Private Anbieter haben die besseren Karten
Veröffentlicht am 26.09.2007 04:59 Uhr
© Gastkommentar Jochen Dickinger, Gründer und Geschäftsführer von bet-at-home.com über Glücksspiellizenzen, Spielerschutz und Poker
In den letzten Monaten wurde im deutschsprachigen Raum viel über das Glücksspielrecht geschrieben und diskutiert. Einerseits legten die privaten Anbieter ihre Rechtsansicht dar, andererseits wollten die Monopolisten mit der Hilfe von PR-Agenturen den Anschein wecken, dass nur sie das Glücksspiel in Europa legal anbieten. Fakt ist: Dies ist unrichtig. Gutachter und Gerichtsurteile beweisen klar das Gegenteil. Der Europäische Gerichtshof hat bereits im März dieses Jahres ein eindeutiges Urteil gesprochen. Demzufolge darf in der Europäischen Union kein Unternehmen verwaltungs- oder strafrechtlich verfolgt werden, wenn es seine Glückspiellizenz in einem EU-Mitgliedsland erworben hat (siehe Placanica-Prozess). Auch renommierte Professoren und Rechtsexperten bestätigten dies. In mehreren Gutachten haben sie festgestellt, dass private Anbieter ihre Dienstleistungen – beispielsweise in Österreich – selbstverständlich anbieten dürfen, wenn sie über eine Glücksspiellizenz aus Malta oder Gibraltar verfügen. Diese Lizenz ist übrigens, entgegen der verbreiteten Meinung, nicht einfach zu bekommen. Denn zuvor analysieren Wirtschaftsprüfer das Unternehmen bis ins Detail – Computerspezialisten durchleuchten die Software und auch eine Gaming-Behörde kontrolliert den Lizenznehmer. Hinzu kommt, dass viele Privatanbieter an der Börse notiert sind, weshalb Marktkapitalisierungen von 100 Mio. Euro keine Seltenheit sind und die Geschäftskonzepte dieser Unternehmen einer laufenden Kontrolle durch Wirtschaftsprüfer unterliegen. All diese Fakten schrecken die Monopolisten jedoch keineswegs davon ab, die privaten Gesellschaften fälschlicherweise als illegal zu bezeichnen.
Uns ist nicht bange
Uns ist nicht bange. Durch verunsicherte Investoren, Mitarbeiter und Geschäftspartner fügen sie den Privaten damit zwar kurzfristig Schaden zu, mittelfristig wird dieses Doppelspiel aber durchschaut werden. Auch vorgeschobene Argumente wie "Spielerschutz" sind nicht haltbar. Nein, nicht weil ein ehemaliger Vorstand der Österreichischen Lotterien, Helmut Elsner, mit dieser wichtigen Aufgabe betraut war. Sondern weil im Gegensatz zu den anonymen Spielmöglichkeiten in den Trafiken der User sich bei privaten Anbietern zwingend ausweisen bzw. identifizieren muss.
Wie ernst die Monopolisten den Spielerschutz nehmen, zeigen die bekannten Spielcasinobesuche von Hannes Kartnig sowie die von den Casinos Austria zu bezahlenden Schadensersatzforderungen im sechsstelligen Bereich an klagende Spieler. Gerade die skandalösen Vorgänge im Zusammenhang mit jahrelangen, horrenden Spielverlusten des bekannten steirischen Unternehmers,haben die latente Problematik der Spielpraxis in den Casinos spektakulär zu Tage gefördert. Die Aussagen des langjährigen Casino-Vorstands Leo Wallner zu diesem Thema: "Kartnig hat genug verdient, um in diesen Höhen spielen zu können. Solche großen Spieler wollen wir haben", erklärte Wallner am 3. Juni auf Ö3, ehe er ergänzte: "Die kleinen sind völlig uninteressant." Zum Vergleich: Bei uns liegt der Spielein-satz durchschnittlich bei etwa acht Euro. Und einen sechsstelligen Betrag hat in der siebenjährigen Unternehmensgeschichte noch niemand verspielt. Dies wird wohl auch nie passieren, denn unsere Software lässt zu hohe Einsätze nicht zu. Gut so, denn der Spaß sollte schließlich klar im Vordergrund stehen. Um es abschließend in der Pokersprache zu sagen: Lassen wir uns nicht von den Monopolisten bluffen! Wir, die Privaten, haben die deutlich besseren Karten und sind bereit für den Showdown.
Quelle: http://www.medianet.at/
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