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Spieler verklagt Casinos auf Millionen

Mit Schmiergeld will sich ein gesperrter Rouletteprofi wieder Zutritt in die Spielhallen der Casinos Austria AG (CASAG) verschafft haben. Wie der KURIER erfuhr, hat der Mann jetzt eine spektakuläre Klage gegen den Monopolbetrieb eingebracht. Eine Million Euro habe er verloren und die will er von der CASAG wieder zurück. Die Casino-Manager bestreiten die Vorwürfe.
Für den 40-jährigen türkischen Unternehmer Hüseyn Koysüren, der in Wien eine 40 Auto umfassende Taxiflotte betreibt, ist das Roulettespiel die größte Leidenschaft – die zur Sucht mutierte. Sein bevorzugter Einsatz: 7000 Euro auf Zahl. Wegen finanzieller Turbulenzen wurde Koysüren 2005 von der CASAG vom Spiel ausgeschlossen.

120.000 Euro Bestechungsgeld

Das suchtgesteuerte Verlangen nach dem Roulette-Nervenkitzel trieb den Unternehmer in die Rechtsanwaltskanzlei von Johann Kral. Der erwirkte eine Ausnahme von der Sperre.
Koysüren durfte einen Tag pro Monat wieder auf Zahl setzen. Daraus wurden 15 bis 20 Casinobesuche. Im Dezember 2005 ließ sich der Unternehmer auf eigenen Wunsch sperren.
Jetzt behauptet er im KURIER-Gespräch, dass er sich danach mit insgesamt 120.000 Euro Bestechungsgeld den Eintritt erschlichen habe: „Ich bekam meine Sucht nicht in den Griff. Mit 1000 bis 3000 Euro, die ich beim Entrée bezahlt habe, konnte ich ungehindert ins Casino gehen.“

Rechtsanwalt als Augenzeuge

Bestätigt werden die Vorwürfe von seinem Rechtsanwalt. Auch der hatte dem Schmiergeldvorwurf vorerst keinen Glauben geschenkt. Kral: „Ich bin dann mit meinem Mandanten ins Casino Wien in der Kärntner Straße gegangen. Dort wurde ich Zeuge, wie Koysüren 1000 Euro am Eingang übergab und unbehelligt in die Spielhalle vorgelassen wurde.“

Existenzkrise

Der Taxiunternehmer sei danach in eine Existenzkrise gestürzt. Eine Million Euro will Koysüren verloren haben. Geld, das er von der CASAG wieder zurück haben will. Aus diesem Grund hat sein Rechtsanwalt das Unternehmen auf Schadenersatz geklagt. Zwei Verhandlungen standen bereits auf der Tagesordnung, das Urteil lässt noch auf sich warten.

Haltlose Vorwürfe

Für das Casino-Management sind die Anschuldigungen aus der Luft gegriffen. Herbert Beck von der Abteilung für Gästeangelegenheiten hält den Schmiergeldvorwurf für absurd: „Derart obskure und ungeheuerliche Unterstellungen tauchen alle paar Jahr einmal auf. Die Casino-Entrées sind videoüberwacht. Jeder Handgriff ist nachvollziehbar. Kein Mitarbeiter wäre so ungeschickt, dort Geld einzustecken.“
Zudem, so der leitende Casino-Mitarbeiter, gebe es bei den Angestellten immer wieder Taschenkontrollen: „Niemand darf Bargeld bei sich haben. Aus diesem Grund schließe ich völlig aus, dass ein Mitarbeiter von einem Kunden auch nur einen Cent eingesteckt hat.“
Dass Koysürens Anwalt Augenzeuge eines solchen Deals gewesen sein soll, will Beck nicht kommentieren: „Das werden die Gerichte klären.“