Auch an Glücksspielautomaten lauert die Gefahr
Veröffentlicht am 30.03.2006 11:46 Uhr
Wenn das Spiel zur Sucht wird
Oberwallis / Lotterien und Sportwetten erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Vor allem die Glücksspiel- oder Geschicklichkeitsautomaten finden immer mehr Zugang. Die Folge: Einige Spieler werden dabei so sehr in Beschlag genommen, dass sie der Abhängigkeit verfallen.
Von Walter Bellwald
Nicht nur bestimmte Substanzen wie Heroin, Alkohol oder Tabak können eine Abhängigkeit hervorrufen, sondern auch gewisse Tätigkeiten wie das Glücks- und Geldspiel. Um diese Auswüchse in den Griff zu bekommen, untersteht das Spielbankengesetz einer ausdrücklichen Vorschrift über Sozialkonzepte und Massnahmen zur Vermeidung von Spielsucht. Demgegenüber beinhaltet das geltende Lotteriegesetz keine ausdrücklichen Gesetze, um gegen die Spielsucht anzugehen.
60 Millionen Gewinn
Nicht weniger als 180 Millionen Franken hat die Loterie Romande im letzten Jahr ausgeschüttet, um gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Ein Drittel dieser Gelder fliesst aus dem Spielerlös der Tactilo-Automaten, einer elektronischen Variante des klassischen Papier-Rubelloses. An über 600 Spielautomaten in der ganzen Westschweiz wird das beliebte Tactilo gespielt. Dass diese Form des elektronischen Glücksspiels einen nachhaltigen Eindruck auf die Spielerinnen und Spieler ausüben könnte, ist man sich bei den Verantwortlichen der Loterie Romande bewusst. Dennoch glaubt man nicht, dass dadurch die Spielsucht gefördert werden könnte. Jean-Luc MonerBanet, Vizedirektor der Loterie Romande: "Die Geräte sind so geschaffen, dass sie keinen Anreiz zu übermässigem Kauf von Losen bieten sollten. Neben der Begrenzung des Einsatzes ist vor allem die künstliche Verlangsamung der elektronischen Vorgänge am Bildschirm eine präventive Massnahme gegen Spielsucht." Auch aufgrund ihrer äusseren Erscheinung lasse sich deutlich erkennen, dass es sich bei den Tactilo-Terminals nicht um Geldspielautomaten handle.
Professionelle Hilfe
Gleichzeitig mit der Einführung der Tactilo-Terminals habe die Loterie Romande die Zusammenarbeit mit dem Centre de Jeu Excessif in Lausanne aufgenommen. In Zusammenarbeit mit den Suchtexperten würden die Tactilo-Terminals laufend weiterentwickelt, um das Risiko der Abhängigkeit zu minimieren. "Zusätzlich haben wir in jedem Kanton eine Anlaufstelle eingerichtet, die eng mit den Verantwortlichen des Centre de Jeu Excessif zusammen arbeitet", erklärt MonerBanet. Daneben würden die Restaurant- und Barbesitzer angehalten, den Spielern auf die Finger zu schauen und sie wenn nötig, in geeigneter Form auf das Hilfsangebot des Centre de Jeu Excessif aufmerksam zu machen. Schliesslich weist MonerBanet darauf hin, dass das Suchtpotenzial bei einem Casinobesuch ungleich höher sei als bei den Tactilo-Terminals. "Kommt hinzu, dass der Erlös des Spiels bei der Loterie Romande einem öffentlichen Nutzen zugeführt wird. Dies im Gegensatz zu den lukrativen Umsätzen der Casino-Betreiber."
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