Interview in Las Vegas bei der WSOP 2007 mit Katja Thater, Weltmeisterin im 7-Card Razz

[key:IC] war bei der WSOP 2007 in Las Vegas vor Ort. Dort hatte sie Gelegenheit mit Pokerstars, Gewinnern und Verlierern zu sprechen. Auch Katja Thater, Weltmeisterin im 7-Card Razz stellte sich unseren Fragen und gab uns darauf ehrliche und offene Antworten. Wichtig dabei war der [key:IC] bei den Interviews der Pokerstars nicht die Huldigung der Stars zu dokumentieren, sondern vielmehr Ihre Meinungen zu der WSOP 2007 in Las Vegas, Tipps für Newcomer, persönliche Einschätzungen von sich selber und anderen, ihren Gefühlen sowie die Beschreibung ihres Gewinnens oder Verlieren, den Lesern auf zu zeigen.

[key:IC], Chefredakteur, Reinhold Schmitt: Katja, erst nochmals herzlichen Glückwunsch zu Deinem Weltmeistertitel im 7-Card Razz. Wie fühlt man sich nun als Bracelet-Gewinnerin?

Katja Thater: Vielen herzlichen Dank, Reinhold.

Dieses Turnier zu gewinnen war schon klasse. Ich habe mich im zeitlich längsten Turnier der WSOP (mit Ausnahme des Main Events) gegen ein Feld voller Profis durchsetzten können und das ganze wurde mit einem Weltmeistertitel und einem netten Preisgeld belohnt. Ich freue mich sehr. Nach meinem Finaltisch beim Ladies Event, wo ich am Ende 5. unter knapp 1.400 Ladies wurde und mit meiner Leistung am Ende nicht komplett zufrieden war hatte ich mir fest vorgenommen, es hier besser zu machen und, man mag es glauben oder nicht, bereits seit dem ersten Spieltag zu Jan leise gesagt „Ich gewinne dieses Turnier!“.

Nach diesem ersten Finaltisch bei dem Ladies Event, beschäftigte mich nur eines: Nicht zuerst das Geld zählen oder möglichst viele Freudensprünge über einen sicherlich tollen Erfolg machen, sondern: Wie zum Teufel konnte ich ausscheiden? Was waren die Fehler? Was muss ich das nächste Mal besser machen?

Ich analysiere. Ich reflektiere. Möglichst mit klarem Kopf und ohne Emotionen.

Das klappt natürlich auch nicht immer perfekt, denn eigentlich bin ich ein sehr gefühlsbetonter Mensch, der im Privatleben und ohne Pokerkarten in der Hand ein sehr weites Herz hat. Ich unterscheide eben die Situationen sehr genau und bin in der Lage diese absolut zu trennen. Am Pokertisch macht es mir nichts aus Menschen herum zu schubsen, im Privatleben kann ich, sofort und ganz ohne Vorbehalte, mein letztes Hemd teilen. Was auch schon wahrlich das eine oder andere Mal vorgekommen ist…

Also, der Weltmeistertitel ist klasse, das Geld auch. Über das Bracelet kann man sich streiten. Einen symbolischen Wert hat es sicherlich bei mir, tragen werde ich es eher selten. Michael Keiner teilte mir mit, dass er den Sinn des Bracelets nun gefunden hat: Man kommt an der Security des Amazon-Rooms vorbei, sobald man sowas am Handgelenk hat. Na bitte, wenn das mal nix ist.

[key:IC], Schmitt: Hat sich nach Deinem Titelgewinn etwas bei Dir verändert, privat sowie im Pokerbereich?

Thater: Ich wache morgens noch genauso auf wie vor 3 Wochen: Meistens fröhlich und mit vollem Terminkalender. Und bevor ich nicht mindestens 3 Kaffee intus habe weigert sich mein Gehirn zu arbeiten. Da hat sich mal nichts geändert.

Allerdings haben mir meine Eltern nun die Absolution im Bereich Poker erteilt. Sie stehen oder standen meinem Beruf immer etwas kritisch gegenüber. Ich bin sehr konservativ erzogen worden mit Ballettunterricht, Privatinternat und klassischer Musikförderung. Die hatten sich natürlich was anders gedacht als letztendlich eine Pokerspielerin großzuziehen. Die erste Reaktion meines Vater war:“Gib nicht alles Geld auf einmal aus.“ Aber ich glaube, dass sind ganz typische Reaktionen. Ich mache ja das Gleiche mit meinen Stiefkindern. Irgendwie kann man wohl nicht aus seiner Haut.

Im Pokerbereich gibt es auch keine wesentlichen Veränderungen. Die Medienanfragen sind gleichbleibend hoch und die Spieler, die mich eh schon kannten oder mit mir zu tun haben, wissen ja was los ist. Die Freude war sehr groß, aber die Überraschung hielt sich eher in Grenzen. Ich wäre auch nicht sonderlich überrascht gewesen, wenn Andreas Krause, mein Mann oder Toni Vandjavand ein Turnier gewonnen hätten. Wir haben noch ein paar Wochen vorher in Hamburg beim Cashgame gewitzelt, dass die Deutschen das eine oder andere Ding schon reißen werden. Und man muss sagen, dass ein, im Verhältnis so kleines Land, so viele gute Pokerspieler hervorbringt, ist gewaltig. Da können wir uns alle ein bisschen auf die Schulter klopfen.

[key:IC], Schmitt: Du spielst für PokerStars. Wie ist das so mit denen und wie haben die reagiert nach Deinem Sieg?

Thater: Na ja, die waren natürlich mega happy. So ein Weltmeistertitel nützt ja allen was. Als ich kurz nach der Verleihung über den Flur ging, kam ich an Daniel Negrenau und Humberto Brenes vorbei. Daniel schaut auf mein Handgelenk und grinst:“Nee, nä? Kommt da der beste Razz-Spieler der Welt?!“ Humberto schmatzt mich ab, aber das macht er eigentlich immer, egal ob mit oder ohne Bracelet. Fast alle vom Team haben sich sehr gefreut und finden das cool. Nur John Duthie feixte in seinen britischen Humor ein wenig rum, dass Isabelle Mercier jetzt wohl ein Problem hätte…. Ich glaube, ich bin die erste vom Team PokerStars, die vor ihrem ersten großen Erfolg eingekauft wurde, alle anderen erst nach bereits gewonnenen Titeln.

Es ist auch nicht so ganz leicht mit Vorschusslorbeeren zu hantieren und dann unter der allgemeinen großen Erwartungshaltung weiterhin gut und locker Poker zu spielen. Viele werden ja schon nervös, wenn nur ein paar Freunde zuschauen oder eine Kamera in der Nähe ist. Mir dagegen schaut ständig die halbe Pokerwelt über die Schulter.

PokerStars hat mir aber immer vertraut und ich bin sehr froh bei der Firma unterschrieben zu haben. Es gab und gibt auch einen simplen Grund für mich: Ich muss nie lügen. Weder in Interviews, noch bei Fragen die mir Leute privat stellen. PokerStars ist einfach meine Lieblingsseite und hat ein ganz hervorragendes Team. Man denke nur an die Poker Carribean Adventure oder die EPT. Wer stellt so was auf die Beine? Und wo wird man so gut betreut? Nirgends. Kein anderer Online Anbieter ist so bemüht, dass es seinen Kunden gut geht. Selbst beim Support spricht man mit echten Pokerspielern und nicht mit einem indischen Callcenter.

[key:IC], Schmitt: Dein Mann Jan ist ja auch ein bekannter und hervorragender Pokerspieler. Du aber nun die Weltmeisterin. Entsteht da nicht zwangsläufig Konkurrenzdenken?

Thater: Überhaupt nicht. Jan und ich sind ein Team, wir sind eins. Ob er nun Weltmeister ist oder ich, das ist der Ergebnis beider.

Poker wird von Laien oft nur Ergebnisorientiert mit dem Finger auf der Liste gesehen. Gute Spielzüge oder tolle Moves werden kaum beachtet, weil oft auch nicht verstanden. Sie hat ein Bracelet gewonnen? Toll. Sie scheidet aus einem Turnier aus? Buh. Wie albern und kurzsichtig. Das Pokerspiel ist sehr komplex, dass einzelne Turnierergebnis oder das einzelne Abschneiden wird oft überbewertet. Wie oft kommt es vor, dass ein unbekannter Spieler ein großes NLHE Turnier gewinnt? Oft sogar. Danach hört man nie wieder etwas von ihm. Gerade beim Turnierpoker ist es wichtig auf die Zwischenergebnisse und auf die Konstanz zu blicken.
Wir beide denken nicht Konkurrenz-orientiert sondern gemeinschaftlich Gewinn-orientiert. So wie das ein echtes Team im Leben auch tun sollte.

Wenn ich Jan als Zuschauer in einem Turnier beobachte ist es für mich schlimmer als selber zu spielen. Ich bin sehr viel aufgeregter und drücke meine Daumen oft so fest bis sie blau werden. Wir sind keine Konkurrenten, wir gehen immer gemeinsam. Ob nun durch dicke Suppe oder durch ganz dünne.

[key:IC], Schmitt: Oft spielt ihr, zumindest in Las Vegas, dieselben Turniere. Helft Ihr Euch gegenseitig und was würde passieren wenn Ihr am selben Tisch spielt?

Thater: Da kann ich Dir die eine oder andere schöne Geschichte erzählen. Im April dieses Jahres, bei dem Finale der EPT in Monte Carlo, wurden wir ausversehen an denselben Tisch gelost. Das muss man sich mal vorstellen! Es gab etwa 700 Spieler und die Plätze wurden im Zufalls-Verfahren vergeben. Wir haben das erst so richtig gemerkt, als das Turnier losging. Ich sagte noch zu Jan als das Turnier begann:“Was machst Du denn an noch meinem Tisch, geh mal los und such Dir Deinen eigenen.“

Es war aber auch leider sein Tisch. Wir schauten uns ungläubig an, genauso die vielen Bekannten, die an uns vorbeikamen: „Wie habt Ihr DAS denn hingekriegt?“. Alle schüttelten den Kopf und haben sich vor Lachen gebogen.

Gott sei Dank hatte ich Position auf ihn. Er ist ein starker Spieler und daher mag ich es gar nicht, ihn zu meiner Linken zu wissen. Allerdings waren die Plätze so gelagert, dass er auf dem Button saß, wenn ich im Big Blind war. Nachdem er sich x-mal meinen Blind geschnappt hatte und ich nichts dagegen unternehmen konnte, habe ich ihm zur Belustigung der anderen Mitspieler angedroht, dass er die nächsten Nächte auf dem Fußboden schlafen darf. Geholfen hat es nichts. Er lässt sich halt nur schwer einschüchtern und drohen kann man ihm schon gar nicht…

Kurz darauf passierte in Las Vegas das gleiche. Wir stiegen aus dem Taxi und machten uns in den Amazon-Room zum bevorstehenden Turnier auf. Auf dem Flur verabschieden wir uns und wünschen uns viel Erfolg und treffen an einen Tisch zusammen, auch noch nebeneinander! Diesmal waren es fast 1.000 Spieler und die Wahrscheinlichkeit lag unterhalb der Promille-Grenze, dass sowas passiert. Das muss einfach Liebe sein, eine andere Erklärung gibt es nicht…

Wir haben die Mitspieler und den Dealer sofort darüber informiert, dass wir zusammengehören. Ich finde, das gehört sich auch so. Andernfalls gerät man unter den Verdacht der Collusion, was unter Pokerspielern eine Todsünde ist.

Wenn wir an unterschiedlichen Tischen sitzen, aber in Sprech- oder Sehweite sind „besuchen“ wir uns. Wir sind immer daran interessiert was der andere gerade macht, wie es ihm geht und oft werden noch schnell Bad-Beat-Stories und Strategie-Tipps ausgetauscht. Das gibt einem oft auch das Gefühl von Geborgenheit, die mir persönlich sehr wichtig ist, in dem großen Turniertrubel. Jan ist mein Pol.

[key:IC], Schmitt: Wie ist Deine Meinung dieses Jahr zur WSOP 2007? Man spricht von Chaos, Durcheinander und vielen Fehlern.

Thater: Erstmal Hut ab für Harrah’s, die so eine Veranstaltung auf die Beine stellen. Ich habe Event-Marketing gemacht und weiß, wovon ich spreche. Durcheinander hin oder her. So ein Mega-Event geht nie ohne ein wenig Chaos über die Bühne. Angefangen von der Organisation beim Registrieren bis hin zum Cashout-Procedere. Zu viele Spieler, zu viele Turniere, zu viel Papierkram, zu viel Presse. Mir persönlich war oder ist das ein wenig zu overloaded. Die WSOP ist mir zu kommerziell geworden. Ich hatte schon mal darüber geschrieben, dass ich eigentlich dem guten alten Binion´s Horseshoe nachtrauere. Jan hingegen meint, dass mein Blick rückwirkend doch etwas verklärt scheint. Kann sein. Ich habe ihn das erste Mal 1999 zur WSOP begleitet, allerdings jahrelang dort nur Side Games gespielt. Ich kenne oder kannte die Action also ein wenig und kann durchaus vergleichen.

Was mich an Harrah´s stört, ist, dass sie auf Kosten der Spieler Profit machen und uns keinen Ausgleich dafür bieten. Wir sind zwar Pokerspieler und an komische Umstände gewöhnt, aber was sich da teilweise von der Casinoseite aus erlaubt wurde, ging echt zu weit.

Bei meinem ersten Finaltisch wurden wir Finalisten in einen dunklen, abgesperrten Raum eingepfercht. Sprechverbot, Handyabgabe, keine Zuschauer erwünscht und nur mit Security zur Toilette. Alles nur, weil Harrah’s die Übertragung ins Internet verkaufen möchte. Vorher keine Information darüber, keinen Ausgleich an die Spieler. Ganz im Gegenteil. Im Dinnerbreak wieder alles nur unter Polizeiaufsicht, kaltes Essen und miese Behandlung. Man muss wissen, dass Harrah´s einen großen Teil Fee aus dem Preispool nimmt und Unsummen nicht an die Spieler ausgeschüttet werden. Dafür verlangt man doch bitte eine anständige Behandlung.

[key:IC], Schmitt: Kannst Du für Dich selber ein Resumé für die WSOP 2007 ziehen?

Thater: Für mich persönlich ist die WSOP 2007 gut gelaufen. Ich habe von 7 gespielten Turnieren 2 Finaltische erreicht, einen Cash im Pot Limit Holdem gemacht und schlussendlich als erste Frau seit 3 Jahren einen Open Event gewonnen. Letztes Jahr war es nicht viel anders, nur ein anders Endergebnis. Ich bin in 5 von 7 gespielten Turnieren sehr weit nach vorne gekommen und habe auch 2 x gecashed. Im 7-card-Stud verliere ich Rolled-up in einer wichtigen Phase als es nur noch 3 Tische waren. Gewinne ich diese Hand, wer weiß was passiert wäre. Nicht so unwahrscheinlich, dass wir dieses Interview eventuell früher geführt hätten.

Lieber Reinhold, Du erkennst schon, worauf ich hinaus möchte. Es kommt nicht darauf an, dass man in 2007 gewinnt und ein großes Renommee daraus zieht, sondern, dass man in der Regel richtig spielt und möglichst wenig Fehler macht. Das Endergebnis ist dann pokertechnisch nur noch Nebensache, bei einer ausreichenden Menge an guten Entscheidungen kommt Geld und Erfolg dann von alleine. Das Geld und der Weltmeistertitel: Nice to have. Das ist ein kleiner Ausgleich zu den vielen Beats, die man bis dahin eingesteckt hat. Für mich ist die WSOP genauso wichtig wie die EPT oder andere große Turniere. Sie ist halt im Ganzen aufgrund ihrer Dauer und Intensität sehr anstrengend. Ich hoffe, dass ich 2008 wieder hier sein werde und mein Spiel von Jahr zu Jahr verbessern kann.

[key:IC], Schmitt: Was sind Deine nächsten Ziele?

Thater: Das ist bei mir ganz einfach: Der Weg ist das Ziel. Ich habe keine bestimmten Eckpfeiler, die ich unbedingt rammen muss. Sicherlich gibt es einige Wünsche, die ich habe. Ich möchte z.B. weiterhin mit Pokern meinen Lebensunterhalt verdienen können. Es ist mein Wunschberuf und ich bin froh nicht jeden Tag einer verhassten Beschäftigung nachgehen zu müssen, wie es viele tun müssen. Das wäre ein Alptraum. Mein Leben mit –in meinen Augen- Freudlosem zu verbringen. Die eigene Zeit nutzlos dahinfließen zu sehen und gefangen zu sein in unpassende Umstände, die unabänderlich scheinen. Da habe versucht, ich mich nie zwingen zu lassen. Ich habe meine Zeit immer -für mich- sinnvoll verbracht. Sicherlich muss man manchmal Dinge tun, die einem nicht so schmecken, aber wenn sie dem eigenen Weg dienen arrangiere ich mich damit. Auf diesem Weg liegt auch ganz sicher, dass ich zur gegebenen Zeit die Pferde wieder verstärkt einbaue. Ich merke, wie sehr mir das fehlt und wie sehr ich bestimmte Kosmen vermisse. Ich bin so flexibel und habe so viele unterschiedliche Bedürfnisse, dass es nicht leicht ist, alle zu vereinbaren. Einerseits liebe ich das Poker-Zigeunerleben mit all seinen Dingen aber andererseits liebe ich es auch, in eine Pferdedecke gehüllt, in der Reithalle zu sitzen und Pirouetten zu kommentieren. Wir werden sehen, in wie weit ich den Spagat weiterhin meistern kann.

[key:IC], Schmitt: Könntest Du für alle Newcomer, die an einem solchen Turnier teilnehmen, einen Tipp geben?

Thater: Einen? Der wird nicht ausreichen um ordentlich durch solche Turniere zu kommen. Dafür ist Poker einfach zu komplex. Ich bin weit davon entfernt anderen Leuten wirksame Tipps geben zu können. Ich spiele erst seit 15 Monaten die großen Turniere, bis heute 6 EPT´s und jetzt insgesamt 14 WSOP-Events (2006/ 2007). Meine Turniererfahrungen sind da, im Gegensatz wie z.B. die von Teamkollege Greg Raymer, eher bescheiden. Ich probiere mich ja noch aus und sammele erst gerade meine Erfahrungen. Summa summarum habe ich meine ersten Monate Turnierpoker sehr gut absolviert. Es sind die schwersten und größten Turniere der Welt und wenn man sagen kann “Ich habe das gut und erfolgreich hinbekommen“ ist das schon toll. Ich spiele ja auch die unterschiedlichsten Varianten, also nicht nur NLHE und habe in fast allen Disziplinen mindestens einen „Cash“ oder Finaltisch hingekriegt. Nur Omaha fehlt mir noch…

Natürlich kommen mir meine jahrelange Cashgame-Erfahrung sehr zu Gute. Die „Trainingsrunden“ in den hohen Pot Limit Partien sind ja nicht so ganz ohne…? Ich hole mir selber Tipps von den anderen Pros, wir tauschen uns aus und analysieren auch viel. Manchmal kommt es vor, dass man stundenlang über einen einzigen Spielzug diskutiert. Meine einzige Weisheit, die ich jetzt weitergeben kann, ist: Man muss ständig an sich arbeiten und auch in der Lage sein, seine Schwächen zu erkennen und diese dann möglichst ausbessern. Poker ist ein Spiel der Erfahrung und die erlangt man nur durch kontinuierliches Spielen. Das fällt einem leider nicht in den Schoß und kommt auch nicht von ungefähr.

[key:IC], Schmitt: Katja, worin liegen Deine Stärken und Schwächen beim Pokern?

Thater: Also meine Hauptstärken sind Geduld und Ausdauer, gepaart mit einer gewissen Grundagressivät. Mich bringt dabei so schnell nichts aus der Ruhe. Zudem beherrsche ich viele unterschiedliche Varianten und muss mich nicht nur an NLHE klammern. Ich kann ausgesprochen aggressiv sein, aber auch lautlos und zurückgezogen am Tisch. Das hängt von den Gegnern ab und ich kann meine Taktik meistens gut darauf einstellen. Für ein mitgegebenes Attribut der Weiblichkeit bin ich sehr dankbar: Sensibilität. Ich kann oft in den Menschen gegenüber hineinhorchen und förmlich fühlen was in ihm vorgeht.

Meine Schwäche ist sicherlich ein Mangel an Risikobereitschaft. Ich „zocke“ nicht so gerne. Weder privat noch am Pokertisch. Ich beteilige mich sehr selten an irgendwelchen Sidebets und spiele auch nicht Schnick-Schnack-Schuck um $$$. Viele meinen, dass ein gewisses Potenzial zu Gambeln notwendig ist, um bei Pokerturnieren ganz vorne mit dabei zu sein. Berühmte und erfolgreiche Beispiele gibt es genug. Ob es nun TJ Cloutier, Ram Vasvani oder Gus Hansen sind. Alles Zocker und großartige Pokerspieler und sehr erfolgreich in Turnieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Meine Risikobereitschaft ist nicht sehr ausgeprägt. Das ist sicherlich gerade im NLHE eine Baustelle. Man merkt halt noch ganz deutlich, dass ich vom Cashgame komme. Dort ist, im Gegensatz zum Turnierpoker, kaum jemand bereit auf eine 50%-Chance all sein Geld reinzuschieben. Eine weitere Schwäche von mir ist, dass ich mir ab und zu nicht genug zutraue. Ich gebe anderen oftmals zu viel Kredit. Ich kann mir einfach manchmal nicht vorstellen, dass die ihr Geld oder ihr Turnierleben mit dummen Moves aufs Spiel setzen wollen. Also noch eine Baustelle, an der ich arbeiten muss.

Aber das ist ja das Schöne am Pokern: Man kann sich verbessern, wenn man nur will.

[key:IC], Schmitt: Die letzte Frage: Was macht Katja nun nach diesem Erfolg privat? Feiern, Feste oder zur Ruhe setzen?

Thater: Schön wärs. Ich bin sehr weit davon entfernt mich zu Ruhe zu setzen. Ich hab ja grad erst angefangen. Poker kann man ja spielen bis man vor Altersschwäche vom Stuhl kippt. Jan und ich witzeln manchmal, wenn wir wieder hier in Vegas ein Mütterchen sehen, die ihren Alten an den Pokertisch rollt. So werden wir das dann auch machen. Wer wen schiebt ist allerdings noch nicht geklärt.

Bis dahin bin ich, neben dem eigentlichen Spielen, mit Poker-Projekten der unterschiedlichsten Art beschäftigt. Ich sitze z.B. gerade gemeinsam mit 4 anderen Pokerspielern an einem Buch; habe jede Menge, nicht zu unterschätzende Medien-Arbeit zu leisten und IntelliPoker hat meine Arbeitskraft um nur einiges zu nennen. In mein Leben ist oder war es noch nie langweilig, ganz im Gegenteil. Ich arbeite immer und ständig an 1000 Ecken und bin gerade zur Abwechslung echt mal ein wenig urlaubsreif.

Ende Juli, wenn ich wieder in Deutschland bin (ich muss nach Las Vegas noch 1 Woche nach Kanada um Werbespots für PokerStars zu drehen) würde ich mich gerne mal wieder ausgiebig um meine Pferde kümmern. Leider stagniert zurzeit bei einem ganz speziellen Pferd die Ausbildung. Das wartet irgendwie speziell auf mich und will sich anscheinend nicht mit der 2. Besetzung zufriedengeben. Dabei macht meine Vertretung einen ganz tollen Job. Es ist so talentiert und es wäre schade, wenn ich keine Zeit und Arbeitskraft reinstecken würde. Aber gerade von diesen beiden Sachen habe ich momentan einfach zu wenig.
Mal sehen wie ich das Problem löse.

Aber es gibt ja eigentlich keine „Probleme“. Nur Ereignisse und deren Maßnahmen.

[key:IC], Schmitt: Danke für das Gespräch.

Thater: Bitte, gerne.

World Series of Poker 2007