English Montag, 13. Februar

Flagge: Switzerland Grand Casino als kleines Las Vegas

Veröffentlicht am 19.03.2005 05:50 Uhr

Arbeitsorte (III) Michael Gerstmayr ist Spielaufsicht Grand Jeu im Grand Casino Baden

Michael Gerstmayr hat ein gutes Gedächtnis. Mehrere hundert Gäste des Grand Casino Baden grüsst er mit Namen. Vom Gesicht her kennt er fast alle, die das Casino schon besucht haben. «Das Gedächtnis ist das wichtigste Arbeitsinstrument des Croupiers: Man muss sich die Stücke auf dem Tableau merken können. Dasselbe kann ich nun mit den Gesichtern umsetzen», sagt der 35-Jährige.

Insgesamt zwölf Spielaufsichten Grand Jeu gibt es im Grand Casino Baden. Gerstmayr ist eine davon. Seit der Eröffnung des Grand Casino im Juli 2002 arbeitet er in Baden. Der gebürtige Konstanzer ist ausgebildeter Bankkaufmann. Nach einem Jahr Anstellung auf einer Bank und einem Jahr Bundeswehr wechselte er 1991 zur Spielbank Konstanz. Den jungen Mann reizten das Metier Spielbank und der abwechslungsreiche Alltag. «Es war ein grosser Schritt», erinnert er sich.

Die neue Welt wurde schnell zu seiner Welt. Heute sagt er: «Es gibt nichts, was ich in meinem Job nicht gern tue.» Was sind seine Aufgaben? Bei der Arbeit zirkuliert Gerstmayr im Raum zwischen Roulette, Baccara und Kartenspiel, grüsst die Gäste, ist bei Streitigkeiten zur Stelle und setzt das Personal dort ein, wo es nötig ist. Zusammengefasst: «Als Spielaufsicht reguliere und beaufsichtige ich alle Handlungen an den Tischen und im Saal.» Der Deutsche drückt sich geschliffen aus.

Die Atmosphäre im Grand Casino Baden bezeichnet Gerstmayr als sehr gut. «Wir pflegen einen angenehmen Kommunikationsstil mit den Gästen.» In anderen Casinos seien Beziehungen mit Gästen strikt verboten, dürften die Croupiers nicht sprechen. Im Grand Casino Baden hingegen wird auch mal gescherzt und gelacht. «Bei uns soll sich der Gast als Person und nicht als Geldbeutel wahrgenommen fühlen.» Auch die Atmosphäre unter den Angestellten sei sehr gut. Gerstmayr schwärmt: «Vom Direktor bis zum Saalassistenten arbeiten wir miteinander. Dadurch herrscht im Team ein ‹Wir-Gefühl›.»

Michael Gerstmayr selbst spielt nur selten und wenn, dann nur mit geringen Einsätzen. «Es ist ein wenig wie ein Bäcker, der jeden Tag frisches Brot um sich hat: Der hat auch mal genug davon.» Gerstmayr bevorzugt einen schönen Abend in guter Atmosphäre mit seiner Frau. Die Gegenwelt zum Casino findet Gerstmayr im und am Wasser, wo er seine ganze Freizeit verbringt. Er liebt es zu tauchen oder mit dem Motorboot zu fahren.

Das Ehepaar Gerstmayr wohnt in Waldshut. Oft arbeitet Gerstmayr bis vier, am Wochenende gar bis halb sechs Uhr morgens. Darunter leidet Familiäres. «Wer im Casino arbeitet, braucht eine starke Partnerin oder einen starken Partner.» Wenn er nach der Arbeit nach Hause kommt, liest er ein Buch oder schaut fern. «Im Casino muss ich die ganze Zeit fit und hoch konzentriert sein. Da brauche ich zu Hause bis zu einer Stunde, um abzuschalten.»

Was für ein Gefühl ist es, an einem Ort zu arbeiten, wo sich alles um Geld dreht? «Geld ist ein Teil der Arbeit und deshalb nicht interessant.» Gleichzeitig, relativiert Gerstmayr, dürften die Angestellten den Bezug zum Geld nicht verlieren, gerade weil man beobachten müsse, ob jemand über seine wirtschaftlichen Verhältnisse spiele.

Gerstmayr kennt nicht nur Gesichter oder Namen der Gäste: «Ich weiss um ihre Vorlieben und ob sie laut oder leise sind; ich sehe, wenn sich ihre Ausstrahlung oder ihr Spielverhalten ändert.» Die Spielaufsichten sorgen dafür, dass das Sozialkonzept des Casinos umgesetzt wird. «Wenn ein Verdacht besteht, dass jemand spielsüchtig ist, versuche ich, mit der Person ins Gespräch zu kommen. Allenfalls muss man ihr Hilfe anbieten und sie sperren. Wir haben nämlich nichts davon, wenn sich ein Gast ruiniert.»

Auch wenn Gerstmayr am Vortag nicht da war, ist er bei Arbeitsantritt per Mail über Vorkommnisse wie Jackpotauszahlungen oder allfällige Unregelmässigkeiten am Tisch informiert. Doch nicht nur die Gäste, auch die Angestellten des Casinos sind hohen Sicherheitsrichtlinien unterstellt: Jede Person kommt mit dem Badge nur in den Bereich, in den sie gehört. Das findet Gerstmayr gut: «Das dient auch der Abschreckung.»

Von den altehrwürdigen Casinos wie Monte Carlo oder Baden-Baden, wo die Kronleuchter imposant und die Gäste illuster sind, ist Michael Gerstmayr noch immer fasziniert. Ein Besuch in den Casinos von Las Vegas steht noch aus: «Wir versuchen hier in Baden Las Vegas nachzuahmen: Wir wollen Spielen und Entertainment verbinden.»

Behält den Überblick Michael Gerstmayr wird ab und zu auch als Croupier am Tisch eingesetzt.
karen schärer


Hinweis: ISA-GUIDE veröffentlicht auf Ihrem Internet-Portal verschiedene Artikel, Analysen, Kolumnen, Reportagen, Publikationen, Urteile, Interviews und Nachrichten, die aus unterschiedlichen Quellen stammen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der Autor.

Lesezeichen:
Lesezeichen bei Mr.Wong setzen Lesezeichen bei Yigg setzen Lesezeichen bei Linkarena setzen Lesezeichen bei Google setzen Lesezeichen bei Webnews setzen Lesezeichen bei Folkd setzen Lesezeichen bei Oneview setzen

Druckbare Version Druckbare Version

Werbung