English Montag, 13. Februar

Flagge: Switzerland Escor wird auf Startfeld eins zurückgesetzt

Veröffentlicht am 15.12.2004 06:31 Uhr

Wettbewerb wird am 1. April 2005 neu lanciert – Hohe Investitionen in neue Spielgeräte – Aktien nicht attraktiv

Von Beat D. Hebeisen

An einem internen Kick-off-Meeting hat Escor Ende November den Mitarbeitern einen Blick in die Zukunft gewährt. Ab dem 1.April 2005 beginnt für den Spielautomatenbetreiber eine neue Ära. Der Betrieb der herkömmlichen Glücksspielautomaten ist ab diesem Datum nicht mehr erlaubt. Nach den Vorgaben des Spielbankengesetzes sind dann nur noch Geschicklichkeitsautomaten (GSA) gestattet. Für die Branche bringen die neuen Gesetze einschneidende Veränderungen. 6000 installierte Glücksspielgeräte verschwinden. Weil die GSA eine gewisse Geschicklichkeit im Spiel verlangen, erwartet die Branche, dass weniger Kunden spielen. Escor rechnet mit einem Umsatzeinbruch um 40% in nächsten Jahr. Das führt zu einem Verlust um 5 Mio. Fr.

Escor-Geschäftsleiter Christian Vollmer will diesen Einbruch nicht tatenlos hinnehmen. Das Unternehmen ist deshalb auf verschiedenen Ebenen aktiv. In den letzten Monaten wurde viel Geld in die Entwicklung neuer GSA investiert. Die Geräte müssen den vom Bund geforderten Geschicklichkeitsansprüchen genügen. Das steht im Widerspruch der Branche, die den Faktor Glück stärker gewichten will. Bis ein neues Gerät lizenziert wird, entsteht aus dieser Konstellation zwischen der Kontrollstelle des Bundes und den Spielentwicklern ein reges Hin und Her.

Ringen um Lizenzen

Der Bund hat bisher zwölf Geräte bewilligt. Aus der Sicht von Vollmer ist davon aber mindestens die Hälfte nicht «marktfähig», weil sie von den Spielern kaum akzeptiert werden. Solche potenziellen Ladenhüter gehen gar nicht erst in Produktion. Escor hat mit «Swiss Jass» einen erfolgversprechenden GSA entwickelt. Doch das reicht nicht. Ausländische Hersteller haben reagiert und ebenfalls neue Geräte kreiert. Escor sucht den Kontakt mit diesen Unternehmen, um das exklusive Verkaufsrecht für die Schweiz zu ergattern. Auch mit Anbietern aus der Schweiz werden solche Vereinbarungen angestrebt.

Vollmer rechnet, dass ab dem kommenden Frühling bis zu 5000 neue Spielautomaten installiert werden. Davon entfallen 1000 auf den Eigenbedarf. Von den verbleibenden 4000 Geräten möchte Escor rund die Hälfte aus eigenen Lizenzen an Konkurrenten verkaufen. Die Investitionen von 10000 und 15000 Fr. pro Gerät können sich viele Aufsteller nicht leisten. Escor hofft, durch entsprechende Finanzierungshilfen, die durch einen Anteil am Spielergebnis abgegolten werden, den eigenen Marktanteil auszubauen. Diese Rechnung geht indes nur dann auf, wenn das Unternehmen die besten Spielautomaten im Programm hat. Entsprechend wichtig sind die kommenden Monate. Unter Hochdruck werden neue Spielkonzepte entwickelt. Der Geschäftsleiter selbst steht in intensivem Kontakt mit Zulieferer und Hersteller.

Escor verfolgt rund um die Ablösung der alten Geräte eine klare Strategie. Um keine Wettbewerbsvorteile zu vergeben, werden die neuen Geräte erst am 1. April 2005 ausgeliefert. Weil diese Automaten «erklärungsbedürftig» (Vollmer) sind, wird der Markteintritt durch flankierende Massnahmen begleitet. Während dreier Monate sollen 30 Hostessen unterwegs sein, um die Spielfunktionen der GSA bisherigen und neuen Spielern zu erläutern. Escor investiert in die Werbekampagne 2Mio. Fr. Hinzu kommen 10Mio. Fr. an Kosten für die eigenen Geräte.

Die Rechnung von Escor wird im nächsten Jahr durch diese Sonderfaktoren belastet. Dazu kommt, dass durch die Umstellung auf IFRS der Wirteanteil (2003: 16,3 Mio. Fr.) aus dem Umsatz fällt. Vollmer möchte diesen Anteil durch den Verkauf von Spielgeräten wenigstens 2005 kompensieren. Ab 2006 entfällt dieser Effekt. Mit Einnahmen um 25 Mio. Fr. wird Escor heuer nur eine schwarze Null erreichen.

Kräfte konzentrieren

Neben den Herausforderungen im Automatengeschäft sucht Escor seit längerer Zeit neue strategische Möglichkeiten (vgl. FuW Nr. 34 vom 30. April 2003). Vollmer erachtet den Zeitpunkt jedoch nicht als ideal, um sich zu solchen Fragen Gedanken zu machen. Escor müsse jetzt aus der herannahenden Restrukturierung der Branche das Optimum herausholen. Es bieten sich so viele Chancen, dass es unsinnig wäre, in den nächsten 12 bis 18 Monaten die Kräfte anderweitig zu binden. Eine Option wäre, sich mit Novomatic, einem der Partner im Casino Locarno, auf eine Arbeitsteilung zu einigen. Falls es gelingt, die Beteiligung an diesem Casino auf über 50% aufzustocken, könnte Escor diesen Umsatz konsolidieren.

Vorerst hofft Vollmer, in den nächsten Monaten die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Die Risiken sind indes nicht vom Tisch. Escor könnte von den Behörden rund um die Vergabe von GSA-Bewilligungen übergangen werden, wie damals in der Zuteilung der Casinolizenzen.

Wegen der zahlreichen Unsicherheiten ist es nicht ratsam, in Aktien von Escor zu investieren. Ab 2007 erwartet das Unternehmen eine deutliche Gewinnsteigerung. Ein Überschuss von 4 Mio. Fr. ist dannzumal eine realistische Grösse. Das daraus ableitbare Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 ist zu relativieren: Das KGV-Tief der letzten vier Jahre liegt um 7. Die (Glücks-) Spielbranche ist ein derart unberechenbares Geschäft, dass man sich fragen muss, was Highlight Communications und die Beteiligungsgesellschaft der Familien Peter und Thomas Matter (Swissfirst) so reizvoll an Escor finden, dass sie Beteiligungen von 15,3% resp. 5,3% erwarben.




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