Interview mit Michael Keiner, diesjähriger Weltmeister im USD 1.500 Seven Card Stud Event bei der WSOP 2007 in Las Vegas

[key:IC], Chefredakteur, Reinhold Schmitt: Auch dir nochmals persönliche Gratulation vom gesamten [key:IC] Team, zu deinem Weltmeistertitel in Las Vegas. Hat sich nach diesem Titel-Gewinn etwas in dir verändert?

Michael Keiner: Vielen, vielen Dank! Es hat sich in der Tat was verändert. Es kommt mir vor, als wenn endlich ein Knoten geplatzt sei und das war längst überfällig. Ich hatte in den letzten ein, zwei Jahren einfach kein Vertrauen mehr in das notwendige Quäntchen Glück. Jetzt gehe ich mit viel mehr Energie an den Tisch, was man auch ganz gut in Velden beim Main Event sehen konnte.

[key:IC], Schmitt: Wie beurteilst du im Nachhinein die WSOP 2007 in Las Vegas?

Keiner: Meine Kritik an Harrahs Geldmacherei und der miserablen Organisation hat nach wie vor Gültigkeit. Hinzu kommt, dass 7 Wochen in der Wüste im Hochsommer ganz schön an der Kondition nagen. Mein Wunschtraum: Die WSOP wieder im April und Mai, ein Organisationsteam wie bei der EPT rund um Turnierdirektor Thomas Kremser und ein gewisser prozentualer Rückfluss an Geldern aus Fernseh- und Werberechten in den Preisgeldtopf der Spieler, anstelle hier auch noch was weg zu nehmen. Was sich Harrahs hier erlaubt, ist eigentlich eine Unverschämtheit, die man in keinem anderen Sport findet. Muss die Firma unbedingt 80 bis 100 Millionen US$ Profit während der WSOP machen, wären 50 Millionen in 7 Wochen nicht auch genug? Aber trotzdem werde ich nächstes Jahr wieder hinfahren. Für einen Pokerprofi ist die WSOP eigentlich ein „Muss“.

[key:IC], Schmitt: Hätte nicht noch mehr drinnen liegen können wie der eine Titel. Vielleicht sogar zwei?

Keiner: Es ist meistens mehr möglich. Ich war noch bei zwei weiteren Events im Geld. Beim Omaha Hi/Lo habe ich in der Phase vor dem Finaltisch einen taktischen Spielfehler gemacht. Ich war zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich erheblich angeschlagen durch die Borreliose, die ich mir kurz vorher in Deutschland eingefangen hatte. Beim Potlimit Hold’em nahm ich bei 30 verbliebenen Spielern einen Coinflip bewusst in Kauf, der mich im Falle des Gewinnens bestimmt wieder an den Finaltisch gebracht hätte. Durch den Verlust des Pots war ich aber so short stacked, dass ich nur mit Glück wieder ins Spiel gekommen wäre. Solche Situationen sind bei großen Turnieren nicht zu vermeiden und ich würde mich erneut wieder so entscheiden. Beim Main Event hatte ich einfach nur ziemliches Pech am Abend von Tag 1 und schied aus dem Turnier aus, obwohl ich eine 92 Prozent Chance auf Spielgewinn hatte. Im Pot waren über 80.000 Chips, bei einem Durchschnitt von nicht einmal 30.000. Mit diesen Chips kann ich dann mein Powerpoker unter Vermeidung von Showdowns spielen. Aber Poker ist ein Marathonlauf und kein Sprint. Bei manchen Turnieren wirkt sich die Varianz zum entsprechenden Zeitpunkt günstig für dich aus, bei anderen eben nicht. Das ist die Natur des Spiels.

[key:IC], Schmitt: Was würdest du als Nationalkapitän Deutschlands einem Newcomer raten der zum ersten Male an einem solchen Event, wie der Weltmeisterschaft in Las Vegas teilnehmen möchte?

Keiner: Zunächst einmal sollte er Online beispielsweise bei free-888.com mit Spielgeld oder in kleinen Limits sein technisches Spielverständnis optimieren und perfektionieren. Danach würde ich mich in eines der zahlreichen Qualifikationsturniere setzen und versuchen, meinen Sitz in einem WSOP Event für kleines Geld zu gewinnen. Eine gehörige Portion an Live-Erfahrung ist ebenfalls unbedingt nötig. In Deutschland gibt es zahlreiche Anbieter von Sachpreisturnieren und selbstverständlich auch viele staatliche Spielbanken, die gute Pokerabteilungen haben. Auf jeden Fall sollte man auf der WSOP kein Geld riskieren, das man vielleicht anderswo im Leben braucht. Es darf finanziell einfach nicht weh tun, wenn man verliert.

[key:IC], Schmitt: Sind nun deine Wege gekennzeichnet wie bei vielen anderen Titelgewinnern die nun Fachbücher über das Poker herausbringen um dem anderen ihre Spielstärken zu zeigen Immerhin ist ja das Buch „Living on the Edge „ gerade erschienen.

Keiner: Das Buch hatte ich schon vor Beginn der WSOP fertig gestellt. Der Titelgewinn in Vegas war nur das Sahnehäubchen, weil ich mit ihm beweisen konnte, dass viele meiner Spekulationen aus dem Buch sich bewahrheitet hatten. Ich hielt mich in Vegas einfach an meine eigenen Lehrsätze und hatte Erfolg damit. Ein weiteres Buchprojekt ist bereits in Arbeit, dass ich zusammen mit Katja Thater, Sebastian Ruthenberg, Thomas Bihl und Stefan Kalhamer auf den Markt bringen werde. Jeder schreibt hier über seine persönlichen Stärken beim Pokerspiel, seinen eigenen Weg zum Erfolg. Mein Teil des Buches ist den psychologischen Aspekten des Spiels gewidmet. Damit hat es sich dann auch. Weitere Buchprojekte sind auf absehbare Zeit hin nicht geplant. Ich bin und bleibe Pokerspieler, nicht Autor.

[key:IC], Schmitt: Ging es dir in dem Buch darum auch deine private Seiten zu zeigen und auch dein Werdegang in der Pokerszene zu beschreiben?

Keiner: Das war natürlich eines meiner Hauptanliegen. Ich denke, dass ich einen recht ungewöhnlichen und interessanten Lebenslauf vorzuweisen habe, der aber trotz vieler Up’s and Downs insgesamt recht erfolgreich war. Deshalb habe ich meine „Lehrsätze“ zum Thema Poker in wahre Geschichten gepackt, nichts ist erfunden oder konstruiert. Das Leben ist immer noch der beste Lehrmeister. Gute Pokerbücher über Spieltechniken gibt es ja genug, ich wollte alle anderen Aspekte des Erfolges berücksichtigen und dem Leser näher bringen.

[key:IC], Schmitt: Du bist ja bereits ein Medienstar in der Pokerszene. Ob Fernsehen oder Printmedien ob Firmen wie 888.com, alle reisen sich nun um den „Doktor“ Wie gehst du damit um?

Keiner: In der Tat bekomme ich zurzeit viele Angebote, nach dem WSOP Sieg noch mehr als vorher. Manche Projekte sind absolut seriös und realistisch, andere wiederum unausgegoren oder nur auf das schnelle Geld aus. Mit Rebel Media habe ich einen ausgezeichneten Partner als Agentur gefunden, die diese Projekte vorab prüfen und mich bei der Realisierung von den Erfolgversprechenden unterstützen.

[key:IC], Schmitt: Zusätzlich hast du bei der WSOP 2007 einen Deal mit Animazing/Gamblerstore abgeschlossen. Um was ging es da?

Keiner: Noch während der WSOP rief mich Detlef Erhardt, der Geschäftsführer von Animazing an und erzählte mir von einem fantastischen Vorhaben. Er hatte die Merchandising Rechte an WSOP Produkten für Europa gekauft. Ob WSOP Chips, Spielkarten oder Tische, alles wird jetzt durch seine Firma für Europa hergestellt und vertrieben. Er bot mir an, als sein Testimonial bzw. Werbepartner zu fungieren. Ich kenne Herrn Erhardt schon seit etwas längerer Zeit und bin sowohl von seinen menschlichen, als auch von seinen geschäftlichen Fähigkeiten hundertprozentig überzeugt. Er hat mir niemals ein Projekt angeboten, welches auch nur im Ansatz einen schlechten Nachgeschmack hinterließ. Ich brauchte keine Minute des Überlegens, um ihm meine Mitarbeit fix zuzusagen.

[key:IC], Schmitt: Hast du überhaupt noch ein Privatleben und kannst das vom Pokern trennen? Ist der Michael noch der Michael wie wir ihn von früher kennen oder nur noch der „Star“?

Keiner: Klar habe ich auch noch ein Privatleben, insbesondere, wenn ich zuhause im Taunus in meinen eigenen vier Wänden bin. Ich liebe mein Haus, das mitten im Wald liegt, hier finde ich optimale Erholung. Natürlich hat die ganze Publicity auch seine Schattenseiten. Speziell, wenn ich abends manchmal privat ausgehe, fühle ich mich mitunter etwas unter „Beobachtung“. Fans kommen dann im Restaurant an meinen Tisch und fragen nach einem gemeinsamen Foto oder Autogramm, wollen über Poker klönen. Aber ich bin Profi genug, dass ich auch hier freundlich und aufmerksam auf die Leute eingehe, selbst wenn sich das Ganze in der fünfzehn Minuten dauernden Turnierpause abspielt, wo ich mich eigentlich auf die vor mir liegende Aufgabe im jeweiligen Turnier konzentrieren muss. Was mich besonders freut: Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Fans riesig nett und begegnen mir mit einer positiven Grundeinstellung, die mir Energie gibt und nicht wegnimmt. Ich denke, dass ich mich im Verhältnis zu „früher“ kaum verändert habe. Vielleicht bin ich ein wenig gelassener geworden und jammere nicht mehr soviel herum, wenn irgendetwas gründlich schief läuft.

[key:IC], Schmitt: Wie sehen deine nächsten Ziele für die Zukunft aus. Gibt es noch mehr Überraschungen zu erwarten?

Keiner: In erster Linie will ich Poker spielen, hochkarätige internationale Turniere. Ich werde bei einigen EPT Events auftreten, habe Einladungen für ein paar Fernsehturniere in England. Vielleicht trete ich auch bei der WSOP Europe in Erscheinung. Daneben wird man mich auch weiterhin bei den „klassischen“ Festivals in Wien, Amsterdam, Bregenz, Schenefeld und Barcelona antreffen. Leider habe ich einfach nicht mehr die Zeit, um regelmäßig in meinen alten Stammpartien in Wiesbaden oder Bad Homburg zu spielen. Aber drei- bis viermal im Jahr komme ich auch dort noch gerne hin.
Neben dem Pokern will ich in den kommenden Monaten meine Tätigkeit als Moderator und Kommentator von TV-Sendungen verstärken. Auf diesem Gebiet gibt es für mich sicher noch viel Verbesserungspotential und ich bemühe mich nach Kräften, dort dazu zu lernen.

[key:IC], Schmitt: Persönlich will ich dir auch danken, dass du seit Jahren für unser Portal der [key:IC] regelmäßig Berichte oder News aus der ganzen Pokerszene schreibst. Wird die „Schreiberei“ dir manchmal nicht zuviel?

Keiner: Lieber Reinhold, Du weißt, dass ich immer gerne für [key:IC] geschrieben habe. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Allerdings werde ich meine journalistische Tätigkeit vor allem im Printmedienbereich etwas einschränken müssen. In der Tat wurde es während der vergangenen Monate manchmal einfach zuviel. Ich hatte dann schreibtechnisch zeitweise einen regelrechten „Burn Out“, was sich auch negativ auf die Qualität der Artikel auswirkte. Da muss ich einfach die Schraube zurück drehen.

[key:IC], Schmitt: Vielen Dank für das Gespräch, Michael

Keiner: Es war mir ein Vergnügen! Ich bin momentan für 5 Tage in Kroatien direkt am Mittelmeer, wo ich nach dem langen Turniermarathon der letzten Monate meine Batterien wieder etwas aufladen will. Beste Grüße an all Eure Leser!.

World Series of Poker 2007