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Im Casino Baden arbeitet der erste weibliche Croupier

Viele Jahrzehnte lang war der Beruf des Croupiers für Frauen tabu. Ausschließlich Männer durften sich in Österreich um die gefragten Jobs bewerben. Veränderungen in der Gesetzeslage machten nun jedoch geschlechtsneutrale Ausschreibungen notwendig. Was lange Zeit niemand für möglich gehalten hätte, ist seit kurzem Realität. Wie international schon lange üblich, beweisen weibliche Croupiers nun auch in österreichischen Casinos ihr Geschick.

Das Glücksspiel in Casinos hat in Österreich schon lange Tradition. Schon 1934 fand in Baden der erste Croupierkurs statt. Belgische Casinobetreiber leiteten damals den Unterricht. Im Zuge der Kriegswirren wurde das Casino wieder geschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg waren die russischen Besatzer in den Räumlichkeiten des Kongresshauses untergebracht. Am 17. März 1967 fand dann die Gründerversammlung der Österreichischen Spielbanken AG statt. Die Ausgangssituation war alles andere als rosig: die alte Casinogesellschaft, die sich vor allem durch dubiose Machenschaften einen Ruf gemacht hatte, besaß Räumlichkeiten aber keine Konzession mehr. Die Casino AG hatte eine Konzession – aber keine Räumlichkeiten.

Dr. Leo Wallner wurde beauftragt, Alternativen zu suchen, und fuhr mit seinem Volkswagen von Casinoort zu Casinoort auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. So kamen die Casinostandorte Kurhaus Baden, Hotel Goldener Greif in Kitzbühel und noch viele andere hinzu. Auch geeignete Mitarbeiter wurden benötigt, Spielgeräte mussten organisiert und eingekauft werden. Erst elf Tage vor Betriebsbeginn kamen die ersten Spieltische per Zug aus Frankreich. Mit der Betriebsaufnahme stellte sich die Frage, wer denn die Geschäfte der neuen Casinogruppe führen sollte. Die Wahl fiel auf den jungen Betriebsberater und Absolventen der Hochschule für Welthandel, Leo Wallner, der bereits intensiv am Firmenaufbau mitgearbeitet hatte. Wallner sagte schließlich zu, obwohl er die Risken kannte und seine Lebensplanung eher im Bereich seiner damaligen Konsulententätigkeit bei Bundeskanzler Dr. Josef Klaus sah. Nach der Entscheidung kam es zu einem Gespräch mit dem damaligen Bundeskanzler. Der strenggläubige Katholik Klaus hatte mit „Spielstätten“ nicht viel im Sinn. Noch heute bezeichnet Leo Wallner diese einstündige Aussprache als „sehr bedrückend“.

Zwischen dem Ausscheiden als Berater von Dr. Josef Klaus und der Bestellung zum Vorstand am 15. Februar 1968 lagen einige Monate „Anstandsfrist“, wie vom Bundeskanzler gewünscht . Die Entscheidung von Wallner stieß aber vielerorts, sogar im Freundes- und Bekanntenkreis, auf Kopfschütteln, denn zur damaligen Zeit genossen die Casinos nicht das Ansehen und Renommee von heute. Nur drei Prozent der Bevölkerung erklärten sich damals in einer Befragung mit dem Casinogeschäft einverstanden. Die 70er und 80er Jahre waren von starker Expansion geprägt. Ende der 80er stand dann Modernisierung am Programm. Gäste erwarteten mehr von ihrem Casinobesuch als ein reines Glücksspielangebot. Casinos entstanden und boten ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm.

Die Mitarbeiterzahl stieg bis 1996 unaufhörlich an. Knapp 1.800 Croupiers, alle männlichen Geschlechts, waren bei Casinos Austria unter Vertrag. Gute Bezahlung und herausragende Sozialleistungen machten den Beruf natürlich auch für Damen erstrebenswert. Während die Casinos Austria International in ihren zahlreichen Spielstätten rund um den Erdball längst weibliche Croupiers beschäftigte, wehrten sich die heimischen Angestellten lange erfolgreich gegen das Engagement von Kolleginnen. Schließlich wurde dann vor einigen Jahren per Gesetztesänderung das geschlechtsneutrale Ausschreiben von Croupierkursen notwendig. Nachdem aber das Geschäft in den österreichischen Casinos seit Jahren stagniert, wurden lange Zeit keine Kurse abgehalten.

Seit Jahresbeginn 2006 sollten mittels sozial sehr verträglichen „Hand-shake“- und Pensionsmodellen 250 Mitarbeiter abgebaut werden. Überraschend nahmen jedoch wesentlich mehr die lukrativen Angebote in Anspruch. Über 400 Croupiers haben den schwarzen Anzug schon an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Dieser Umstand machte das Abhalten neuer Croupierkurse notwendig, an denen nun erstmals seit fast 100 Jahren auch Damen teilnahmen. Von den 55 Teilnehmern am ersten Kurs seit langer Zeit waren rund ein Drittel Frauen. Nach achtwöchiger Schulung und aufregender Abschlussprüfung konnten 30 neue Croupiers, unter ihnen 10 Damen „angelobt“ werden. Die erste, die ihren Dienst in Baden aufnahm, war Tanja Wittmann. „Ich war mit 18 Jahren zum ersten Mal im Casino in Wien und war sofort fasziniert von dieser Welt. Am nächsten Tag habe ich mich bei Casinos Austria beworben, allerdings ohne Erfolg“, erzählt Wittmann.

Die junge Dame bewies Hartnäckigkeit und versuchte es immer wieder. Schließlich wurde sie tatsächlich zum Eignungstest eingeladen, den sie souverän bestand. Alles andere ist Geschichte. „Meine Eltern sind sehr stolz auf mich“, sagt der erste weibliche Croupier in Baden. Ihre Freunde beneiden die Kunstgeschichtestudentin im 5. Semester. Das Studium möchte sie nicht aufgeben, wenngleich sie sich durchaus vorstellen könnte, diesen Beruf für immer auszuüben. „Als Nachteule habe ich schon früher in exotischen Berufen wie zum Beispiel als Barkeeperin gearbeitet“, erklärt Tanja Wittmann abschließend, warum ihr die Nachtarbeit gar nichts ausmacht. Die männlichen Kollegen haben sich mit ihrem „Schicksal“ abgefunden, die weiblichen Croupiers sind voll akzeptiert.