Thomas Zoissl – soll sein Fall zur "Abschreckung" dienen?
Von Lisa Horn
Thomas Zoissl hat privat veranstaltete Turniere geleitet und organisiert, und das seit 2006. Nun hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Er musste sich dem Vorwurf "Verdienst an illegalem Glücksspiel und Veranstaltung von illegalem Glücksspiel" stellen und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Schlag für Zoissl, er hat den Glauben in die Gesetze verloren, fühlt sich gemobbt und vorgeführt. Für ihn ist klar, dass er den neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrag nicht verletzt hat. Ein Artikel in der "Passauer Neuen Presse" berichtet über den Fall, laut Thomas Zoissl mit falschen Angaben und Tatsachen, ja sogar "Verleumdung". PokerNews ist der Sache nachgegangen und hat Thomas Zoissl zum Interview gebeten.
PokerNews: Im ZDF Bericht "Frontal" vom 6.Mai wurde darüber berichtet, dass sie eine Geldstrafe von € 28.000,- abgelehnt hatten und es deshalb zu einer Anklage kam – Vorwurf: "Verdienst an illegalem Glücksspiel und Veranstaltung von illegalem Glücksspiel". Wieso haben sie die außergerichtliche Einigung nicht angenommen und wie kam es überhaupt zu dieser Anklageerhebung?
T. Zoissl: Eines Tages, nach über einem Jahr in dem ich Turniere geleitet hatte, haben zwei zivile Kriminalbeamte an meinem Turnier teilgenommen, wo Spieler öfter für jeweils 6,00 EUR gespielt haben. Diese Informationen gingen an die Staatsanwaltschaft und schon wurde ermittelt, Zeugen gesucht und irgendwann wurde der Druck so groß, dass ich mich bei der Kriminalpolizei verantworten musste.
PokerNews: Sie organisieren seit 2006 Pokerturniere, haben sie wirklich nicht gewusst (seit dem neuen deutschen Staatsvertrag), dass sie sich mit einem Verdienst an Pokerturnieren strafbar machen? Laut Staatsanwalt sollen sie € 63.000,- eingenommen haben.
T. Zoissl: Verdienst hin oder her. In Wirklichkeit ist es ganz anders gelaufen. Ich wollte den Spielern stets nur immer anbieten Poker zu erlernen und Spaß zu haben. Wer bei meinen Turnieren gespielt hat, hatte immer Spaß und der weiß auch, dass ich mich immer bemüht habe Turniere ordentlich zu organisieren. Wenn dann jedoch aus den Turnieren ein bisschen Geld übrig bleibt, werde ich es sicherlich nicht wegwerfen.
PokerNews: Wenn sie sagen, dass sie nichts an den Events verdient hätten, dann stellt sich natürlich die Frage warum sie dann Pokerturniere organisiert haben?
T. Zoissl: Wie bereits erwähnt habe ich Turniere organisiert, um den Spielern die Möglichkeit zu geben Poker zu erlernen und zu spielen. Seit über einem Jahr habe ich nur noch Multitable Turniere angeboten, bei denen sich die Spieler nur einmal einkaufen und Freezeout Modus spielen konnten. Jeder Spieler erhielt stets zwischen 12.000 oder 20.000 Jetons und die Blinds stiegen alle 20 Minuten. Der Unkostenbeitrag war hier einmalig 15,00 EUR. Was an Turnieren mit einmaligen Einkauf und 15,00 EUR übrig bleiben soll, verstehe ich nicht. Ich frage mich, wie es dann andere Veranstalter machen, die nach wie vor immer noch Sit & Go Tische mit mehrfacher Teilnahme anbieten.
PokerNews: Der Staatsanwalt meint, dass es bei ihren Turnieren die Möglichkeit gab ein Re-Buy zu machen. Stimmt das?
T. Zoissl: Ein Rebuy sicherlich nicht. Es war früher möglich bei einigen Turnieren an mehreren Sit & Go Tischen und Turnieren teilzunehmen. Ein Rebuy ist jedoch etwas ganz was anderes. Rebuy bedeutet, dass man sich nach Ausscheiden wieder in denselben Tisch einkaufen kann. Diese Information ist aber leider noch nicht an die Staatsanwaltschaft vorgedrungen, somit denkt diese, das ein Rebuy eine Mehrfachteilnahme an einem Turnier ist.
PokerNews: Was ist ihr Hauptberuf, wenn sie bei Pokerturnieren nichts verdienen?
T. Zoissl: Ich bin gelernter Industriekaufmann, Ausbilder sowie Fachkraft für Rechnungswesen. Dieser Arbeiten, gehe ich seit mehr als 11 Jahren nach. Derzeit bin ich selbständig und biete den Firmen Hilfe an.
PokerNews: Was ist mit Society Poker? Gab es deswegen auch eine Anzeige?
T. Zoissl: Die Pokerseite www.society-poker.de ist keine Pokerseite mit Glücksspielinhalt. Diese Seite ist eine offizielle Community und Pokerinformationsseite, wo ausschließlich Ergebnisse sowie legale Pokerturniere mit einmaliger Teilnahme und mit offizieller Anmeldung bei den Ordnungsämtern beworben werden.
PokerNews: Sie überlegen rechtlich gegen die Passauer Neue Presse vorzugehen, warum? Wegen der Aussage sie seien "arbeitslos und verschuldet"? Wie kommt die Zeitung zu dieser Annahme?
T. Zoissl: Mein Anwalt hat bereits rechtliche Schritte gegen die Passauer Neue Presse eingeleitet. Es ist eine Frechheit zu behaupten, dass ich hoch verschuldet bin. Es wurde vor dem Prozess ein Grundbetrag bei den Banken eingefroren, von dem ich jetzt einen Teil bezahlen muss, der Rest wurde mir wieder freigegeben, über den ich nun wieder verfügen kann.
Das ich arbeitslos bin ist noch eine größere Frechheit. Ich bin selbständig und nach wie vor sehr erfolgreich in dem was ich tue.
Es handelt sich hier ganz klar um Rufschädigung und das werde ich nicht dulden. Schade nur, dass die Zeitung mich nicht, wie Sie, persönlich interviewt hat.
PokerNews: Haben sie das Gefühl, dass auf sie "hingehackt" wird?
T. Zoissl: Ich kann es mir nur so erklären, dass ich dem Staat zu erfolgreich geworden bin. Da das Monopol für Glücksspiel bei den Bayerischen Spielbanken und somit beim Staat ist, denkt dieser sicherlich, dass ihm hier Gelder entgehen, deshalb auch sicherlich der Abschöpfungsbetrag in Höhe von 14.000,00 EUR den ich zahlen muss. (Hinzu kommen 3000 EUR Strafe)
PokerNews: Glauben sie, dass sie als "Paradebeispiel" vorgezeigt werden um andere Turnierveranstalter einzuschüchtern?
T. Zoissl: Aber natürlich. Ich denke, dass mit diesem Beispiel (Musterprozess) eine gewaltige Welle auf die Deutschen Turnierveranstalter zukommt die auf keinen Fall aufgehalten werden kann. Ich wurde so dermaßen eingeschüchtert und unter Druck gesetzt, dass ich niemals eine Chance gehabt hätte, diesen Fall zu gewinnen. Es ist schließlich der derzeit mit Abstand größte Prozess bezüglich Pokerturniere, der in Deutschland bisher durchgeführt wurde.
PokerNews: Organisieren sie jetzt noch Turniere? Auf ihrer Homepage Society Poker stehen noch Termine für Mitte September.
T. Zoissl: Ich selbst habe noch nie Turniere veranstaltet und auch nicht direkt organisiert. Die Turniere waren niemals auf mich angemeldet, da ich kein Veranstalter sein wollte. Ich habe nur immer für verschiedene Turnierveranstalter Turniere geleitet.
Die Turniere die auf meiner Homepage beworben werden sind legal und ordentlich angemeldet und werden auch ordentlich mit gesponserten Preise und einmaliger Teilnahme durchgeführt.
Quelle: http://de.pokernews.com
veröffentlicht am: 13.09.2008 04:59
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