(rs) Während am Las Vegas Boulevard ein Super Hotel nach dem anderen entstand und an der Paradise Road Projekte, wie das "International" (später Las Vegas Hilton) oder dazwischen, ansäumend an Las Vegas Boulevard, das MGM Grand, heute als Bally's bekannt, ihre Tore öffneten - welche mehrheitlich Casinos für die Touristen darstellten - wurde auch in Old Las Vegas, also der Downtown Gegend, keinesfalls geruht. Die grossen Hotels am Strip wurden mehrheitlich finanziert durch Finanzgesellschaften oder waren in Händen mächtiger Konzerne, im Gegensatz zu den privaten Betreibern in Downtown Las Vegas an der Fremont Street.
Als das Glücksspiel in Nevada legalisiert wurde, gab es ein paar Mini-Casinos, die von Privat-Personen finanziert und gemanagt wurden. Einige dieser Kleinbetriebe wurden immer grösser und grösser und begannen, ebenfalls zu expandieren. Einer dieser Casino-Betreiber war Sam Boyd. Dieser Mann begann bereits als Teenager 1910 mit dem Casino Geschäft, indem er Bingo Spiele veranstaltete. Später veranstaltete er Casino Spiele auf einem Schiff, welches von Long Beach, Kalifornien aus in See stach. Selbst in Hawaii organisierte er Bingo Spiele, aber 1941 zog es ihn schliesslich nach Las Vegas, Nevada. Gemäss seinen Aussagen kam er mit 30 Dollar nach Las Vegas, wo er zum Multi-Millionär aufsteigen sollte.
[bild:1]Anfänglich dealte Sam Boyd Penny-Roulette im Sahara und im "The Mint", wo er allmählich Karriere machte - bis in die höheren Management-Positionen. Zusammen mit seinem Partner Frank Scott gründete er sein eigenes Casino, das Union Plaza, welches direkt an der Eisenbahnstation, Union Railway Station, gebaut wurde – daher der Name Union Plaza. 1971 gründete er die Boyd Group, welche sein Sohn Bill Boyd später leiten sollte. Diese neu gegründete Gesellschaft wurde durch wenige, selbst ausgewählte, Investoren finanziert, welche aus Sam Boyd's Bekanntenkreis stammten. 1975 wurde das California Hotel eröffnet, welches in erster Linie für Touristen aus Hawaii bestimmt ist und enge Marketing-Verträge mit den Touristen dieser Insel hat. 1979 entstand ein weiteres Hotel abseits vom Strip unter dem Flagschiff der Boyd Gruppe: Sam's Town Hotel and Gambling Hall. Und somit war bereits ein Netzwerk entstanden, welches der Boyd Gruppe massive Marktanteile am lokalen Casinogeschäft sichern sollte. 1983 erklärte sich die Boyd Gruppe bereit, das durch massive Probleme in die Schlagzeilen geratene Stardust Hotel zu übernehmen. Berichten zufolge sollten im Stardust Jackpots an Slotmaschinen manipuliert worden sein. Digitale Anzeigemeter oberhalb von Slotmaschinen sollten einen Jackpot in Aussicht stellen, welcher in Wahrheit gar nie gewonnen werden konnte, weil kein Link bestand zu dem Jackpot-Betrag und den Geräten selbst. Das ganze war eine reine Show. Der Betrug flog schliesslich auf und Chancen bestanden, dass das Stardust die Lizenz verlieren könnte und geschlossen werden müsste. Um dies zu verhindern und die Übernahme des ganzen Hotels durch die Stadt zu vermeiden, erklärte sich die Boyd Gruppe bereit, das Hotel unter bestimmten Auflagen weiterzuführen. Auch heute noch ist dieses Casino in Besitz der Boyd Gruppe und stellt einen wichtigen Bestandteil der Geschichte von Las Vegas dar. Das Stardust Hotel war einst der Stern am Himmel von Las Vegas, wurde aber bis heute durch die neuen Casinos längst überrollt. Für Nostalgiker hingegen ist das Stardust noch immer sehr beliebt und gern besucht.
Benny Binion sollte auf eine andere Art und Weise zu Ruhm gelangen. Dieser Mann kam ebenfalls in den 40er-Jahren nach Las Vegas, um mit den Geschäftstätigkeiten als Casino-Betreiber zu beginnen. Ursprünglich aus Texas, wo Benny Binion zu Jungzeiten bereits ein Spieler war, der in den Hinterzimmern Poker spielte und das Glücksspiel organisierte.
Nachdem er 2 Beteiligungen an Casinos in Las Vegas erworben und später wieder verkauft hatte, übernahm er schliesslich das Apache Hotel und den Eldorado Club in Downtown, Las Vegas. 1988 kaufte Binion das anliegende Mint Hotel und kombinierte es mit dem Horseshoe Club. Wer heute durch das Casino wandert, wird feststellen, dass es effektiv 2 verschiedene Casinos waren, die nun vereint wurden. Das Casino wurde später umbenannt in Binion's Horseshoe, und so heisst es auch heute noch. Das Casino war bis vor wenigen Monaten in Familienbesitz, doch das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Hotel wurde im Winter dieses Jahres durch eine neue Gesellschaft übernommen. Derzeit befindet sich das Horseshoe Casino noch in einer Übergangsphase und ist nicht offen. Es finden organisatorische und bauliche Veränderungen statt, doch bis zu den World Series im April sollte das Casino für die Tourniere und den restlichen Casinobetrieb wieder offen sein.
Benny Binion starb 1988, und mit ihm starb auch eine Legende. Seine letzte Geburtstagsparty sollte in der Thomas and Mack Arena stattfinden - mit einer Gästezahl von 19.000! Die Party kostete über eine halbe Million Dollar, und die grosse Anzahl Gäste deutet auf die Beliebtheit dieses Mannes in der Casino-Welt hin. Nach seinem Tod blieb das Casino weiterhin in Familienbesitz und wurde gemäss den Philosophien seines Begründers weitergeführt. Das Horseshoe Casino war ausserdem bekannt für seine Grosszügigkeit den Spielern gegenüber. Gratis Restaurant-Besuche, ohne dass man stundenlang spielen musste, sehr faire Preise im Coffee Shop, sowie bestes Rindfleisch, von maisgefütterten Rindern einer hauseigenen Farm in Texas, die das Binion's Horseshoe Steakhouse zum wahren Insider Tip machten.
Ausserdem gab es im Horseshoe ein Schaufenster mit 100 Original 10.000-Dollar Banknoten, vor denen man sich bis vor wenigen Jahren kostenlos photographieren lassen konnte, um das Bild als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.
[bild:2] Das Casino, völlig im Wild West Stil gebaut, war in erster Linie dafür berühmt, dass es quasi unlimitierte Einsätze der Spieler annahm. Wer 1 Million wetten wollte am Würfeltisch, der war bei Benny Binion goldrichtig. Als zusätzliche Attraktion veranstaltete der Horseshoe Club 1970 ein Pokerspiel, welches über Wochen andauern sollte. Es war ein Duell zwischen einem Profi-Pokerspieler, der durch den Horseshoe Club gesponsert wurde und für das Haus spielte, und einem Spieler Namens "Nick der Grieche", der aus Übersee angereist war, um sich der Herausforderung zu stellen, wer nun der beste Pokerspieler auf der Welt war. Das Turnier fand im Eingangsbereich hinter einer Absperrung statt, so dass die Zuschauer immer Einblick hatten, wie der Stand der Dinge war. Das Ergebnis war natürlich, dass Nick der Grieche sein gesamtes Geld verlor und der Horseshoe Club ein unglaubliches Prestige erlangte. Daraus entstanden sind die alljährlich wiederkehrenden World Series of Poker (Titel ist rechtlich geschützt), die jeden Mai Tausende von Besuchern aus aller Welt nach Las Vegas ziehen, um dort um den Titel als bester Pokerspieler zu kämpfen. Die Haupt-Attraktion dieses 1monatigen Tournier-Spektakels ist ein 4tägiges Turnier. Der Buy-In Betrag ist 10.000 Dollar und der 1. Platz gewinnt eine Preissumme in der Grössenordnung von 2.5 Millionen Dollar, ein 18-Karat Gold-Armband mit Prägung, welches den Titel, "World Champion of Poker" trägt. Dies ist der Traum jedes Pokerspielers überhaupt, und nur sehr wenige schaffen dieses Ziel im Verlaufe ihrer Spielerkarriere. Pokerlegenden wie Johnny Moss, Phil Helmuth, Doyle Brunson, Johny Chan, Erik Seidel, Amarillo Slim und andere waren regelmässige Gewinner dieses Super-Spektakels. Der letztjährige Gewinner allerdings, und das ist erstmalig in der Geschichte des Pokerspieles, dieser Spieler gewann seinen Buy-In dank einem Turnier aus dem Internet! Chris Moneymaker spielte ein Tournier für 40 Dollar online, gewann den Buy-In und die Reisespesen für das Turnier in Las Vegas, ging dorthin, und wurde überrollt durch eine sagenhafte Glückssträhne! Er überlebte mehr als 800 Spieler und 4 Tage härtestes Pokerspiel, und flog zurück nach Hause zu seiner Familie mit 2.5 Millionen Dollar in der Tasche! Ein American Dream, der Realität wurde.
An dieser Stelle unterbrechen wir die Berichterstattung für heute. Das neue Bild, mit den Casinos aus den 80er-Jahren, werden wir Ihnen beim nächsten Mal vorstellen.
Rundgang durch Las Vegas
Siehe auch:
Neue Reportagen: Gambling in Las Vegas
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 1)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 2)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 3)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 4)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 5)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 6)
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