Novomatic droht mit Abwanderung
Veröffentlicht am 27.03.2006 08:18 Uhr
Rute im Fenster - Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt überlegt, die Konzernzentrale von Niederösterreich abzuziehen.
VON HARALD SERVUS
"Man hat die politische Auseinandersetzung rund um das kleine Glücksspiel auf unserem Rücken ausgetragen." Das sagt Franz Wohlfahrt, Vorstands-Chef der Gumpoldskirchner Novomatic-Gruppe im NÖN-Gespräch. Man habe gegen sein Unternehmen ungerechtfertigte Vorwürfe erhoben und die 600 Mitarbeiter, die Novomatic in Gumpoldskirchen beschäftigt, stark verunsichert. "Man hat versucht, uns zu kriminalisieren."
Als "redlicher Vorstand" versuche er – Wohlfahrt – nun die Ansprüche von Novomatic (es wurden Klagen eingeleitet) konsequent zu verfolgen: "So leid es mir tut, Landeshauptmann Pröll muss die Suppe auslöffeln, die ihm SP-Landesrätin Christa Kranzl eingebrockt hat." Ein Gespräch mit Pröll hat – allerdings ohne Ergebnisse – bereits stattgefunden. Indirekt stellt Wohlfahrt Niederösterreich die Rute ins Fenster: "Die ganze Situation gibt zu Überlegungen Anlass, unsere Konzernzentrale zu verlegen – weil wir hier in NÖ auf Rechtssicherheit vertraut haben und weil wir es nicht notwendig haben, uns derart attackieren zu lassen."
Allerdings ist Novomatic als Sieger aus dem monatelangen Rechtsstreit hervorgegangen. Die Genehmigung von 2500 "Video Network Terminals" – themenbezogene Spiele, bei denen man mit einem Spieleinsatz von 50 Cent 20 Euro gewinnen kann – sei rechtmäßig erfolgt: Das haben sowohl der Verwaltungsgerichtshof als auch der Unabhängige Verwaltungssenat bestätigt.
Was fängt Novomatic nun mit dieser gültigen Genehmigung an? "Wir werden rasch beginnen, die Automaten aufzustellen", sagt Wohlfahrt. Er will in Niederösterreich in Frequenzlagen insgesamt 15 Admiral-Entertainment-Standorte auf die Beine stellen, die Gastronomie, Sportwetten und Spielautomaten auf gehobenen Niveau bieten sollen: "Bei uns soll die Unterhaltung im Vordergrund stehen." Begonnen werden soll damit in Wiener Neustadt "in den nächsten Tagen", wo die 33 beschlagnahmten Automaten wieder freigegeben wurden. In Planung sind bereits auch Standorte in Vösendorf, Krems Amstetten und St. Pölten.
"20 Millionen Euro wollen wir in die Standorte in NÖ investieren", sagt Wohlfahrt, im Endausbau sollen dadurch allein in Niederösterreich 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Damit soll auch der Geldabfluss ins Ausland – beispielsweise durch Internet-Wetten – gebremst werden.
Zu zwei Grundvoraussetzungen steht Wohlfahrt: "Erstens werden wir nur Volljährigen Zutritt gewähren – das ist unser Beitrag für den Jugendschutz. Zweitens werden wir in Kooperation mit bestehenden Einrichtungen auch auf den Spielerschutz achten. Das heißt, dass wir mithelfen werden, Spielsüchtige zu erkennen und zu therapieren." Das ist auch der Grund, warum sich Wohlfahrt – trotz seiner bereits erhaltenen Genehmigungen – für ein neues NÖ-Glücksspielgesetz ausspricht: "Nur damit kann der illegale Glücksspielmarkt verdrängt werden."
Doppelmoral bei Glücksspiel
In Sachen Glücksspiel ortet Wohlfahrt eine "Doppelmoral": Es gebe in NÖ unzählige Lotto-Annahmestellen, Wettannahmestellen, ein Casino in Baden, Lotterie-Terminals in Ebreichsdorf, Internet-Anbieter, Fernseh-Gewinnspiele. "Diese Glücksspiele wurden alle unbeanstandet geduldet. Das ist die Doppelmoral. Sonst hätte man konsequent alle Glücksspiele verbieten müssen."
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