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Einsatzhöhe ohne Limit

Ein Artikel von Alex Lauzon

(Der Beitrag richtet sich insbesondere an Spieler mit wenig oder beschränkter Erfahrung, die ihre ersten Versuche auf No-Limit-Tischen unternehmen.)

Nachdem ich kürzlich mehrere Emails mit diesbezüglichen Fragen erhalten habe, möchte ich dazu über Grundlegendes berichten. Es würde natürlich den Rahmen sprengen, Strategie in No-Limit-Poker im Detail zu besprechen, doch die Frage, nach Richtlinien zur Bestimmung der Höhe des jeweiligen Einsatzes, lässt sich in wenigen Punkten zusammenfassen.

Worin liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen Limit und No-Limit?

Präflop:

– Es werden seltener Einsätze auf zweifelhafte Karten geleistet, insbesondere in früher Position (was auf niedrigen Tisch und von Anfängern oft nicht berücksichtigt wird).

– Das Verkleinern des Feldes lässt sich durch die Höhe des Einsatzes entsprechend erzwingen.

Postflop:

– Durch entsprechende Einsatzhöhe kann dem Gegner die Chance auf Verbesserung durch Kauf zu sehr verteuert werden.

– Bluffs sind häufiger erfolgreich, doch ebenso entsprechend teurer.

Die Anfangskarten

In früher und mittlerer Position sollten nur Blätter gespielt werden, die sich für eine Erhöhung eignen, gelegentliche Semi-Bluffs (z. B. mit Suited Connectors) eingeschlossen. Eine angemessene Erhöhung bedeutet das Zwei- bis Fünffache des Big Blind, entsprechend der Dynamik am Tisch.
Zum Mitgehen nach erfolgter Erhöhung ist – ausnahmslos – ein besseres Blatt als das, in der Hand des Gegners vermutete, notwendig.
Von strategischen Zügen, wie etwa dem Gegenschlag gegen einen notorischen Bluffer, worauf sich aber nur Spieler mit entsprechender Erfahrung einlassen sollten, abgesehen, ist ein Reraise meist nur mit wirklichen Monstern, A-A oder K-K, eventuell auch Q-Q, zu empfehlen. (A-K wird erst dann zu einem wirklich guten Blatt, wenn A oder K im Flop fällt, was nur in einem von drei Flops der Fall ist).

Sitzen wir mit erstklassigen Karten, A-K oder A-Q ( suited) eingeschlossen, in später Position und es sind mehrere Spieler im Pot (Cold Calls oder bescheidene Erhöhung), sollten wir das Feld entsprechend reduzieren. Der passende Einsatz wäre, je nach Tisch, der halbe bis zu anderthalb Pots.
Hier zu bluffen ist äußerst riskant, da wir niemals wissen, ob nicht einer der Spieler, insbesondere mit A-A UTG, die Strategie des Slowplay einsetzt.

Am Flop

Insbesondere auf Tischen im niedrigen Einsatzbereich online, ist mir aufgefallen, dass es immer wieder Spieler gibt, die Mindesteinsätze bringen. In den meisten Fällen ist dies absoluter Unfug! Sinn ergäbe es nur, wenn dieser Spieler über ein erstklassiges Blatt (z. B.: Flush mit hohem Kicker, Drilling ohne Straßen- oder Flushgefahr) verfügt, um von den Gegnern einige Dollar zu kassieren, die ansonsten passen würden.
Verfügen wir über ein Blatt, von dem wir annehmen, dass es das beste am Tisch ist oder sein könnte, oder wollen wir vorgeben, über so ein Blatt zu verfügen, so liegt der passende Einsatz zwischen einer halben und einer ganzen Pothöhe, abhängig von den gegnerischen Kaufmöglichkeiten.

Beispiel: Wir halten A – 10 und im Flop liegt 10 – 6 – 2 (Regenbogen), so wäre eine Straße für den Gegner nur durch Bauchschuss möglich (4 Outs), Flush nur durch die Hintertür, und im Falle von zwei Überkarten (z. B. K – J) zählt er 6 Outs, was mit einer Verbesserungschance von rund 1 zu 7 korrespondiert. Setzen wir in diesem Fall den halben Pot, stünde der Einsatz im Verhältnis von 1 zu 3. Befinden sich mehrere lockere Spieler im Pot, könnte der Einsatz entsprechend höher ausfallen.
Wäre der Flop hingegen 10 – 9 – 5 mit zwei Karten gleicher Farbe (wir halten wiederum A – 10, in der Farbe unpassend), dann könnte es einen Gegner mit Flush- bzw. Straight-Draw geben. Auch wenn 9 Outs die Kaufchance auf nur rund 1 zu 4 verbessern, wären Odds von 1 zu 3 zu günstig, da dieser Spieler nachfolgende Einsätze (implied Odds) berücksichtigen könnte. In diesem Fall wäre ein Einsatz in der Höhe des Pots angebracht, die Odds für den Gegner auf 1 zu 2 reduzierend.

Am Turn ergeben sich natürlich die gleichen Überlegungen.

Einsätze in mehrfacher Pothöhe (oder All-in) sind selten sinnvoll. Sie verweisen entweder auf einen Bluff oder auf ein unschlagbares Blatt – den Bluff vorgebend. Meistens verdrängen sie alle Gegner, was aber wiederum von dessen Risikofreude abhängt. Nur langfristiges Beobachten und Analysieren des Spielverhaltens kann hier zu entsprechenden Schlüssen führen.

In jedem Fall müssen wir uns über folgendes im klaren sein. Gehen wir All-in mit:

A. Unschlagbarem Blatt – so könnten wir alle Gegner verlieren.

B. Erstklassigem, doch schlagbarem Blatt – so könnten wir auf das bessere stoßen.

C. Als Bluff – so könnten wir ein Vielfaches von dem verlieren, was uns der Pot als Gewinn verspricht.

(Turnierpoker, in dem, durch das regelmäßige Ansteigen der Blinds, der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle spielt, ist diesbezüglich jedoch entsprechend anders zu behandeln!)

Sind wir mit einem All-in seitens des Gegners konfrontiert, so gelten die gleichen Überlegungen. Verdächtigen wir diesen Gegner eines Bluffs, so sind Prozentsätze nur schwer abzuschätzen. Jedoch können wir bedenken, ob dem Gegner das Gewinn/Verlust-Verhältnis einen Bluff wert sein könnte.

Nachdem im No-Limit-Poker der Erfahrungsfaktor eine wesentlich größere Rolle spielt, so empfehle ich ernstlich, die ersten Versuche wirklich nur auf Tischen niedriger Einsatzebene zu unternehmen. Nicht nur, dass jeder kleine Fehler zu substantiellen Verlusten führen kann, auch unglücklicher Fall der Karten mag der Bankroll schmerzliche Einbußen zufügen.

Kalkulieren Sie als Budget für eine Sitzung das Dreifache des Maximum-Buy-ins (auch wenn Sie mit weniger als dem Maximum beginnen). Und, wie Sie bereits wissen, Ihr riskiertes Kapital in einer Sitzung sollte grundsätzlich nicht mehr als 10% Ihrer Bankroll betragen. Mangelt es Ihnen an Erfahrung und Sie möchten experimentieren, dann reduzieren Sie diesen Prozentsatz entsprechend.

In jedem Fall, wünsche ich Ihnen den bestmöglichen Erfolg.

Euer Alex Lauzon