(rs) Mit dem Flamingo, welches 1947 fertiggestellt wurde, standen nun 3 Top-Casinos am neu entstandenen Las Vegas Boulevard. Daneben - wie bereits berichtet - das Last Frontier und das El Rancho Hotel and Casino. Nun begann das eigentliche Rennen um das Geld!
Das nächste grosse Hotel am Strip war das Thunderbird, welches 1948 eröffnet wurde. Ebenfalls ein Casino im Wild West Thema, finanziert durch Gelder aus dem organisierten Verbrechen, welches später, im Jahre 1955, zum Entzug der Lizenz führen sollte. Später wurde es wieder eröffnet, doch der Ruf war ruiniert. Das Thunderbird ging später für knapp 10 Millionen Dollar an die Del Webb Corporation. 1972 wurde es an Caesars Palace verkauft. Der spätere Besitzer des Dunes Hotels, an dessen Stelle heute das gigantische Super Casino Bellagio steht, kaufte das Thunderbird 1977, vergrösserte es und änderte den Namen auf Silverbird. 1981 ging das Casino an Ed Torres über, der den Namen wiederum in El Rancho änderte. Das ursprüngliche El Rancho stand nur 2 Blocks auf der gegenüberliegenden Strassenseite, und es bestand kein Zusammenhang zwischen diesen beiden Casinos. Nun begann ein wahrhaftiges Jahrzehnt der Entwicklungen. In den 50er-Jahren begann der eigentliche Bau-Boom am Las Vegas Boulevard. Ein Zusammenhang bestand auch mit der Entwicklung und der wachsenden Popularität der Automobile und dem starken Anstieg der Bevölkerungszahlen in Kalifornien, was die Nachfrage nach mehr Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten steigerte. Mehr Hotels und mehr Casinos waren notwendig, um die Touristen und die Glücksritter, die mehrheitlich aus Los Angeles zum Wochenendurlaub nach Las Vegas kamen, zufrieden zustellen.
Eines der neuen Top Adressen war das Desert Inn, welches in den späten 40er-Jahren gebaut wurde. Das D.I. sollte Las Vegas' schönstes Hotel werden. Es war der Lebenstraum von Wilbur Clark, einem ehemaligen Bell Man und Barbesitzer aus Kalifornien. Clark besass bereits Anteile am ursprünglichen El Rancho und später eröffnete den Players Club, ein kleines Casino am Highway 91, und später noch den Monte Carlo Club, ein Casino in der Downtown-Gegend. Durch diese kleineren Casinos kam er schon recht schnell zu Wohlstand und kaufte später das Grundstück auf der anderen Strassenseite vom Last Frontier. 1946 begannen die Bauarbeiten für das Projekt Desert Inn. Der Name übrigens wurde kopiert vom Desert Inn Hotel in Palm Springs, welches stets Wilbur Clarks Vorbild-Hotel war und welches er bewunderte.
Das gleiche Problem wie die übrigen Hotels hatte auch das Projekt "Desert Inn": Die Finanzierung war gefährdet. Die Kosten überschlugen sich und Clark hatte kein Geld mehr, um das Casino fertig zustellen. Daher wurden die Bautätigkeiten zwischen 1947 und 1948 vorübergehend unterbrochen. Ein Jahr später, 1949, war die Finanzierungsfrage gelöst. Aus der Ostküste wurden Gelder bereitgestellt, welche ähnlichen Ursprung hatten wie die Finanzierungsgelder für das Flamingo Hotel unter Benjamin Siegel.
Das Desert Inn wurde am 24. April 1950 eröffnet. Unter einem massiven finanzielle Aufwand wurden Reporter aus dem ganzen Land auf Kosten des Casinos eingeflogen, um Berichte über die sensationelle Eröffnungsfeier zu schreiben. Diesmal schlug der Erfolg ein wie eine Bombe. Bereits in der ersten Woche generierte das D.I. einen Netto-Profit von 750.000 Dollar, darunter fast 100.000 Dollar durch die Verkäufe an der Bar. Danach gingen die Profite leicht zurück, aber monatlich blieben sie nicht unter 200.000 Dollar - nach 1 Jahr war das Casino bereits circa 2 Millionen im Plus.
Etwas nördlich gelegen, das Sahara Hotel and Casino, welches heute noch immer denselben Namen trägt. Ursprünglich unter dem Namen Club Bingo betrieben, unter der Kontrolle von Milton Pell mit Afrikanischem Interieur. Das Casino war eines der ersten typischen Themen Casinos, mit dem auch heute noch bekannten Congo Room, Caravan Room Restaurant. Das Sahara wurde 1952 eröffnet und in regelmässigen Abständen vergrössert und erweitert. Bis 1966 sollte es das Hotel mit dem höchsten Hotel Turm sein. Berühmte Musicbands wurden nach Las Vegas eingeflogen, 1964 gab es 2 Auftritte der Beatles im Sahara Hotel.
[bild:1] Ungefähr um dieselbe Zeit wurde auch das Sands Hotel and Casino eröffnet, lediglich 3 Monate, nachdem das Sahara seinen Betrieb aufgenommen hatte. Das Sands Hotel gehörte Jake Friedman, einem Millionär aus Texas, der nach Las Vegas kam, um dort ein Luxus Hotel zu eröffnen. Friedman kaufte sich das LuRue Restaurant am Highway 91 (später Las Vegas Boulevard) und begann dort seine Bautätigkeiten für das Sands Hotel. Ursprünglich sollte das Sands den Namen Holiday Inn bekommen. Einer Legende zufolge soll Friedman die Baustelle für sein neues Hotel betreten haben und sich fürchterlich aufgeregt haben über den Sand, der in seine Schuhe kam. Spontan entschied er sich, die Baustelle einfach "The Sand" zu nennen. Der Bauherr belehrte Friedman und sagte, man muss, wenn schon, den Plural, also "The Sands" verwenden. Und dieser Name gefiel Friedman so gut, dass das Hotel auf The Sands benannt werden sollte. In einer Rekord-Bauzeit von nur 9 Monaten wurde das Sands betriebsbereit gemacht. Der Slogan lautete: The Sands - A Place in the Sun. Das Hotel bestand aus 2 5-stöckigen Türmen mit ursprünglich 200 Zimmern, die in einem Bogen um einen Halbmond-ähnlichen Pool angelegt waren. Als zusätzliche Attraktion war die Hoteleigene Show, "The Copa", welche die Copa Girls, angeblich die schönsten Frauen der Welt, in ihrer Show auftreten liessen. Es begann das Zeitalter der Super-Shows. Alle Tänzerinnen wollten in diese Show kommen, und für Jahrzehnte war "The Copa" die beste Show von Las Vegas.
Im übrigen begann nun auch die Film-Industrie hellhörig zu werden. Die sensationellen Hotel-Kulissen waren Schauplatz vieler Filme. Hollywood Superstars wie Grace Kelly und Cary Grant drehten 1955 den Hitchcock Thriller "To catch a thief" mit Szenen im Sahara Hotel. Doris Day, Frank Sinatra, Dean Martin oder Jerry Lewis, alles berühmte Namen, die für Drehaufnahmen in die Casinos von Las Vegas gebracht wurden.
Eines der Casino-Projekte, die es riskierten, abseits vom Strip oder Downtown ins Geschäft zu kommen, war The Showboat. Marketing Analysen wollten vermuten, Las Vegas würde in die südöstliche Richtung wachsen. Überzeugt durch diese Prognosen, entschieden sich William J. Moore, Manager vom Last Frontier Hotel, und seine Partner zum Bau des etwas gewagten Projektes, ungefähr 3 Kilometer südöstlich von Downtown, Las Vegas. Die Stadtgrenze war damals so gezogen, dass Hotels wie das Sands, Sahara, Flamingo, Desert Inn, etc., nicht mehr zu Las Vegas zählten. Jedoch das Showboat wurde noch innerhalb der Grenze errichtet, wurde somit das offiziell erste Casino Resort von Las Vegas.
Eröffnet wurde das Showboat am 3. September 1954, und als Vorlage dieses Casinos dienten die im 19. Jahrhundert typischen Raddampfer auf dem Mississippi und anderen Flüssen. Im Inneren des Casinos galt ein Roman von Mark Twain als Vorlage für die Dekoration.
Für das Showboat war ein Überleben nur möglich, mit einem gezielten und sehr aggressiven Marketing Projekt die Spieler anzuziehen. Das Showboat organisierte Bus Touren für Touristen aus Kalifornien und als zusätzliche Attraktion wurde 1959 eine 24-Bahnen Bowling-Anlage angeboten. Bis in die späten 90er-Jahre wurde diese Bowling-Anlage aufgestockt auf einen 2. Raum, so dass schlussendlich 110 Bahnen zur Verfügung standen. Um Einheimische ins Casino zu locken, bedarf es mehr als nur ein paar Spielautomaten oder einen Würfeltisch. Dieses Konzept mussten die Casinos, die ausserhalb der Touristenmeile "Las Vegas Strip" operieren wollten, schnell verstehen, oder sie würden aus dem Geschäft gehen. Über die Bedeutung von diesen "Locals"-Casinos und einigen andere Hotels sowie über den Einfluss der Finanzgesellschafen werden wir in den späteren Berichten schreiben. Ebenso werden wir Ihnen noch Persönlichkeiten wie Steve Wynn oder Bob Stupak näher- bringen. Bleiben sie also dabei.
Rundgang durch Las Vegas
Siehe auch:
Neue Reportagen: Gambling in Las Vegas
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 1)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 2)
Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 3)
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