Nur Schafkopfer dürfen um Geld spielen - Watten und Häufeln gelten dagegen als »Glücksspiele«
Veröffentlicht am 04.08.2005 04:04 Uhr
Dabei sind auch hohe Beträge nicht verboten - Watten und Häufeln gelten dagegen als »Glücksspiele«
Ob Schafkopfen, Watten oder Neunerln: Karten spielen hat in Bayern Tradition. Zu Hause, im Wirtshaus, ja sogar in der Schule leben auch im Landkreis viele Zocker täglich ihre Leidenschaft. Längst geht es dabei nicht nur um Spaß und Gaudi. Meist spielen die Kartler um Geld. Um viel Geld. Erst neulich zockten in Ruderting zwei Spieler beim »Häufeln« um Hunderttausende von Euro, am Ende verlor einer 46 000 Euro. Die Gemeinde erstattete Anzeige, der Staatsanwalt ermittelt wegen illegalem Glücksspiel. Doch was ist beim Schafkopfen oder Watten? Auch hier geht nicht selten sehr viel Geld über den Tisch.
In Ruderting gingen 46 000 Euro verloren
Vor allem beim Schafkopfen hört man immer wieder von horrenden Tarifen, bei denen ein einziges Spiel schon mal 100 Euro kostet. Oder von Fällen, bei denen Spieler am Abend ein kleines Vermögen angebaut haben. Und das nicht in dunklen Spelunken, sondern für alle sichtbar am Wirtshaustisch.
»Natürlich gibt es Spieler, denen es nur ums Geld geht«, bestätigt Alexander Weinzierl. Seit 35 Jahren spielt der 45-jährige Passauer regelmäßig Schafkopf, hat sich vor ein paar Jahren sogar für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Wenn er mit seinen Kumpels zockt, gehen die Beträge meist nicht über 100 Euro pro Abend hinaus. Doch er weiß: »Andere spielen wesentlich teurer. Da kann es durchaus in den vierstelligen Bereich gehen.«
Ludwig Scharinger sieht es ähnlich. Auch der Obernzeller ist »Schafkopf-Profi«, belegte bei zwei Weltmeisterschaften den fünften Platz. »Ich hab' schon bei sehr, sehr teuren Spielen zugeschaut. Da sind ein paar hundert Euro ganz schnell weg.« Obwohl auch er nur »normale Tarife« spielt, ist er sich mit Alexander Weinzierl einig: Solange die Schafkopfrunde immer gleich bleibt und es sich alle leisten können, ist gegen hohe Summen nichts einzuwenden.
Doch was sagt der Gesetzgeber? »Schafkopfen ist absolut legal, weil es sich dabei nicht um ein Gücks-, sondern um ein Geschicklichkeitsspiel handelt«, sagt Walter Fürlinger, Sachbearbeiter im Landratsamt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Beim Schafkopf sind alle Karten im Spiel, man kann die Trümpfe zählen und sich seine Chancen ausrechnen. Kurz: Der Gewinn hängt nicht überwiegend vom Zufall, sondern vom Können des Spielers ab. »Das ist ganz klar festgelegt«, sagt Fürlinger.
Nichts steht dagegen geschrieben über die Höhe der Summe, um die gezockt werden darf. »Solange es auf freiwilliger Basis abläuft und die Tarife vorher ausgemacht werden, gibt es wohl keine Begrenzung«, meint Fürlinger.
Das bestätigt auch Polizeisprecher Hans Baumgartner. »Darüber wird in den Glücksspiel-Verordnungen nichts gesagt. Also kann das Spielen um hohe Beträge nicht verboten sein.« Kurz gesagt heißt das: Beim Schafkopfen darf man problemlos um Unmengen von Geld zocken.
Auch beim Watten hängt viel vom Zufall ab
Etwas anders ist es beim Watten, ein ebenfalls sehr beliebtes Kartenspiel. »Hier handelt es sich um das klassische Glücksspiel, weil nicht alle Karten ausgeteilt sind und der Gewinn überwiegend vom Zufall abhängt«, erklärt Walter Fürlinger. Die Folge: Watten um Geld ist verboten und könnte eine Anzeige wegen illegalem Glücksspiel nach sich ziehen.
»Es ist kein Problem, wenn ein paar Maß Bier oder kleine Sachgewinne ausgewattet werden. Wenn aber Geld im Spiel ist, ist das eigentlich nicht erlaubt«, sagt Hans Baumgartner. Deshalb seien auch Watter-Turniere, bei denen es Preisgeld gibt, im Gegensatz zu Schafkopf-Turnieren nicht gestattet.
Das gleiche wie für das Watten gilt auch für alle anderen Kartenspiele, bei denen nicht alle Karten verteilt sind, wie Poker, Neunerln oder eben Häufeln. Deshalb müssen die beiden Rudertinger Zocker mit einer Verurteilung rechnen. Hätten die beiden mit weiteren Kartenhaien um diese horrenden Summen in Höhe von 300 000 Euro geschafkopft, hätten sie sich viel Ärger erspart.
von Andreas Lakota.
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