber keine anderen Rollen spielten, sondern immer sich selbst. Der bekannteste dieser Filme dürfte „Ocean’s Eleven“ sein. Diese Gangsterkomödie von 2001 – die hauptsächlich in den Casinos von Las Vegas spielt und in der George Clooney und Brad Pitt in den Hauptrollen zu sehen sind, zeigt einmal mehr, wie sehr das Magierduo mit Las Vegas und dem Image der Stadt verwurzelt ist.

Im Jahr 2000 wurden Siegfried & Roy endgültig zu ihrem eigenen Denkmal: die internationale Magiergilde verlieh ihnen den Titel „Magier des Jahrhunderts“. Getrübt wird die Freude dieses Jahres allerdings durch den Tod von Roys Mutter Johanna.
Trotzdem führen sie ihre Anstrengungen weiter, was den Erhalt der weißen Tiger und Löwen, aber auch was die Förderung des Show-Nachwuchses angeht: Siegfried & Roy beteiligen sich ab diesem Jahr als Paten und Partner an den Aktivitäten des 1995 gegründeten „Save the Tiger Fund“. Außerdem unterstützten sie einen Nachwuchsmagier, der gleichzeitig als Sänger auftritt, nämlich Darren Romeo.