Flagge: Switzerland10 000 Spieler gesperrt - Spielbankenkommission Entscheid über Tactilo im Herbst

Das Geschäft mit der Sucht blüht, aber es verläuft in geordneten Bahnen. 19 Spielbanken haben letztes Jahr 768 Millionen Franken eingenommen und weitere 3500 Spieler mit einem Hausverbot belegt.

Der Staat kann die Spielsucht nicht aus der Welt schaffen. Er kann aber durch Regulierungen die schlimmsten Auswüchse verhindern - und gleichzeitig mitverdienen. Diese Philosophie liegt dem neuen Spielbankengesetz zugrunde, das Glücksspiele nur noch in Casinos erlaubt. Dort werden Problemspieler betreut und wenn nötig mit einer Sperre für die ganze Schweiz belegt.

Betreuung der Spieler unterschiedlich

Ein Jahr, nachdem alle 19 Casinos den Betrieb aufgenommen haben, lässt sich nicht sagen, ob die Zahl der Spielsüchtigen zugenommen hat. Eine Studie geht von 40 000 Problemspielern aus. Die Sozialkonzepte der Casinos würden heute alle die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, sagte Benno Schneider, Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission (ESBK) gestern bei der Präsentation des Jahresberichts. Die Qualität der Spielsüchtigen-Betreuung sei aber sehr unterschiedlich.

Nationalrat und Casino-Gegner Heiner Studer (EVP/AG) ist überzeugt, dass die Zahl der Spielsüchtigen zugenommen hat. Studer kritisiert nicht die Umsetzung des Spielbankengesetzes, denn die ESBK und die Casinos würden ihren Auftrag erfüllen. Er fordert aber ein Totalverbot für Glücksspiele.

Bei den 51 Inspektionen der ESBK in Casinos im letzten Jahr wurden nur kleinere Verstösse festgestellt. Die ESBK hat zudem 108 Strafverfahren gegen illegale Spielhöllen eingeleitet. Geschicklichkeitsautomaten als Ersatz für die verbotenen Glücksspiele in Re-staurants und Bars will sie auch in Zukunft nur sehr restriktiv bewilligen.

Hunderte von Millionen auf dem Spiel

Ein weiteres Abgrenzungsproblem sind die Tactilo-Lotterieautomaten. Bis jetzt gibt es sie nur in der Westschweiz, eine Ausdehnung auf die Deutschschweiz hat die ESBK mit einer superprovisorischen Verfügung vorerst verhindern können. Sie ist der Ansicht, dass es nicht um eine Lotterie handelt, sondern um ein Glücksspiel, das in die Casinos gehört. Der definitive Entscheid soll im Herbst fallen. Die Loterie Romande erwirtschaftet mit den Tactilos einen Gewinn von 100 Millionen Franken pro Jahr. Die Kantone, zuständig für die Lotterien, fürchten um ihre Einnahmen, falls die Automaten dem Spielbankengesetz und somit dem Bund unterstellt werden.

Die Casinos haben 2004 insgesamt 769 Millionen erwirtschaftet. Die Geldspielautomaten steuerten 578 Millionen bei, die Tischspiele 191 Millionen. Die Spielbankenabgabe betrug insgesamt rund 372 Millionen Franken. 317 Millionen Franken gingen an den Ausgleichsfonds der AHV, der Rest an die Standortkantone von B-Casinos.

Simon Gemperli

25.06.2005 05:56
URL: http://www.isa-guide.de/casinos/articles/9278.html