(rs) Über Howard Hughes gibt es einiges zu erzählen. Als Sohn eines reichen Öl-Millionärs aus Texas zog es ihn schon in den 40er- und 50er Jahren ständig nach Las Vegas, um den Glamour und die Action der Stadt zu geniessen. Eigentlich mehr als Casino-Besucher und weniger als Spieler. Mit seiner fixen Vision, Las Vegas würde eines Tages 1 Million Einwohner haben, begann sein Interesse, in die Hotel- und Casino-Industrie zu investieren. Irgendwie schwebte ihm auch eine Vision vor, dass Las Vegas einen Flughafen bekommen sollte, der die Gegend von Los Angeles mit Superschnellzügen verbinden könnte. Wie auch immer, er glaubte an eine grosse Zukunft dieser Stadt.
Der Reichtum, den Howard Hughes mit den Geschäften seines Vaters geerbt hatte, ermöglichte ihm, in die Hotel-Industrie zu investieren. Dank einer sensationellen Erfindung, bei der es sich um Spezial-Bohrköpfe für Bohrtürme handelte, wurde Howard Hughes' Vater steinreich, und dieses Vermögen erbte Howard. 1957 heiratete er die Schauspielerin Jean Peters in Tonopah, Nevada und zog aber erst 1966 nach Las Vegas. Sein Vermögen galt als eines der grössten überhaupt in der damaligen Geschichte der U.S.A. Er mietete eine gesamte Etage im Desert Inn, namentlich den 9. Stock, ganz für sich. Und dies erregte einige Missstimmung unter dem Management. Denn der 9. Stock war ein "Suite-Level" und der war eigentlich auch noch für andere High Rollers reserviert. Als die Manager versuchten, Howard Hughes zu überreden, einige Suiten für andere Hotelgäste freizumachen, reichte es dem egozentrischen Millionär und er kaufte sich einfach das ganze Hotel. 13.2 Millionen war es ihm wert, das Hotel vom Cleveland Mobster Moe Dalitz zu übernehmen.
Nichtsdestotrotz, so verlangte der Besitz eines Casinos auch der Besitz einer Gaming Lizenz, und die hatte Howard Hughes ja gar nicht. Mit Geld alleine geht doch nicht immer alles, ...oder doch?
Ja, auch dieses Problem löste Howard Hughes mit Leichtigkeit. Dank der Mithilfe von Governor Paul Laxalt, erlangte er die prestigeträchtige Lizenz als Casinobetreiber, welches ihm ermöglichen sollte, massive Investitionen tätigen zu können und im Casino-Sektor zu expandieren.
Bereits 1967 kaufte Hughes das Sands Hotel und Casino für 14.6 Millionen Dollars, noch im selben Jahr kaufte er das Frontier. Er übernahm das Castaways für 3 Millionen, und den Silver Slipper für 5.3 Millionen Dollars. Seine Lizenz als Casino-Operator bekam er jedoch erst 1969, doch schon bis zu diesem Datum hatte er circa 65 Millionen Dollar in verschiedene Casinos investiert. Innerhalb nur eines Jahres hatte er 4 Hotels gekauft, mit annähernd 2.000 Hotelzimmern, was damals rund 20 Prozent der gesamten Hotelkapazität entsprach.
Allmählich begannen sich andere Leute Sorgen zu machen über den Verlauf der Dinge. Selbst bei der Gaming Commission kam der Verdacht auf, Howard Hughes könnte durch seine massiven Käufe eine dominante Rolle übernehmen und den freien Markt gefährden. Als nächstes Projekt hatte Howard Hughes nämlich schon das Stardust im Auge. Nach langem Hin- und Her gab die Nevada Gaming Commission schliesslich grünes Licht und erteilte dem Multimillionär die Lizenz für das Stardust Hotel. Kaufpreis: 30.5 Millionen Dollars. Es gab später noch ein Hotel, welches sich Howard Hughes unter den Nagel riss, nämlich den Harold's Club in Reno. Dies war zugleich seine letzte grosse Investition, und zugleich auch der Zeitpunkt, als die Gaming Commission Änderungen in Kraft treten liess. Einfach mit viel Geld Casinos zu kaufen, das war fortan nicht mehr möglich. Ab 1969 trat ein Gesetzesartikel in Kraft, welcher besagte, dass ein Casino-Betreiber unabhängig zunächst einmal eine Lizenz haben müsse. Allerdings war es nun möglich, dass Aktiengesellschaften gegründet werden konnten, und die Aktionäre nicht im Besitz von Lizenzen für das Betreiben eines Spielcasinos sein mussten. Allerdings musste der Vorstand und die Firma über die Lizenz verfügen. Auf diese Weise war es nun möglich, Gesellschaften zu gründen, und das entsprechende Kapital zu beschaffen. So sollten später ja Gesellschaften wie Station Casinos und andere entstehen, die auch heute noch sehr gross sind im Casino-Markt von den Vereinigten Staaten, insbesondere natürlich in Nevada.
Als man Howard Hughes nach seinen Beweggründen fragte, weshalb er Millionen von Dollars in die Casinos von Las Vegas investierte, soll er gesagt haben, er glaubte an die Zukunft dieser Stadt und an ein relativ uneingeschränktes Wachstum. Las Vegas sollte eine Stadt werden, die man von Grund auf planen könne und die sich theoretisch unendlich weit vergrössern könne... vorausgesetzt, dass die Wasser-Ressourcen ausreichen würden. Das, wie Sie sicher wissen, dürfte sich in den kommenden Jahren für Las Vegas und seine Anwohner zu einer regelrechten Existenzfrage entwickeln. Denn wenn es auch Strom und Geld in Massen zu geben scheint, so ist Wasser doch eher rar in der Wüste von Nevada.
[bild:1]Mit Howard Hughes und anderen Grossinvestoren begann langsam das Zeitalter des "modernen Las Vegas". Höher, neuer, schöner, grösser! So lief der Trend für die neuen Hotels. Am Strip war härtester Konkurrenzdruck. Entstanden war eine boomende Stadt rund herum um den Las Vegas Boulevard. Eine Stadt, gegründet von Spielern, für Spieler. Casinos, für deren Fertigstellung man riesige Baukräne benötigte, und wo schon alleine die Neon-Leuchtreklamen am Strassenrand oftmals höher waren und sind als ganze Casinos in anderen Ländern. Stellen wir uns das einmal vor: Um auf der Neon-Reklame die Buchstaben auszuwechseln, benötigt man die Hilfe einer Firma, die sich darauf spezialisiert hat. Da kommt ein Fahrzeug mit einem Spezial-Schwenk-Kran an und ein Mitarbeiter muss dort nach oben zur Anzeigetafel, wo Buchstaben in Menschengrösse oder noch grösser mühsam ausgewechselt werden müssen. Nur wenn das Marketing stimmt und die vorbeifahrenden Autofahrer die Werbetafeln beachten, besteht eine Chance, dass sie anhalten und auf einen Sprung ins Casino kommen. Andernfalls fahren sie eben weiter und spielen woanders. Der Markt spielt, nur die Besten überleben.
In den letzten 10 Jahren erlebte Las Vegas einen wahrhaften Super-Boom. In der Stadt entstanden nun neue Ressorts, sogenannte "Themen-Casinos". Allen Anfang machte dazu das Caesars Palace, welches 1969 eröffnet wurde. Darauf werden wir noch etwas ausführlicher berichten.
Ressorts wie das MGM Grand (2), The Mirage, Treasure Island, Excalibur, Mandalay Bay, Luxor, New York New York, Aladdin, Paris, alle haben irgendein Thema zur Vorlage genommen. Beim Paris Hotel, unverkennbar, der Eiffelturm direkt am Strip, in einer etwas verkleinerten Version, oder im Venetian, Canale Grande und Gondeln, die die Touristen für 12 Dollars herumschiffen und der Gondolieri sogar noch irgendwas auf Italienisch singt.
In Zukunft werden neue Projekte noch einmal alles existierende wieder überbieten und noch einmal etwas tolleres präsentieren. Schon heute warten alle Las Vegas Fans gespannt auf die für Sommer 2005 geplante Eröffnung des Wynn Vegas Mega Resorts. Detail Informationen sind noch nicht erhältlich, aber unter anderem soll dort eine eigene Ferrari Ausstellung im Casino gezeigt werden und die Touristen anziehen. Über Steve Wynn werden wir später auch noch zu sprechen kommen.
Nur verständlich ist, dass die ständig grösser werdenden Casinos auch allmählich Unsummen von Geld kosten sollten bis zur Fertigstellung. Meistens verfahren die Casinos heute nach einem ähnlichen Konzept. Zunächst entsteht eine Basis-Version eines Hotels, z.B. Casino Floor, Restaurants, Hotel Tower usw., für rund 2000-3000 Gäste. Nach ein paar Jahren Betriebszeit, wenn ein Hotel amortisiert ist oder wenn sich abzeichnet, dass das Casino rentabel ist, dann wird expandiert. Wenn man auf Photos schaut, wie die meisten Hotels aussahen, als sie eröffnet wurden, und wie sie heute aussehen, dann wird man erstaunliche Veränderungen feststellen. Das Flamingo von damals lässt sich überhaupt nicht mehr vergleichen mit dem Flamingo, wie es heute am Strip steht. Und auch Caesars Palace, mit seinen neuen Hotel-Türmen hat auch ein ganz neues Outlook bekommen. Für einige Hotels bereitet bereits die Grundfinanzierung erste Probleme, die es zu meistern gilt. Das neue Aladdin, welches erst ein paar Jahre geöffnet ist, hatte von Anfang an Schwierigkeiten, den Break-Even zu erreichen, und ist heute technisch gesehen bereits Bankrott? Und warum? Weil es keinen Umsatz macht? Nein! Es macht Umsatz, und sogar sehr viel Umsatz. Aber die Gewinne reichen nicht aus, um die Unkosten zu decken. Und so ging dieser Gesellschaft innert kürzester Zeit die Luft aus. Liquide Mittel fehlen, um die Schuldenfrage zu lösen. Teures Geld musste aufgenommen werden, um weiterhin operieren zu können, aber das ganze ist wie ein Fass ohne Boden. Lassen wir uns überraschen, ob die Manager von Planet Hollywood das Ruder herumreissen können.
Der finanzielle Einfluss durch grosse und mächtige Finanzgesellschaften war auch erst nach 1969 möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt war es einem Casino nicht gestattet, Geld, von Teilhabern zu bekommen, die nicht über eine Gaming License verfügten. Aktionäre mussten selbst eine Konzession als Casino-Betreiber haben. Doch je grösser und toller diese Casinos wurden, um gegenüber der Konkurrenz überlebensfähig zu sein, desto mehr Geld kostete ein Casino bis zur Fertigstellung. Nicht alle Operators hatten genügend liquide Mittel. Also musste allenfalls Geld von anderen Seiten beschafft werden. Daher also der Einfluss der Unterweltbosse von der Ostküste...
[bild:2] Ziemlich früh war der Bedarf an Luxus Hotels gross. Dies erkannte, wie wir wissen, Benjamin Siegel, der 1946 das Flamingo bauen liess, sehr schnell. 1966 sollte jedoch noch einmal ein ganz neuer Standard gesetzt werden. Jay Sarno's Project "Caesars Palace", ein 19 Millionen Dollar Hotel und Casino, eröffnete am 5. August 1966. Die Kosten für die spektakuläre Eröffnungsfeier alleine überstiegen die Millionen Dollar-Grenze bei weitem! Auf der Besucherliste waren nicht weniger als 1.800 Gäste eingetragen. 2 Tonnen Filet Mignon musste herbeigeschafft werden, 30.000 frische Eier, über 50.000 Gläser Champagner und dazu noch die allergrösste, JEMALS aufgegebene Bestellung an Russischem Kaviar!
Die ursprüngliche Version des Caesars Palace bestand aus einem 14stöckigen Hotel-Turm mit 680 Zimmern und Suiten, einem Casino, welches heute eher schon als klein gelten würde, und einem Circus Maximus mit 800 Sitzplätzen für Showanlässe oder sportliche Wettkämpfe. Darüber hinaus gab es natürlich noch unzählige Restaurants und Hunderte von Slotmaschinen, die überall im Casino-Floor verteilt standen.
Caesars Palace wurde 1969 verkauft an Clifford Perlman, für eine sagenhafte Summe von 60 Millionen Dollar! Perlman verfolgte eine ganz eigenartige aber dennoch erfolgreiche Marketing-Strategie. Er begann eine Kampagne, sein Casino bekannt zu machen, indem er Werbespots im Fernsehen lancierte, in Filmen, oder indem er sportliche Super-Events veranstaltete. Boxkämpfe mit Schwergewichts-Weltmeister Muhammed Ali kämpften im Caesars Palace um den Titel. Solche Super-Fights finden auch heute noch regelmässig in Las Vegas statt und ziehen Tausende von Glücksrittern in die Stadt... und an die Würfel- und Black Jack Tische.
Im nächsten Bericht erfahren Sie mehr über Circus und die Casinos, die in den 80er-Jahren gebaut wurden und Las Vegas immer aufregender und interessanter machen würden.
Rundgang durch Las Vegas
Siehe auch:
Neue Reportagen: Gambling in Las Vegas
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 1)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 2)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 3)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 4)
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